Leverkusen, Schalke

Bundesliga - 28. Spieltag

Kuranyi trifft doppelt! Schalke ist Tabellenführer

Von Stefan Moser / Andreas Lehner
Samstag, 27.03.2010 | 20:19 Uhr
Mit seinen Treffern gegen Leverkusen schraubte Kevin Kuranyi seine Saisonausbeute auf 17 Tore
© Getty
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Der FC Schalke 04 ist Tabellenführer! Die Mannschaft von Trainer Felix Magath gewann das Topspiel des 28. Spieltags bei Bayer Leverkusen verdient mit 2:0 (2:0) und zog damit in der Tabelle an Bayern München vorbei, das zuvor gegen Stuttgart mit 1:2 unterlag.

Vor 30.210 Zuschauern in der BayArena in Leverkusen schoss Kevin Kuranyi (11. und 27.) Schalke mit seinen Saisontoren 16 und 17  zum Sieg. Damit übernimmt die Mannschaft von Felix Magath die Tabellenführung vom FC Bayern München.

Mit der ersten Heimniederlage der laufenden Saison verabschiedet sich Bayer Leverkusen dagegen wohl fürs Erste aus dem unmittelbaren Titelrennen. Mit fünf Punkten Rückstand auf Schalke liegt die Werkself aber weiter auf Rang drei.

"Es war hier ein schöner Sieg und ein starker Auftritt nach dem Pokalspiel am Mittwoch über 120 Minuten", sagte Magath anschließend bei "SKY". Und schließlich ließ sich Schalkes Trainer sogar noch ein paar Sätze zum Thema Meisterschaft entlocken: "Wenn wir Bayern nächste Wochen schlagen würden, dann hätten wir schon Chancen auf den Meistertitel. Aber der FC Bayern hat das leichteste Restprogramm. Man muss damit rechnen, dass sie sehr viele Punkte zum Schluss machen."

Henyckes räumt eigene Fehler ein

Auch sein Gegenüber Jupp Heynckes traut Schalke den Titel zu: "Wenn man die erste Halbzeit sieht, muss man sagen, dass Schalke nicht nur Ambitionen, sondern auch große Chancen hat, die deutsche Meisterschaft zu gewinnen. Das war zweifellos ein hochverdienter Sieg."

Als Grund für die Niederlage räumte Leverkusens Trainer indes auch eigene Fehler ein: "Wir waren heute sehr offensiv ausgerichtet. Im Nachhinein muss man sagen, dass das ein Fehler war. Schalke ist dominant und läuferisch stark und hat das in der ersten Halbzeit ausgenutzt", so Heynckes.

So diskutierten die mySPOX-User während der Partie

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Leverkusen heute ohne den gesperrten Vidal und dafür mit einem neuen System: Heynckes bringt nur Reinartz als Sechser und dafür drei Offensive (Kroos, Barnetta, Renato Augusto). Im Sturm beginnt Helmes für den verletzten Kießling.

Bei Schalke kehrt Rafinha in die Startelf zurück, er beginnt aber überraschend links in der Viererkette. Insgesamt stellt Magath auf 4-3-3 um. Hinter Farfan, Edu und Kuranyi versucht sich Rakitic mal wieder auf der Zehn.

11., 0:1, Kuranyi: Erster Angriff der Schalker und schon scheppert's! Farfan setzt sich auf rechts gegen Castro durch und schickt Höwedes. Der bringt den Ball halbhoch nach innen. Edu lässt durch, Schwaab haut am Ball vorbei und Kuranyi steht blank vor Adler. Der lässt sich nicht bitten und schlenzt die Kugel aus zehn Metern rechts ins Eck. Sein 16. Saisontor.

15.: Rakitic bringt eine Ecke von links. Bordon ist sechs Meter vor dem Kasten völlig frei. Aber Adler fischt den Ball klasse von der Linie. Kuranyi köpft den Abpraller aus spitzem Winkel ans Außennetz.

27., 0:2, Kuranyi: Weltklasse-Tor der Schalker. Farfan und Kluge lassen mit einem Doppelpass auf rechts Castro und Barnetta stehen. Der Peruaner mit einer perfekten Flanke auf Kuranyi und der legt den Ball per Kopf genau neben den linken Pfosten. Kuranyis 17. Streich.

43.: Gefährlich! Helmes von rechts von der Grundlinie auf Renato Augusto. Der quer auf Kroos. Dessen Schuss aus 25 Metern fischt Neuer aus dem linken Eck.

Halbzeit-Fazit: Eine beeindruckende erste Halbzeit der Schalker ist vorbei. Leverkusen war absolut chancenlos, hat aber noch 45 Minuten Zeit für Wiedergutmachung.

