Bayern sticht

Von Thomas Gaber
Samstag, 03.04.2010 | 22:35 Uhr
Augen zu und durch zu drei Titeln?: Martin Demichelis (l.) und Franck Ribery auf Schalke
© Getty
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Sieg gegen Manchester United, Sieg auf Schalke: der FC Bayern hat seine kurzfristigen Ziele erreicht und bastelt weiter am maximalen Erfolg. Präsident Hoeneß verteilt Watsch'n an die Konkurrenz. Magath sucht die Schuld bei sich und stellt vieles infrage.

Letzten Samstag war Uli Hoeneß nicht besonders redselig. "Ich sag heute bestimmt nichts", donnerte der Präsident des FC Bayern den Journalisten nach der 1:2-Niederlage gegen den VfB Stuttgart entgegen. Sprach's, schüttelte die lästige Meute mühelos ab und verschwand durch den Seitenausgang.

Hoeneß hat sich sehr zurückgezogen, seitdem er die Abteilung gewechselt hat. Analysen überlässt er anderen. Wenn die Angestellten verloren haben, ist verbaler Nihilismus angenehm.

Ein ziemlicher Stich

Wenn seine Bayern gewinnen, prescht Hoeneß noch immer gerne nach vorne, vor allem dann, wenn's besonders wichtig war.

"Ich glaube, dass es ein ziemlicher Schock für Schalke 04 ist, wenn man so nahe dran ist, und dann gegen zehn Mann praktisch keine Torchance hat. Dann gibt das einen ziemlichen Stich", sagte Hoeneß nach dem 2:1-Sieg der Münchner auf Schalke bei "Sky".

Bayern hat gestochen. Zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen. Wie beim Zocken mit den Quartett-Karten hatten die Bayerm nach dem Stuttgart-Spiel nicht mehr viel auf der Hand und zwei großkalibrige Widersacher unmittelbar vor sich. Die letzten Trümpfe mussten stechen, um im Spiel zu bleiben.

Gegen Manchester United war es ein Sieg des Willens, auf Schalke ein Sieg der Überwindung. Die Bayern haben das Spiel gedreht und jetzt sogar die besseren Karten.

Van Gaal erreicht seine Ziele

Trainer Louis van Gaal spricht stets von Zielen, die er mit seiner Mannschaft erreichen müsse. Anfang April ist das maximal Erreichbare weiter möglich, die Chancen sind gestiegen. Das hat es lange nicht gegeben in München. Die Bayern liefern die dafür erforderlichen Ergebnisse. "Wir sind noch in drei Wettbewerben, das ist unglaublich", sagte van Gaal.

Erfolg macht selbstbewusst, gerade in München. "Hier zu gewinnen, war ja wohl das Mindeste. Jetzt sind wir Erster, so wie es sich gehört", sagte Kapitän Mark van Bommel.

Für Hoeneß war der Sieg beim bisherigen Tabellenführer Legitimation genug, ein bisschen tiefer zu bohren: "Der FC Bayern ist mit großem Abstand die beste deutsche Mannschaft. Das tut mir leid für alle anderen. Eine richtig gute Mannschaft zeichnet eben aus, dass sie auch im Duell der Giganten besteht."

Das mit dem Giganten relativierte Hoeneß umgehend. "Schalke hat hier quasi einsehen müssen, dass sie eigentlich nicht deutscher Meister werden dürfen! Denn wenn man gegen zehn Mann in 49 Minuten nicht eine Torchance hat, dann darf man nicht deutscher Meister werden", polterte er bei "Liga total".

Magath gibt Fehler zu

Die bayrische Arroganz wurde ausgerechnet von Felix Magath bestätigt. "Wir haben nicht mehr die Belastung, dass wir Tabellenführer sind, dass wir über die Meisterschaft reden, denn nach so einem Spiel braucht kein Spieler mehr von der Meisterschaft anfangen", sagte der Schalke-Trainer kleinlaut und suchte die Schuld zunächst bei sich.

"Die Frage ist: Warum ist es mir nicht gelungen, die Mannschaft richtig einzustellen, denn das hat mit Überzahl wenig zu tun. Wir haben von Beginn an nicht die richtige mentale Spielauffassung gezeigt."

Magath mutmaßte, dass man die Situation "falsch eingeschätzt" habe. "Wir haben so gespielt, als hätten wir was zu verlieren. Wir hatten aber eigentlich wenig zu verlieren - denn es ging gegen den Favoriten, gegen die beste Mannschaft der Liga."

Schweinsteiger: "Es ist noch nicht zu Ende"

Magath klingt untröstlich und nach der schwachen Leistung seiner Mannschaft ist jedwede Kritik berechtigt. Schalke 04 hat (mal wieder) eine große Chance vertan. Aber die Mannschaft hat lediglich eine Schlacht und noch lange keinen Krieg verloren. Mit einem Punkt Rückstand biegt Königsblau auf die Zielgerade ein.

"Kompliment an die ganze Mannschaft. Wir haben einen großen Schritt gemacht, aber es ist noch lange nicht zu Ende", sagte der erneut überzeugende Bastian Schweinsteiger.

Dienstagmittag fliegt die Bayern-Belegschaft in den Nordwesten Englands. Der nächste Stich steht an.

Schalke - Bayern: Daten zum Spiel

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