Bayerns schmaler Grat

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Thomas Gaber
Sonntag, 14.02.2010 | 01:33 Uhr
Franck Ribery (r.) muss als linker Mittelfeldspieler auch Abwehraufgaben übernehmen
© Getty
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Die Münchner überzeugten auch gegen Dortmund in der Offensive - dank Ribery und Robben. Doch das Lechzen nach Toren hat eine Schattenseite. Die Bayern verlieren allmählich die Balance. Für van Gaal wird die Bundesliga zum Experimentierfeld.

Franck Ribery und Arjen Robben kamen einträchtig daher. Mit überdimensionalen Kopfhörern auf den Ohren machten sich Bayerns Offensivwaffen Seite an Seite auf den Weg vom Mannschaftsbus in die Katakomben der Allianz Arena.

Die Spieler kommen auf diesem Weg an vier Flachbildschirmen vorbei. Gleich am ersten hielt Robben kurz inne. Ein Blick nach oben. Kopfschütteln und eine abfällige Handbewegung. Der Niederländer hatte beobachtet, wie der VfL Wolfsburg im Spiel bei Bayer Leverkusen kurz vor Schluss die Chance zum 2:2 vergab. Wäre natürlich praktisch gewesen, wenn zur Tabellenführung ein schmutziges 1:0 im Abendspiel gegen Borussia Dortmund gereicht hätte.

Robben war es als Spieler von Real Madrid drei Jahre lang gewohnt, praktisch nie zur gleichen Zeit zu spielen wie Dauerkonkurrent FC Barcelona. Der Spielplan der Primera Division und das Fernsehen wollen es so. Ribery wird das möglicherweise ab der kommenden Saison erleben.

Klopp beeindruckt

Noch spielt der Franzose aber beim FC Bayern, mit Robben. Gegen Dortmund durften die beiden erstmals seit September 2009 wieder gemeinsam in der Bundesliga von Beginn an ran. Wie gut beide funktionieren können, zeigten Ribery und Robben beim Treffer zum 2:1. Ribery hebelte zunächst im Zusammenspiel mit Müller die gesamte BVB-Defensive aus und bediente Robben anschließend mit einem chirurgisch genauen Pass.

"Wir sind froh, dass wir diese Spieler haben. Und wir haben gesehen, wie gut der eine den anderen einsetzen kann", sagte Philipp Lahm.

Dass dem Tor ein Foul von Martin Demichelis an Lucas Barrios vorausging, brachte Jürgen Klopp auf die Palme, doch auch der BVB-Trainer gab zu, dass der Treffer "überragend herausgespielt" war und die Qualität der Bayern in der Offensive in der Bundesliga seines gleichen sucht.

Die Bayern sind jederzeit in der Lage, den Gegner auszuspielen. Die Tore sind keine Zufallsprodukte, sondern die Addition von individueller Klasse und gewachsenem Selbstvertrauen. "Wir können uns auf unsere Offensive verlassen und wissen, dass wir immer unsere Chancen bekommen", sagte Mario Gomez.

Sorge bei Butt

Doch die offensive Grundausrichtung und das Lechzen nach Toren haben ihre Schattenseite. Die Defensive hat in den letzten Spielen Schwächen offenbart. Zwei Gegentore gegen Bremen und Fürth, je eins gegen Wolfsburg und Dortmund, dazu jede Menge zugelassener Chancen. Allein der BVB schoss 17 Mal aufs Bayern-Tor.

Torhüter Jörg Butt ist entsprechend besorgt: "Dortmund hatte viel zu viele Chancen. Wir haben zwar gewonnen, aber das muss man kritisch ansprechen. Wir müssen konzentrierter und geordneter spielen. In der Champions League wird so ein Abwehrverhalten bitter bestraft."

Die Bayern verlieren allmählich die Balance zwischen Offensivdrang und Abwehrarbeit. Gegen Dortmund klaffte 30 Meter vor dem eigenen Tor ein großes Loch. Bastian Schweinsteiger musste in der ersten Halbzeit drei Sprints über 50, 60 Meter zurücklegen, um vorne verloren gegangene Bälle hinten zurückzuerobern. Selbst der eher zurückhaltende Linksverteidiger Holger Badstuber tobte sich auf der linken Seite aus, teilweise sogar als Ribery-Ersatz, wenn sich der Franzose eine schöpferische Pause gönnte.

Dazu gesellen sich individuelle Fehler. Demichelis patzte gegen Fürth, Daniel van Buyten gegen Dortmund. Trainer Louis van Gaal sieht die Probleme (noch) gelassen: "Individuelle Fehler kann man beseitigen. Das kann passieren. Van Buyten ist ein Mensch und kein Roboter. Wir werden ja nicht ausgespielt."

Experimentierfeld Bundesliga

Allerdings, so gibt van Gaal zu, müsse sich die Mannschaft umstellen. "Ribery und Robben sind vom Kopf her Stürmer und keine Mittelfeldspieler. Aber sie müssen auch defensiv denken. Mit Ribery und Robben müssen wir jetzt erst wieder unsere Ordnung finden. Vorher hatten wir diese Ordnung."

Van Gaal benutzt die Bundesliga als Experimentierfeld. "Wir haben jetzt viele englische Wochen. Da können wir nicht so viel trainieren. Es ist schwierig. Wir müssen die Ordnung in der Bundesliga finden und nicht im Training."

Kommenden Mittwoch kommt der AC Florenz zum ersten Champions-League-Achtelfinale nach München. Die Fiorentina ist außer Form und verlor am Samstag 0:2 bei Sampdoria Genua. Einen verunsicherten Gegner sollte man beschäftigen. Und in der Offensive haben die Bayern ja einiges zu bieten.

Bayern - Dortmund: Daten zum Spiel

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