Schalke patzt: Selbst Mister Perfect ist fehlbar

Von Haruka Gruber / Christian Günthner
Sonntag, 21.02.2010 | 19:20 Uhr
Der zuletzt scharf kritisierte VfL-Spielmacher Misimovic (M.) zeigte eine engagierte Leistung
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Der VfL Wolfsburg hat die Serie aus 14 Pflichtspielen ohne Sieg mit einem 2:1 (0:1) ausgerechnet gegen den von Felix Magath trainierten FC Schalke 04 beendet.

Vor 30.000 Zuschauern in der ausverkauften Volkswagen-Arena brachte Kevin Kuranyi die Schalker in Front (30.). Doch in der zweiten Hälfte verlor S04 die Ordnung, so dass Wolfsburg dank eines Doppelschlags von Grafite (71., 77.) doch noch einen Dreier bejubeln konnte.

"Die Schlüsselszene war, als Kuranyi zum Tor köpft und der Ball auf der Linie geklärt wird. Das war der Moment, der dem VfL noch mal einen frischen Impuls gegeben hat und wir zu wenig getan haben. Somit hat sich der VfL den Sieg verdient", sagte Magath, der letzte Saison Wolfsburg noch zur Meisterschaft geführt hatte, auf "SKY".

Magath weiter: "Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten gespielt. Wenn Kuranyi das Tor macht, gehen wir auch als Sieger vom Platz. Aber dafür haben wir in der zweiten Halbzeit zu wenig getan. Und deshalb müssen wir im nächsten Spiel mehr tun."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Wolfsburg ohne Veränderungen zum 2:2 in Villarreal. Sprich: Pekarik beginnt rechts hinten, Riether dafür im rechten Mittelfeld. Bei Schalke ersetzt überraschend Hao den gesperrten Rafinha als Rechtsverteidiger. Kluge bekommt gegenüber Moritz den Vorzug.

4.: Schäfer flankt von links scharf auf den ersten Pfosten. Höwedes klärt den Ball fast ins eigene Tor, aber Neuer packt einen klasse Reflex aus.

12: Misimovic von halbrechts per Freistoßflanke Richtung Elfmeter-Punkt. Simunek legt den Ball mit dem Kopf quer auf Dzeko, der die Kugel aus fünf Metern ins Tor stochert. Dennoch kein Tor wegen Abseits. Umstrittene Entscheidung!

16.: Misimovic-Freistoß aus 22 Metern - über die Mauer ans Lattenkreuz! Neuer wäre chancenlos gewesen.

30., 0:1, Kuranyi: Rakitic-Ecke von rechts, Kuranyi kommt mit viel Anlauf in Richtung erster Pfosten. Er schraubt sich unbedrängt hoch und köpft den Ball aus fünf Metern ins lange Eck. Madlung und Simunek zu weit weg.

45.: Schön gezirkelter Freistoß durch Rakitic aus 20 Metern leicht links. Über die Mauer - und knapp über das Tor.

Halbzeit-Fazit: Wolfsburg zu Beginn wesentlicher fokussierter, aber Schalke bewies mit dem 1:0 erneut, warum es zu den effizientesten Teams der Liga gehört.

58.: Doppellatte! Wolfsburg im Doppelpech! Erst lenkt Neuer einen Dzeko-Kofpball in überragender Manier an die Latte, dann trifft im Nachschuss auch Grafite aus acht Metern nur das Aluminium.

62.: Im Stile von Lucio initiiert Bordon einen Konter. Der Innenverteidiger geht konsequent mit vor, bekommt am linken Flügel erneut den Ball - und flankt butterweich auf den zweiten Pfosten. Hitz verschätzt sich, Kuranyi komm zum Kopball, aber Simunek klärt auf der Linie.

71., 1:1, Grafite: Misimovic mit der perfekt getimten Flanke von halblinks, Grafite ist schneller als Neuer am Ball und köpft ihn ins leere Tor. Riesenpatzer von Neuer!

77., 2:1, Grafite: Schäfer mit der flachen Hereingabe von links, Grafite ist einen Schritt schneller als Bordon und nimmt den Ball direkt. Und wie! Mit gefühlten 200 km/h schlägt der Ball ins Schalker Tor. Neuer chancenlos!

84.: Flanke von der rechten Seite in den Wolfsburger Strafraum. Hitz irrt aus dem Kasten und fälscht den Ball gerade so mit den Fingerspitzen ins Aus. Bordon stand am zweiten Pfosten bereit!

Fazit: Verdienter Sieg für Wolfsburg nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte. Schalke zu konfus und zu unkonzentriert.

Der Star des Spiels: Grafite. Ist das Gesicht des Wolfsburger Absturzs, doch so langsam nähert er sich der Form aus der Vorsaison. Traf nach dem Doppelpack in Villarreal erneut zweifach. Beim 1:1 profitierte Grafite noch vom Neuer-Patzer, das 2:1 erzielte er jedoch in einer überragenden Manier. Hätte sogar ein drittes Tor machen können, doch der Nachschuss in der 58. Minute traf nur die Latte.

Die Gurke des Spiels: Felix Magath. Mister Perfect ist doch fehlbar. Während der riskante Schachzug, Hao von Beginn als Rafinha-Vertreter hinten rechts aufzustellen, weitestgehend aufging, waren seine Entscheidungen während des Spiels Fehlgriffe. Der noch nicht ganz fitten Kluge durch Moritz zu ersetzen, war noch verständlich. Aber als Baumjohann für Hao eingewechselt wurde, verlor Schalke endgültig die Ordnung.

Unverständlich, warum Magth in einer solch kniffligen Endphase auf einen offensichtlich nicht in Topform befindenden Spieler wie Baumjohann setzte. Auch der Entschuiss, Moravek für Sanchez zu bringen und deswegen Farfan vom rechten auf den linken Flügel zu versetzen, erwies sich als kontraproduktiv, weil Farfan über links zwei Klassen schlechter ist als über rechts.

Die Pfeife des Spiels: Dr. Helmut Fleischer. Im Grund eine gute Leistung. Hätte aber in der 12. Minute auf Tor für Wolfsburg entscheiden müssen, stattdessen wurde Dzeko wegen angeblicher Abseitsstellung zurückgepfiffen.

Die Lehren des Spiels: War es die Wende zum Guten? Nach 14 Pflichtspielen ohne Sieg feierte Wolfsburg endlich wieder ein Erfolgserlebnis. Beeindruckend, wie der VfL trotz des 0:1 und drei eigenen Lattenschüssen engagiert weiterspielte.

Vom Glanz der vergangenen Saison ist die Mannschaft zwar noch ein Stück entfernt, doch die Art und Weise, wie die Wölfe die Partie noch drehten, macht Hoffnung.

Schalke hingegen scheiterte mehr an sich als am Gegner. Bis zur 55. Minute hatte S04 das Spiel im Griff - doch plötzlich kam ein Bruch. Einerseits wegen den unnötigen taktischen Änderungen, andererseits wegen fehlender Bissigkeit im Zweikampf. Ähnlich wie in Bochum, als Schalke ein 2:0 hergab, zeigte die junge Mannschaft, dass sie womöglich zu grün ist für den Titelkampf.

Wolfsburg - Schalke: Daten zum Spiel

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