Pizarro beendet Bremens Negativlauf

Von Stefan Rommel/Stefan Moser
Freitag, 05.02.2010 | 22:28 Uhr
Peter Niemeyer (r.) durfte im Werder-Mittelfeld von Beginn an ran
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Werder Bremen hat seinen Negativlauf in der Bundesliga gestoppt und einen unschönen Eintrag in die Rekordbücher vermieden. Die Bremer siegten im Freitagsspiel des 21. Spieltags zu Hause gegen Hertha BSC mit 2:1 (0:0) und holten damit nach neun sieglosen Spielen in Folge endlich wieder einen Dreier.

Der achte Saisonsieg wandte auch den vereinsinternen Negativrekord von sechs Niederlagen in Folge ab - zuletzt hatte Werder fünfmal nacheinander verloren.

Die Tore vor lediglich 35.600 Zuschauern im Bremer Weserstadion erzielten Marko Marin (66.) und Claudio Pizarro (81.), für Bremen Theofanis Gekas' zwischenzeitlicher Ausgleich war zu wenig für die Gäste (68.).

Bremen bleibt durch den Sieg weiter auf Tuchfühlung zu den internationalen Plätzen, während die Hertha nach den ersten Gegentoren und der ersten Niederlage im neuen Jahr mit elf Punkten weiter abgeschlagenes Schlusslicht bleibt.

"Wie haben viel gesprochen"

"Wir haben während der Woche viel gesprochen. Das Ergebnis dieser Gespräche und unserer konzentrierten Trainingarbeit hat man heute gesehen", sagte Werders Peter Niemeyer im Gespräch mit SPOX.

Der 26-Jährige profitierte von der Systemumstellung von Trainer Thomas Schaaf auf 4-2-3-1, wo Niemeyer neben Torsten Frings im zentralen Mittelfeld auflief.

Gemischte Gefühle bei Funkel

"Heute war kein Tag für Offensivfußball, oberste Devise war Sicherheit in der Defensive, darum habe ich mich auch nicht mit nach vorne eingeschaltet", so Niemeyer. Die taktische Ausrichtung sei jedoch nicht der Schlüssel zum Erfolg gewesen: "Ausschlaggebend war eher, dass wir endlich wieder die Zweikämpfe angenommen und gewonnen haben."

Mit gemischten Gefühlen kommentierte dagegen Hertha-Trainer Friedhelm Funkel die Niederlage seiner Mannschaft: "Vom Ergebnis her war es letztendlich wieder nichts. Wenn man aber sieht, dass wir in der ersten Halbzeit ein klares Tor erzielt haben, da wäre das Spiel ganz anders gelaufen. Die Mannschaft hat sich stabilisiert, die Moral ist gut und sie zeigt, dass sie Niederlagen wegstecken kann."

So diskutierten die mySPOX-User während der Partie

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Bremens Trainer Schaaf ändert wie erwartet das System und stellt von 4-4-2 auf ein 4-2-3-1 um. Pasanen (für Abdennour) auf der linken Außenbahn und Niemeyer (für Borowski) auf der Doppel-Sechs rücken ins Team. Einzige Spitze ist Pizarro.

Bei der Hertha ist Lustenberger wieder fit und übernimmt die Rolle vor der Abwehr. Für ihn weicht der verletzte Ebert. Keeper Drobny (Oberschenkelprobleme) ist rechtzeitig fit und steht im Tor.

6.: Hunt spaziert unbehelligt durchs Mittelfeld und chipt die Kugel in den Sechzehner auf Özil. Der nimmt den schwierigen Ball direkt aus der Drehung, scheitert aber aus 14 Metern an Drobny.

20.: Doppelchance für Werder! Nach einer Marin-Ecke von links steht Pizarro völlig blank am langen Pfosten, setzt den Kopfball aus sieben Metern aber ans Alu. Der zweite Ball landet wieder bei Hunt: Flachschuss aus kurzer Distanz, Drobny hält mit einem starken Reflex.

34.: Tolle Kombination über rechts über Niemeyer, Özil und Marin: Der flankt schön auf Pizarro, der kommt gut entgegen und hält aus fünf Metern zentral den Kopf hin. Trifft aber genau Drobny, der den Ball im Nachfassen fest hält.

