Bundesliga - 16. Spieltag

Olic: Die Wahrheit über das Duracell-Häschen

Von Stefan Moser
Samstag, 12.12.2009 | 23:23 Uhr
Ivica Olic wechselte im Sommer vom Hamburger SV zum FC Bayern München
© Getty
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Mit seiner Hingabe war Ivica Olic auch beim VfL Bochum ein Schlüssel zum Sieg des FC Bayern München. Doch schon seine Vergangenheit zeigt: Der Kroate ist viel mehr als ein stupider Dauerläufer.

Kroatischer Nationalspieler, 30 Jahre, zwei Söhne, eine Tochter und eine Pferdelunge, sucht Laiendarsteller für Heiligabend. So könnte es am Montag in den Münchner Stellenanzeigen stehen, denn nach dem überzeugenden 5:1-Sieg der Bayern beim VfL Bochum braucht Ivica Olic kurzfristig einen neuen Weihnachtsmann.

Eigentlich sollte Danijel Pranjic bei Familie Olic die Geschenke bringen. Der Linksfuß hatte nämlich eine Wette laufen: Wenn er bis zur Winterpause kein Tor erzielt, lässt er sich den Bart stehen und schlüpft ins Nikolauskostüm.

Im Grunde eine todsichere Wette für Olic, denn sein Landsmann war zuletzt schon an wesentlich grundlegenderen Übungen gescheitert als am Toreschießen. Doch weil gegen Bochum jeder mal durfte, durfte auch Pranjic - der 28-Jährige erzielte den fünften und letzten Treffer der Bayern, danach trabte der Rekordmeister den souveränen Sieg locker nach Hause.

Mit Olic kam der Aufschwung

Es passt zur derzeitigen Partystimmung in München, dass sich selbst das größte Sorgenkind nun endlich den Frust von der Seele schießen darf. Und es passt ebenfalls ins Bild, dass Ivica Olic den Kollegen offensichtlich angestachelt hat.

Denn das Laufwunder aus Davor war nicht erst gegen Bochum mit zwei Toren und einer Vorlage der Mann der Stunde. Der Bayern-Motor läuft insgesamt deutlich runder, seit Olic nach überstandenem Muskelbündelriss wieder fit ist.

Nach gut vier Wochen Pause stand der Kroate am 25. November zum ersten Mal wieder in der Startelf. Während Franck Ribery, Arjen Robben und Miro Klose verletzt fehlten und Luca Toni auf der Tribüne schmollte, lief sich Olic im Champions-League-Spiel gegen Haifa die Hacken wund - und erzielte prompt den Siegtreffer.

"Olic reißt alle mit"

In seither fünf Pflichtspielen erzielten die zuvor ladegehemmten Bayern insgesamt 15 Tore, fegten vor Bochum schon Juventus Turin vom Platz und holten insgesamt die maximalen 15 Punkte. Neben dem womöglich endlich erwachsenen Bastian Schweinsteiger und dem wiederentdeckten Selbstvertrauen von Mario Gomez war Olic sicher ein entscheidender Faktor für den bayerischen Aufschwung.

"So einen Spieler braucht jede Mannschaft", sagte auch Kapitän Mark van Bommel in Bochum und legte seinen Arm um Olic: "Wir sind einfach froh, dass er bei uns ist, denn mit seiner Präsenz reißt er alle mit."

Und tatsächlich scheint der Kroate mit seiner fast schon fatalistischen Unverdrossenheit und Einsatzbereitschaft die Kollegen anzustecken, das gesamte Bayern-Spiel wirkt seit seiner Rückkehr dynamischer, schneller, aggressiver.

"Manchmal denke ich, er stirbt gleich"

"Manchmal steht er neben mir und ich denke, er stirbt gleich. Dann zieht er wieder 40 Meter zum Sprint an.  Ivi ist ein Verrückter", sagte auch Mario Gomez - und meinte das durchaus als Kompliment: "Er ist ein super positiver Typ, gibt immer Vollgas und pusht unheimlich."

Ganz offensichtlich wirkt Olic' Hingabe wie eine Adrenalinspritze für das bis dahin oft verkrampfte und mitunter auch phlegmatische Gruppengefüge an der Säbener Straße. Das gesamte Spiel erhält durch sein Vorbild mehr Intensität - was gerade nach dem mentalen Kraftakt und der Gala von Turin umso wertvoller für den Liga-Alltag ist.

Damit ist der 30-Jährige im Augenblick kaum mehr aus der Münchner Startformation wegzudenken. Das bestätigte auch Sportdirektor Christian Nerlinger, der die jüngsten Erfolge schließlich damit erklärt, dass "sich endlich eine Stammformation herausgebildet hat."

Olic: Als Fußballer unterschätzt

Eine Entwicklung, mit der im Sommer wohl kaum jemand gerechnet hat, als Olic ablösefrei vom Hamburger SV an die Isar wechselte. Die meisten sahen in ihm nicht mehr als einen Ergänzungsspieler, dessen größte Stärke darin lag, sich ohne Murren auf die Bank zu setzen.

Mittlerweile ist er als Publikumsliebling zwar der legitime Nachfolger von Hasan Salihamdzic - als Fußballer aber wohl immer noch unterschätzt. Nach wie vor gilt Olic in erster Linie als Laufwunder mit legendär hässlichen Übersteigern.

Tatsächlich aber ist der Stürmer technisch besser, als seine kantige Motorik vermuten ließe, er kann viele Aktionen in höchstem Tempo umsetzen. Dazu gehört er zu den schnellsten Spielern der Bundesliga - und ist darüber hinaus wesentlich erfolgsorientierter und vor allem torgefährlicher als einem das Image als Duracell-Häschen glauben macht.

Wo Olic ist, ist der Erfolg

In Hamburg machte er in zwei Jahren immerhin 29 Tore, zuvor traf er für ZSKA Moskau 35 Mal in 78 Spielen und wurde in dieser Zeit (2003-2007) drei Mal russischer Meister und einmal UEFA-Cup-Sieger. Insgesamt hat der zweimalige Fußballer des Jahres in Kroatien bereits elf Titel in seinem Lebenslauf stehen.

Zwischen 2002 und 2003 schaffte er sogar das unglaubliche Kunststück, innerhalb von nur 17 Monaten mit drei Mannschaften (NK Zagreb, Dinamo Zagreb und Moskau) Meister und dazu noch zwei Mal Torschützenkönig zu werden. Wo Olic ist, ist häufig auch der Erfolg.

Und darauf hoffen nun natürlich auch die Bayern. Mit Tuchfühlung auf Spitzenreiter Leverkusen liegt der designierte Meister mittlerweile wieder auf Rang drei in der Tabelle. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Olic mit fünf Toren in zwölf Spielen seine - für einen vermeintlichen Dauerläufer recht beachtliche - Quote bislang auch in München bestätigt.

Bochum - Bayern: Daten zum Spiel

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