Poldi wie Boris' zu schlechtesten Zeiten

SID
Samstag, 13.03.2010 | 20:31 Uhr
Lukas Podolski (r.) hat erst zwei Saisontore für den 1. FC Köln erzielt
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Nach dem sechsten Spiel in Folge ohne Sieg bekam es Lukas Podolski mit der Angst zu tun. "Wir hatten keinen Biss, keinen Willen und kein Feuer. Gegen zehn Mainzer haben wir uns keine einzige Chance rausgespielt. Wenn wir so weiterspielen, wird es für uns im Abstiegskampf noch einmal ganz eng", sagte der Nationalstürmer nach der bitteren 0:1 (0:0)-Niederlage des 1. FC Köln beim Aufsteiger FSV Mainz 05.

Nach dem Ende seiner Torflaute am vergangenen Wochenende gegen seinen Ex-Klub Bayern München spielte der 24-Jährige einmal mehr weit unter Form. Zudem wurde Prinz Poldi seiner Rolle als Führungsspieler des FC erneut nicht gerecht.

Er meckerte, er foulte, er machte nach misslungenen Aktionen abwertende Handbewegungen. Das eigene Team noch einmal zu einer besseren Leistung zu treiben - das gelang ihm einmal mehr nicht.

Poldi selbstkritisch

Der angeschlagene Coach Zvonimir Soldo wollte die Leistung des Angreifers, der nach 26 Spieltagen nur zwei Saisontreffer auf dem Konto hat, nicht kommentieren. Podolski zeigte sich zumindest wie immer selbstkritisch. "Klar kann ich mit meiner Leistung nicht zufrieden sein. Aber es kann nicht immer nur um mich gehen, die Mannschaft ist jetzt in der Pflicht", sagte Podolski.

Der Nationalspieler bezog am Samstag aber nicht nur auf dem Platz Prügel. "Lukas Podolski ist auf dem besten Weg, ein richtig unbeliebter Spieler zu werden. Darüber muss er sich aber nicht wundern, denn das, was er auf dem Platz macht, geht gar nicht. Ich kann ihm nur raten: Lieber Lukas, konzentriere dich endlich wieder auf deine Leistung", sagte FSV-Präsident Harald Strutz und verglich den Angreifer mit dem früheren Tennis-Star Boris Becker: "Poldi erinnert mich an Boris Becker zu seinen schlechtesten Zeiten. Becker hat sich auch immer aus dem Rhythmus gebracht, wenn er zu viel gemeckert und seinen Schläger geschmissen hat. Dann hat er auch immer verloren."

Verloren haben die Kölner auch das Zutrauen in die eigene Stärke. 63 Minuten agierten die Gäste nach Rot gegen Enfant terrible Aristide Bance wegen eines Ellbogen-Einsatzes gegen Geromel in Überzahl, Chancen erarbeiteten sie sich bis auf einen harmlosen Schuss von Podolski (75.) aber nicht.

Auch ein Donnerwetter von Soldo in der Halbzeitpause ging an den FC-Profis offenbar völlig vorbei. Ob der Kroate die Saison mit den Kölnern noch zu Ende spielen darf, ist nach nur 27 Punkten aus 26 Spielen und der aufkommenden Abstiegsangst ungewiss.

Träume vom Europapokal

Dagegen reiften bei den Mainzern nach dem zweiten Sieg in Folge durch das Tor von Andre Schürrle (57.) und nunmehr 38 Punkten Träume vom Europapokal. Die Anhänger wussten gar nicht, was sie nach dem nun sicheren Klassenerhalt singen sollten. "Nie mehr zweite Liga", wechselte sich ab mit Gesängen vom Europacup.

"Wir haben richtig Lust auf mehr, wir wollen einfach noch mehr Punkte holen, denn die Saison ist für uns noch nicht zu Ende", sagte FSV-Manager Christian Heidel, der die Strecken zu möglichen Europacup-Gegnern aber "noch nicht abgemessen hat".

Stolz auf sein Team war auch FSV-Coach Thomas Tuchel: "Das war Fußball vom Feinsten." Einziger Wermutstropfen war die Tatsache, dass nach Bance auch er selbst in der 87. Minute auf die Tribüne geschickt wurde.

Da es in Mainz keine Geldbußen gibt, hatte Tuchel seine persönliche Strafe schon im Blick: "Dann wechseln Aristide und ich uns nächste Woche mit dem Balldienst ab."

Mainz - Köln: Daten zum Spiel

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