55.: Hyypiä mit einem albernen Fehlpass an der Mittellinie auf Rakitic. Der schickt Kuranyi auf rechts. Der spielt den Ball flach zur Mitte. Castro grätscht im letzten Moment den Ball vor Edu weg.

68.: Bordon rutscht weg und auf einmal hat Kroos auf rechts ganz viel Platz. Der spielt den Ball halbhoch vors Tor. Höwedes rettet mit dem langen Bein zur Ecke. Die bringt nichts ein.

69.: Klasse Parade von Neuer! Kroos chippt den Ball aus der Zentrale in den Lauf von Derdiyok. Der Schweizer setzt sich gegen Bordon durch, scheitert aber an Neuer, der schnell rauskommt und den Winkel hervorragend verkürzt.

Fazit: Schalke gewinnt absolut verdient mit 2:0 in Leverkusen und setzt sich mit einer auch spielerisch beeindruckenden Leistung an die Tabellenspitze. Bayer hat schon fünf Punkte Rückstand.

Der Star des Spiels: Jefferson Farfan. Machte vor allem in der ersten Hälfte ein überragendes Spiel auf rechts und führte seine Gegenspieler teilweise vor. Dem Peruaner war es zu verdanken, dass Schalke auch spielerisch beeindruckte. Als Krönung bereitete er beide Treffer vor - beide Vorlagen verwandelte freilich auch der bärenstarke Kevin Kuranyi extraklasse.

Die Gurke des Spiels: Gonzalo Castro. Verlor in der ersten Hälfte bereits 5 von 6 Zweikämpfen - zwei davon führten direkt zu den Gegentoren. Spielte zuletzt im Mittelfeld sehr überzeugend, erwischte gegen Schalke als Linksverteidiger aber einen ganz schwachen Tag.

Die Pfeife des Spiels: Michael Weiner. Hatte keine Mühe mit der fairen Partie und machte keine gravierenden Fehler. Überzeugte zudem mit ruhiger Körpersprache und einer klaren Linie.

Die Lehren des Spiels: Die 120 Minuten inklusive Niederlage im Pokal gegen die Bayern merkte man Schalke nicht an. Mit ihrer typischen Mischung aus Disziplin und Zweikampfstärke dominierte die Elf von Felix Magath die Partie von der ersten Minute an - auch spielerisch. Leverkusen kam in der ersten Halbzeit zwar auf gut 55 Prozent Ballbesitz, aber nur zu zwei Torschüssen. Schalke dagegen tauchte über Farfan und Kuranyi immer wieder gefährlich vor Rene Adler auf und führte zur Pause hoch verdient mit 2:0.

Mit seiner aggressiven und hoch stehenden Verteidigung hielt Schalke den Gegner zudem weit weg vom Tor. Wie ein Uhrwerk funktionierte dabei wieder einmal die Abstimmung zwischen Viererkette und defensivem Mittelfeld. Exemplarisch dafür steht diesmal die Leistung von Joel Matip, der im Zentrum zwar eher wenig Ballkontakte und direkte Zweikämpfe hatte, dafür aber mit einer überragenden Übersicht und unheimlich viel Gefühl für den Raum überzeugte: Der 18-Jährige lief Löcher schon zu, bevor sie überhaupt entstehen konnten.

Gegen diese kompakte und laufstarke Defensive hatte Leverkusen keinerlei Rezept, das 0:3 gegen Dortmund am vergangenen Wochenende hat die Werkself offenbar nicht nur den Rhythmus, sondern vor allem auch jede Menge Selbstvertrauen gekostet. Zudem fehlt Bayer der verletzte Stefan Kießling an allen Ecken und Enden. Im Spielaufbau konnte sein Backup Patrick Helmes ihn nicht ersetzen, er wich weniger auf die Flügel aus und ließ sich vor allem kaum als Anspielstation ins Mittelfeld fallen. Insgesamt war das Offensivspiel der Leverkusener viel zu statisch, auch Toni Kroos brachte aus dem Zentrum kaum Linie ins Spiel.

Zum wiederholten Mal zeigte Leverkusen auch, dass es mit Rückständen nicht umgehen kann. Wie schon gegen Dortmund reagierte die Mannschaft beinahe geschockt, ließ sehr schnell (und kollektiv!) die Köpfe hängen - und verabschiedet sich damit wohl fürs Erste aus dem Titelrennen.

Schalke dagegen hat am kommenden Samstag nun die Chance auf den Big Point: das vorgezogene Endspiel gegen die Bayern. Und Schalke darf sich durchaus Hoffnungen machen: Spielerisch war die Partie gegen Leverkusen vielleicht die beste Saisonleistung.

Leverkusen - Schalke: Daten zum Spiel

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