Samstag, 16.01.2010

Bundesliga - 18. Spieltag

Stuttgart setzt Aufwärtstrend fort

Der VfB Stuttgart hat seinen Aufwärtstrend unter Trainer Christian Gross auch zum Auftakt der Rückrunde fortgesetzt. Am 18. Spieltag siegten die Schwaben gegen den VfL Wolfsburg mit 3:1 (1:0).

Zwetschge Misimovic (l.) war bei der Stuttgarter Deckung um Molinaro bestens aufgehoben
© Getty
Zwetschge Misimovic (l.) war bei der Stuttgarter Deckung um Molinaro bestens aufgehoben

Vor 38.000 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena erzielten Roberto Hilbert (28.), Pawel Pogrebnjak (58.) und Timo Gebhart (87.) die Tore für den VfB. Edin Dzekos Tor (65.) war zu wenig für die Gäste.

Durch den vierten Saisonsieg klettert der VfB in der Tabelle zumindest vorübergehend auf Rang zwölf.

Wolfsburg dagegen hat den Anschluss an die internationalen Plätze erstmal verloren und versinkt nach der sechsten Niederlage im tristen Mittelfeld der Tabelle.

Trainer Armin Veh war nach dem Spiel in der Analyse der ersten beiden Gegentore dementsprechend angefressen. "Wie wir uns bei den Gegentoren anstellen: Das war dilettantisch. Das ist Bundesliga, das ist Profi-Fußball! Das geht so nicht!"

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Der VfB mit Celozzi rechts und Molinaro links hinten. Träsch deshalb neben Khedira im zentralen defensiven Mittelfeld. Kuzmanovic nur auf der Bank, der angeschlagene Hitzlsperger nicht im Kader. Ulreich ersetzt erneut den gesperrten Lehmann im Tor, Niedermeier den verletzten Delpierre. Vorne drin Pogrebnjak und Marica.

Wolfsburg doch wieder im 4-4-2 mit Raute und bis auf Keeper Benaglio in absoluter Bestbesetzung. Der muss wegen Problemen an der Patellasehne passen, dafür steht Lenz im Tor. Madlung in der Innenverteidigung neben Barzagli, Grafite und Dzeko im Sturm.

3.: Hilbert und Niedermeier fallen 20 Meter vor dem eigenen Tor übereinander her, Grafite und Dzeko gehen alleine auf Ulreich zu! Doch Grafite spielt zu spät quer, Ulreich hat die rechte Pranke am Ball und verhindert so ein sicheres Tor.

6.: Molinaro flankt links von der Grundlinie an den zweiten Pfosten. Hilbert steht blank, donnert den Ball aber aus sechs Metern volley auf die Baustelle.

12.: Ecke VfB von rechts. Grafite und Gentner behindern sich gegenseitig, Niedermeier fällt der Ball vor die Füße. Schuss aus sechs Metern. Lenz ist blitzschnell unten und pariert.

20.: Fehlpass Josue. Hilbert zieht von rechts nach innen und spielt genau im richtigen Moment tief auf Pogrebnjak. Der Russe steht halbrechts frei vor Lenz, nimmt aber den linken Fuß und verzieht total - meterweit links vorbei.

28., 1:0, Hilbert: Marica bekommt links im Strafraum den Ball und lockt damit Lenz raus. Marica setzt sich nach außen ab, flankt dann vors Tor. Khedira verlängert im Zentrum vor Madlung und Schäfer, hinten steht Hilbert frei und diesmal trifft er mit seinem Direktschuss unters Tordach.

41.: Pogrebnjak sprintet von der Mittellinie an zwei Wolfsburgern vorbei, steht alleine vor Lenz, will aber wieder partout mit links schießen und lässt sich dabei von Barzagli im letzten Moment am Torschuss hindern.

Halbzeit-Fazit: Völlig verdiente Führung für den VfB. Stuttgart geht mit seinen Chancen fahrlässig um - ansonsten wäre die Partie schon so gut wie entschieden.

52.: Chance für Marica! Träsch spielt den Rumänen 20 Meter vor dem Tor an. Der dribbelt in den Strafraum und zieht ab - Lenz hält den harten Schuss aus 14 Metern sicher.