Halbzeit-Fazit: Bremen zwar deutlich defensiver in der Ausrichtung, aber trotzdem klar spielbestimmend und mit einigen ganz dicken Chancen. Der starke Drobny hält die Hertha im Spiel.

49.: Marin macht rechts im Strafraum von Bergen nass und hebt den Ball an den Fünfer zu Pizarro. Der mit dem langen Bein vor Friedrich, aber Drobny ist wieder zur Stelle und klärt.

66., 1:0, Marin: Pressschlag zwischen Özil und Piszczek am Sechzehner. Der Ball kommt zufällig zu Marin, der den Ball aus 14 Metern von halblinks volley bärenstark in die rechte Ecke versenkt.

68., 1:1, Gekas: Querschläger von Pizarro im eigenen Strafraum. Wiese kann im Luftduell mit Friedrich den Ball nicht festhalten und klatscht ihn zu Gekas, der aus acht Metern trocken versenkt.

77.: Almeida erwischt Drobny mit einem abgefälschten Schuss von der Strafraumkante auf dem falschen Fuß. Im letzten Moment fährt der Hertha-Keeper das rechte Bein aus - und pariert erneut.

81., 2:1, Pizarro: Nach einem langen Freistoß aus dem linken Halbfeld, verlängert Ramos den Ball unglücklich in den Lauf von Pizarro. Der schaltet schneller als Kringe, nimmt kurz an und verwandelt ohne Mühe aus sechs Metern.

Fazit: Verdienter Bremer Sieg, wenn auch etwas glücklich. Hertha war defensiv solide, aber nach vorne zu unentschlossen, um Zählbares mitzunehmen.

Der Star des Spiels: Marko Marin machte im wahrsten Sinne des Wortes den Unterschied. Der Nationalspieler zeigte die deutlichste Leistungssteigerung aller Bremer Spieler und war an fast jeder gefährlichen Szene beteiligt. Seine Schusstechnik beim 1:0 war phantastisch. In der 84. Minute durfte er unter Sonderapplaus vom Feld.

Die Gurke des Spiels: Lewan Kobiaschwili. Der Georgier hatte zuerst mit Marin, dann mit Hunt und Fritz enorme Probleme und erwies sich als Schwachstelle im dichten Berliner Abwehrriegel. Von einem Spieler mit seiner Klasse und Erfahrung ist man Solideres gewohnt - dafür hat ihn die Hertha schließlich von der Schalker Bank geholt.

Die Pfeife des Spiels: Günther Perl hatte in einer fairen Partie kaum Probleme, mit zwei gravierenden Ausnahmen: Zum einen lag er bei einer Abseitsentscheidung vor einem Gekas-Tor in der ersten Halbzeit falsch (34.), zum anderen hätte er Friedrichs Einsatz gegen Wiese beim 1:1 abpfeifen müssen, weil es im Bremer Fünfer war. Immerhin ausgleichende Gerechtigkeit.

Die Lehren des Spiels: Werder zeigte sich im Vergleich der letzten Wochen deutlich verbessert, vor allem in der Rückwärtsbewegung. Selbst die zuletzt wegen ihrer überschaubaren Defensivleistungen kritisierten Hunt und Marin halfen bisweilen hinten aus und unterstützten das defensive Mittelfeld und die Viererkette.

Zudem erwies sich die Hereinnahme von Niemeyer als gelungener Schachzug. Niemeyer blieb als Absicherung immer spätestens Mitte der gegnerischen Hälfte im Zentrum stehen und regulierte so die zuletzt immens hohe Anfälligkeit für gegnerische Konter.

Hertha verstand es über weite Strecken sehr gut, die Räume mit drei Spielern besonders im Zentrum zu verdichten und das Bremer Spiel immer wieder auf die Außen zu drängen. Die eigenen Angriffe waren teilweise auch richtig schön angelegt, aber viel zu selten.

Defensiv passt das schon sehr gut und ist für einen Abstiegskandidaten überdurchschnittlich gut. Aber nach vorne passiert insgesamt zu wenig. Nur mit der Igeltaktik wird die Hertha nicht mehr oft gewinnen. Da muss Funkel noch die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive finden.

Bremen - Hertha: Daten zum Spiel

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