Mit zittriger Handschrift

Von Andreas Lehner
Sonntag, 14.03.2010 | 00:19 Uhr
Die Bayern feiern ihren Heimsieg gegen Freiburg mit den Fans
© Getty
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Der FC Bayern baut gegen den SC Freiburg seine Serie in der Liga aus, offenbart aber auch Probleme. Die individuelle Klasse von Arjen Robben und Franck Ribery überstrahlt im Moment mannschaftliche Schwächen. Louis van Gaal ist gefordert.

Die Pressekonferenz war eigentlich schon beendet. Robin Dutt und Louis van Gaal hatten ihre Statements abgegeben und Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick wollte die beiden Trainer schon verabschieden, als sich ein Journalist doch noch zu einer Frage durchringen konnte.

Ob Arjen Robben die Lebensversicherung des FC Bayern und van Gaal ihm deshalb dankbar sei, wollte er wissen. Robben hatte mit seinem Hammer in Florenz und seinem Doppelpack gegen Freiburg immerhin zwei wichtige Erfolge für die Münchner gesichert.

"Deshalb muss ich mich bei ihm bedanken?", fragte van Gaal, der nun sichtlich in seinem Element war. "Wenn ein Spieler ein Tor schießt, hat er nicht gut gespielt. Es tut mir leid. Aber das ist hier in Deutschland so, wenn ein Spieler ein Tor schießt, hat er gut gespielt."

Sieg dank Robbens Klasse

Für den Fußballlehrer van Gaal fehlt es den meisten Journalisten an der nötigen Fachkenntnis. Das teilt er ihnen auch bei jeder Gelegenheit mit und hier hatte er wieder eine solche gewittert. In der zweiten Halbzeit habe Robben ziemlich gut gespielt, aber in der ersten nicht. "Und das weiß Arjen Robben. Aber ich würde mich freuen, wenn auch die Journalisten das wissen", so van Gaal.

Nun war es nicht sonderlich schwer zu erkennen, dass Robben in der ersten Hälfte nicht gut gespielt hat, weil keiner im Bayern-Trikot auch nur annähernd seine Normalform erreichte und die Mannschaft eine der schwächsten Halbzeiten der Saison ablieferte.

Am Ende war der Sieg gegen den Tabellenvorletzten vor allem einer Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte und der individuellen Klasse Robbens zu verdanken. "Aber er wird auch dafür bezahlt, Tore zu schießen", sagte van Gaal. "Und dafür muss sich ein Trainer bedanken? Ich denke nicht."

Van Gaal angefressen

Der Bayerntrainer war sichtlich angefressen ob der Leistung seines Teams. Schließlich hatten sie die Grundregeln seiner Fußballphilosophie nicht beachtet und keine Ordnung im Spiel. "Müller lief überall und nirgends rum", schimpfte van Gaal. Dazu kamen viele Ballverluste und defensive Nachlässigkeiten, die die Bayern auch gegen Freiburg an den Rand einer Niederlage brachten.

Schon in Florenz war es allein einem Geniestreich Robbens zu verdanken, dass die Münchner ihr Minimalziel in der Champions League erreichten und die Niederlage in Florenz als Sieg feiern konnten.

Aber das Spiel in der Toskana zeigte auch, dass die Bayern auf internationaler Ebene in der Defensive noch zu anfällig sind. Und nicht nur wegen den Aussetzern von Daniel van Buyten, sondern auch wegen der mangelhaften Defensivleistungen ihrer Flügelspieler Franck Ribery und Robben.

Die Dominanz ist weg

Die mannschaftliche Gesamtleistung zeichnete in den letzten Wochen leichte Sorgenfalten in das Gesicht van Gaals. Die Handschrift des Trainers wirkt in der Ausführung der Mannschaft im Moment etwas zittrig. Die dominante, zielstrebige Spiel- und Ballkontrolle ist den Münchnern etwas abhanden gekommen.

Gegen Hamburg, Florenz und Freiburg sicherten Ribery und Robben mit Einzelaktionen die Erfolge. Als die beiden Einzelkönner in Nürnberg und Köln nur ein- bzw. ausgewechselt wurden, kamen die Bayern nur zu zwei 1:1.

Van Gaals Aufgabe ist es nun, Ribery und Robben in sein ganzheitliches Konzept einzubetten, so dass sie auch defensiv mitarbeiten, um international nicht in Probleme zu geraten. Und gleichzeitig muss van Gaal die Mannschaft so formen, dass sie im Notfall auch ohne die beiden funktionieren könnte.

Van Bommel: "Wir sind auf einem guten Weg"

Im Moment scheint es unvorstellbar, dass die Bayern an die Leistungen in den Spielen zum Ende der Hinrunde gegen Juventus Turin oder den VfL Bochum anknüpfen könnten, als sie den Umschwung in der laufenden Saison einleiteten - ohne die beiden Superstars.

Seit dem "besten Heimspiel der Saison" (van Gaal) gegen Mainz hat sich die spielerische Leichtigkeit etwas verflüchtigt. Aber die beeindruckende Serie von 19 ungeschlagenen Bundesligaspielen vermittelt den Bayern ein enormes Selbstvertrauen und Selbstverständnis.

"In der zweiten Halbzeit war klar: Wenn wir ein Tor schießen, ist es vorbei. Dann bricht die Verteidigung ein und wir kriegen mehrere Chancen. Und so war es auch", sagte Mark van Bommel, der die Entwicklung der letzten Monate sehr positiv bewertet. "Hier wächst etwas zusammen. Wir haben noch einiges vor. Ohne große Sprüche rauszuhauen: Wir sind auf einem guten Weg."

Bayern - Freiburg: Daten zum Spiel

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