58., 2:0, Pogrebnjak: Freistoß Kuzmanovic von rechts an den zweiten Pfosten. Schäfer pennt wieder, Tasci köpft in die Mitte. Pogrebnjak schneller als Madlung, drückt aus einem Meter rein. Viertes Saisontor.

65., 2:1, Dzeko: Dzeko spielt Doppelpass mit Grafite, hat dann 20 Meter vor dem Tor Platz, weil Tasci am Sechzehner zu passiv bleibt. Dzeko kuckt und schlenzt dann den Ball super in den rechten Winkel. Ulreich ohne Chance.

85.: Kahlenbergs Hackentrick verwirrt Molinaro so, dass der Linksverteidiger Dzeko den Ball genau in den Lauf legt. Dzeko alleine vor Ulreich - trifft nur den rechten Pfosten. Der Ball springt zurück und Grafite bringt das Kunststück fertig, aus sechs Metern übers leere Tor zu schießen.

87., 3:1, Gebhart: Misimovic verliert den Ball. Konter des VfB über Pogrebnjak, der legt nach links auf Gebhart. Madlung geht nicht richtig hin, Gebhart schließt aus 14 Metern ab, rechts unten schlägt es ein.

Fazit: Letztlich ein verdienter VfB-Sieg. Wolfsburg wachte zu spät auf. Stuttgart rettet mit Glück den Dreier über die Zeit.

Der Star des Spiels: Christian Träsch spielte auf der Doppel-Sechs den deutlich defensiveren Part neben Khedira und kümmerte sich um Misimovic. Den Wolfsburger Regisseur degradierte Träsch quasi zur Bedeutungslosigkeit. Dazu kurbelte der Youngster die Offensive immer wieder mit beherzten Soli an. Träsch verkörperte die Stuttgarter Entschlossenheit gegen Wolfsburgs Zaudern.

Die Gurke des Spiels: Marcel Schäfer knüpft - leider aus Wolfsburger Sicht - nahtlos an die Form der Vorrunde an. Am Nationalspieler lief das Spiel komplett vorbei. Schäfer rückte beim 1:0 zu weit ein, übersah Hilbert im Rücken. Beim 2:0 ging er nicht mit Tasci zum Kopfball hoch, als der auf Pogrebnjak querlegte. Zu den gravierenden Abwehrfehlern gesellte sich eine beängstigende Harmlosigkeit im Offensivspiel. Und fertig war eine ganz schwache Leistung.

Die Pfeife des Spiels: Peter Sippel hatte die faire Partie jederzeit im Griff. Konsequent bei den persönlichen Strafen, wobei Madlung bei dessen Catchergriff gegen Marica mit Gelb gut bedient war.

Die Lehren des Spiels: Stuttgarts Sieg geht in Ordnung, weil der VfB deutlich mehr in die Partie investierte und mehr Willen zeigte. Allerdings ist das Stuttgarter Gebilde noch ein sehr fragiles. Nach gut 70 Minuten schwanden die Kräfte fast minütlich, am Ende ging neben der Kraft auch noch komplett jegliche Ordnung verloren.

Immerhin: Der Schachzug von Trainer Christian Gross, den defensiv starken Träsch anstelle von Kuzmanovic zu bringen und der Wolfsburger Raute damit ihre Schlagkraft zu nehmen, ging über weite Strecken perfekt auf.

Wolfsburg über weite Strecken leblos, ohne Mumm und Spieltempo. In der Abwehr schläfrig, im Spiel nach vorne zögerlich und ohne die Selbstverständlichkeit und Einstellung, mit der ein deutscher Meister eigentlich auftreten sollte.

Der VfL funktioniert derzeit nur durch die individuelle Klasse einiger weniger, zum Beispiel Dzeko. Sein Partner Grafite ist ein Totalausfall, Staubsauger Josue weit weg von dem, was er eigentlich kann.

Im Prinzip macht Wolfsburg so weiter, wie es vor der Winterpause aufgehört hatte: Es hat den Anschein, dass die innerbetriebliche Harmonie nachhaltig gestört ist, dass wichtige Leistungsträger meilenweit von ihrer Form entfernt sind und dass die Mannschaft ihr Schicksal ohne große Gegenwehr über sich ergehen lässt.

Hält der Trend an, wird es schon bald sehr ungemütlich für Trainer Armin Veh werden.

Stuttgart - Wolfsburg: Daten zum Spiel

Florian Bogner/Stefan Rommel

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