Ralf Rangnick: "Wir waren extrem schlecht"

Von Haruka Gruber / Markus Matjeschk
Samstag, 15.08.2009 | 17:13 Uhr
Zwei Spiele, ein Punkt: Ralf Rangnick ist mit dem Saisonstart nicht zufrieden
© Getty
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Mit einem überzeugenden, in der Höhe zu niedrig ausgefallenen 1:0 (0:0)-Erfolg über 1899 Hoffenheim am zweiten Bundesliga-Spieltag hat Bayer Leverkusen den ersten Saisonsieg eingefahren.

Vor 28.000 Zuschauern in der umgebauten BayArena erzielte Stefan Kießling nach schöner Vorarbeit durch Eren Derdiyok (67.) das Tor des Tages. Damit gewann die Werkself auch das dritte Spiel in der Bundesliga gegen Hoffenheim.

Dementsprechend sauer war 1899-Trainer Ralf Rangnick. "Wir haben extrem schlecht gespielt, auf allen Ebenen. Es ist wichtig, dass wir begreifen, dass unser Spiel nur als Mannschaft funktioniert", monierte der Coach.

"Ich hatte das Gefühl, dass jeder als Einzelspieler auf dem Platz stand. Es bleibt für uns noch viel zu tun. Wir sind weit weg von der Form, die wir uns vorstellen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Bayer mit neuem System: Weil Vidal für Kroos spielt, wird das 4-4-2 flach und nicht in der Raute interpretiert. Zudem stehen Rolfes (für Reinartz) und Castro (für Schwaab) in der Startelf. Hoffenheim nur mit einer Änderung: Für den verletzten Weis rückt Eduardo ins Mittelfeld, im Sturm rückt Maicosuel nach.

17.: Barnetta fällt der Ball an der Strafraumgrenze vor die Füße. Der Schweizer fackelt nicht lange und visiert aus halblinker Position das lange Eck an. Hildebrand fliegt und klärt mit den Fingerspitzen zum Eckball.

21.: Eduardo schleppt den Ball in zentraler Position und spielt in die halblinke Nahtstelle der Leverkusener Viererkette. Friedrich und Castro sind zu weit weg, Ibisevic spitzelt den Ball aus 13 Meter ins rechte untere Eck, doch Adler pariert reflexstark zum Eckball.

21.: Die anschließende Ecke von rechts spielt Eduardo kurz, bekommt den Ball sofort wieder und versucht einen Schlenzer aus halbrechter Position. Adler lenkt den Ball ins linke Seitenaus.

35.: Was für ein Parade von Hildebrand! Renato Augusto schlägt einen Eckball von rechts auf den kurzen Pfosten. Hyypiä rauscht in die Hereingabe und Hildebrand reißt die Hände nach oben. Der Ball springt daraufhin Eduardo kurz vor der Linie an die Hand, Schiri Gagelmann entscheidet auf Weiterspielen. Richtige Entscheidung.

Halbzeit-Fazit: Nur eine Zahl, um die Leverkusener Dominanz zu belegen: 70 Prozent Ballbesitz. Bayer haushoch überlegen, was jedoch fehlte, war die Konsequenz im gegnerischen Strafraum. Enttäuschend bei Hoffenheim vor allem die nachlässige Zweikampfführung.

46.: Der schwache Maicosuel muss raus, Youngster Vukcevic kommt. Heißt: Hoffenheim jetzt im 4-4-2 mit Raute.

66.: 16 Meter vor dem Tor lässt Kießling Beck und Compper mit einem Haken ins Leere laufen, Hildebrand lenkt den Schuss mit den Fingerspitzen über den Querbalken. Hätte drin sein müssen!

67., 1:0, Kießling: Augusto hat auf dem rechten Flügel jede Menge Platz und Zeit. Seine Hereingabe verlängert Derdiyok im Fünfmeterraum per Hackentrick auf Kießling, der die Kugel aus kurzer Distanz in die Maschen spitzelt.

79.: Renato August lässt Ibertsberger wie eine Slalomstange stehen und dringt von rechts in den Strafraum ein. Seine scharfe Hereingabe findet jedoch keinen Abnehmer.

89.: Was wäre Hoffenheim ohne Hildebrand? Leverkusen mit einer weiten Flanke von rechts, Kießling will den Ball reindrücken, aber Hildebrand pariert stark.

Fazit: Nach gemächlichem Beginn in Halbzeit zwei erhöhte Leverkusen die Schlagzahl und dominierte Hoffenheim nach Belieben. Hildebrand verhinderte für 1899 eine höhere Niederlage.

Der Star des Spiels: Renato Augusto. Gute erste Halbzeit, starke zweite Halbzeit. Profitierte am meisten davon, dass statt Kroos mit Vidal ein zweiter defensiver Mittelfeldspieler aufgeboten wurde, der ihm den Rücken freihielt.

Augusto mimte auf rechts den verkappten Spielmacher, dribbelte, grätschte, suchte den Abschluss - und leitete das Siegtor ein. Erwähnenswert: die ebenfalls sehr ansprechende Leistung von Barnetta, Augustos Pendant auf links.

Die Gurke des Spiels: Andreas Ibertsberger. Die Konkurrenzsituation mit Eichner scheint ihn mehr zu hemmen als zu beflügeln. Gegen den FC Bayern bereits einer der Unsicheren, zeigte er gegen Leverkusen eine schwache Leistung.

Der schlecht abgestimmten linken Seite verlieh der Österreicher keine Stabilität, mehr noch: Wegen seiner inkonsequenten Zweikampfführung und Stellungsfehler erlaubte er Leverkusen mehrere gefährliche Vorstöße über Augusto, so wie beim 0:1. Zudem schadete Ibertsberger in der Offensive mehr, als er von Nutzen war. Nur 40 Prozent seiner Pässe kamen beim Gegner an.

Die Pfeife des Spiels: Peter Gagelmann. In einem fairen Spiel gab es nichts zu beanstanden. Routinierte, souveräne Leistung.

Die Lehren des Spiels: Rangnick gilt als Trainer-Fuchs, in Heynckes fand er jedoch seinen Meister. Der Hoffenheim-Coach stellte das Mittelfeld viel zu offensiv auf, so dass der rustikale Vorsah im Grunde das einzige Verbindungsglied war zwischen der Defensive und dem im teilweise aus vier, fünf Spieler bestehenden Sturm.

So konnte Leverkusen mit seinem aggressiven Stil recht einfach den 1899-Spielaufbau stören - unter anderem deshalb, weil Heynckes überraschend Kroos auf die Bank beorderte und mit Vidal einen Spieler brachte, der mit seiner Pitbull-Mentalität den Hoffenheimern jede Luft zum Atmen nahm. Hoffenheim hatte in 90 Minuten ganze zwei Chancen.

Anders als so häufig in der letzten Saison fand Bayer dank Vidal die richtige Balance zwischen Angriffslust und Defensivdisziplin. Einziges Manko: Die drückende Überlegenheit wurde lange nicht in Tore umgemünzt.

Leverkusen - Hoffenheim: Daten & Fakten

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