Russ verflucht Frau Holle

SID
Samstag, 30.01.2010 | 19:38 Uhr
Frankfurts Marco Russ (l.) haderte gegen den 1. FC Köln mit dem Wetter
© Getty
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Venlo

Als die Auswärtsspezialisten des 1. FC Köln im dichten Schneetreiben ausgelassene Freudentänze aufführten, verfluchte Pechvogel Marco Russ Frau Holle immer wieder.

Mit einem kuriosen Kopfball-Eigentor verhalf der Abwehrspieler von Eintracht Frankfurt den Rheinländern zum 2:1 (0:0)-Sieg und zweiten Auswärts-Coup in Serie - und war nachher untröstlich.

"Das ist bitter. Nachdem es angefangen hatte zu schneien, war der Ball glitschig und hat sich anders verhalten als sonst. Er ist mir über den Kopf gerutscht, als ich klären wollte", erklärte Russ jene spielentscheidende Szene in der 84. Minute.

Das Missgeschick von Russ - schon das zweite innerhalb kurzer Zeit nach dem Eigentor zum 0:1 beim 1:2 gegen Borussia Mönhengladbach am 21. November 2009 - ließ das ohnehin große Selbstvertrauen der seit nunmehr acht Gastspielen unbesiegten Kölner weiter anwachsen.

"Vielleicht haben die Gegner wieder Respekt"

"Vielleicht haben die Gegner jetzt wieder den gewissen Respekt vor dem FC", sagte Kölns Sportmanager Michael Meier mit Pathos in der Stimme.

Die Gäste, die mittlerweile sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 haben, durften sich sogar in doppelter Hinsicht als Sieger fühlen.

Auch den Debütantenball entschieden sie vor 45. 100 Zuschauern für sich.

Während der mit großen Erwartungen empfangene Ex-Schalker Halil Altintop im Frankfurter Sturm blass blieb, wusste Kölns Zoran Tosic Akzente zu setzen.

"Man hat Potenzial gesehen"

"Man hat in der kurzen Zeit schon gesehen, welch riesiges Potenzial er hat", lobte FC-Trainer Zvonimir Soldo den serbischen Nationalspieler, der bis zum Saisonende von Manchester United ausgeliehen ist.

Bezeichnend für den rundum gelungenen Einstand von Mittelfeldspieler Tosic war, dass Kölns Führung fünf Minuten nach seiner Einwechslung fiel.

Der Portugiese Maniche (59.) verwertete bei seinem ersten Tor für die Rheinländer einen Pass von Sebastian Freis, der nachher das Erfolgsrezept des (Auswärts-)Höhenflugs preis gab.

"Wollen unbedingt Erfolg"

"Vielleicht setzen wir uns bei Heimspielen zu sehr unter Druck. Gerade in den letzten beiden Spielen haben wir deutlich gemacht, dass wir alle an einem Strang ziehen und den Erfolg unbedingt wollen", sagte Freis.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt, denn seit zwei Partien fehlt Kölns etatmäßiger Sturm.

Nationalspieler Lukas Podolski (Bandscheibenvorfall) muss derzeit pausieren, und Torjäger Milivoje Novakovic wurde nach seinem Fehlen in der vorausgegangenen Partie in Wolfsburg (3:2) jetzt in Frankfurt erst in der 70. Minute eingewechselt.

Zumindest Tosic sehnt Podolskis Rückkehr herbei. "Ich kann es kaum erwarten. Lukas ist ein großer Spieler, der enorm wichtig für uns ist", meinte der 22-Jährige.

Altintop auf verlorenem Posten

Der andere Debütant hatte dagegen weniger zu lachen. Halil Altintop stand als einzige echte Spitze zumeist auf verlorenem Posten.

"Es ist bitter, wenn man so ein Spiel verliert. Köln hat eine Chance und macht zwei Tore", schimpfte der bis zum Saisonende verpflichtete Türke.

Die Frankfurter verpassten durch die erste Niederlage seit dem 21. November 2009 (1:2 gegen Gladbach) die Möglichkeit, dichter an die internationalen Startplätze heranzurücken.

Abwehrchef Chris (76. ) hatte nur für den zwischenzeitlichen Ausgleich sorgen können.

Doch für Gänsehaut sorgten nicht nur die Minus-Temperaturen und die schwache Vorstellung der Eintracht: Vor dem Anpfiff hatte sich Christoph Preuß mit einer Dankesrede an die Fans gewandt.

Der frühere U-21-Nationalspieler hatte am Donnerstag wegen einer neuerlichen Knieverletzung das vorzeitige Ende seiner Karriere bekannt geben müssen.

Frankfurt - Köln: Daten zum Spiel

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