FC Bayern: Kontrolle ist gut, Tore sind besser

Von Für SPOX in der Allianz Arena: Andreas Lehner
Samstag, 05.12.2009 | 11:32 Uhr
Die neuen Jubel-Bayern bei ihrer Golf-Ball-Variante gegen Borussia Mönchengladbach
© Imago
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Venlo

Bayern bekommt von Gladbach Anschauungsunterricht in van Gaal'schem Fußball, siegt aber trotzdem. Die erdrückenden Statistikvorteile der Münchner sind weg, dafür passen die Ergebnisse wieder. Warum, weiß keiner so recht.

Holger Badstuber blieb konzentriert. Er hatte schließlich etwas zu erzählen. Also plauderte er völlig unberührt weiter in die Mikrofone der Journalisten, nachdem ihm Bastian Schweinsteiger im Vorbeigehen einen ordentlichen Schlag auf den Rücken verpasst und ein "Sauber Junge!" hinterhergeschoben hatte.

Der Bayern-Youngster verzog keine Miene und erklärte seinen entscheidenden Treffer im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach. "Eigentlich wollte ich den Freistoß auf den ersten Pfosten ziehen, aber der Torwart stand sehr mittig, also ging das nicht. Da habe ich mir gedacht, ich probier's mal auf die lange Ecke" Und es klappte. Sein erstes Tor im Profi-Fußball.

Anschauungsunterricht in Sachen Dreiecken

Für die Bayern war es der einzige Weg, dieses verfahrene Spiel noch zu gewinnen. Viel zu schwach waren sie in der ersten Halbzeit, viel zu hilflos in der zweiten. In solchen Fällen hilft nur ein Standard. Und da Daniel van Buyten mit einer Gesichtsverletzung nach einem Zusammenprall mit Rob Friend schon draußen war, machte es Badstuber direkt.

So siegte am Ende "die glücklichere Mannschaft", wie beide Trainer am Ende übereinstimmend feststellten. In der ersten Halbzeit hatte die Borussia den Münchnern in Sachen Kombinationsfußball Anschauungsunterricht erteilt und viele Kombinationen in den von van Gaal vor der Saison propagierten Dreiecken vorgetragen, während die Münchner mal wieder nur wenig Tempo in ihr Spiel brachten.

Spieler zwischen den Linien

"Gladbach hat sehr guten Fußball gespielt und viele Chancen kreiert. In der ersten Halbzeit hatten wir große Mühe mit zwei Spielern, die zwischen den Linien gespielt haben", sagte van Gaal und meinte damit Karim Matmour und Juan Arango, die von den Bayern-Spielern überhaupt nicht zu fassen waren.

Allein dem überragenden Jörg Butt hatten es die Münchner zu verdanken, dass sie mit einem Unentschieden in die Pause kamen.

"Es klingt vielleicht komisch, aber das war eine der besten Mannschaften, gegen die wir bisher gespielt haben", sagte Mark van Bommel.

Der Unterschied: Bayern trifft

Doch irgendwas hat sich in den letzten Wochen verändert beim Rekordmeister. Es läuft einfach wieder. Warum weiß keiner so genau. "Der große Unterschied ist, dass wir jetzt Tore schießen. Ich denke auch, dass wir die meisten Spiele immer überlegen waren. Heute nicht", sagte van Gaal.

Ein mühevoller Pflichterfolg in der Champions League gegen Maccabi Haifa, eine glückselige Jahreshauptversammlung und ein klarer Sieg in Hannover haben ein Selbstverständnis hervorgerufen, dem die Spielweise nicht gerecht wird. Zu weit sind die Bayern von ihren eigenen Ansprüchen entfernt.

Aber so lange die Ergebnisse stimmen, ist das Volk zufrieden. Auch wenn der Gassenhauer "Deutscher Meister wird nur der FCB" nach einem glücklichen Sieg über Gladbach etwas voreilig klingen mochte.

Der nächste Schritt: Kontrolle und Tore

"Bayern ist noch nicht da, wo man sie erwartet. Sie feiern im Moment Arbeitssiege, aber die bringen genauso drei Punkte wie die glanzvollen Unentschieden, die nur einen Punkt bringen", resümierte auch SKY-Experte Matthias Sammer.

Für den kurzfristigen Erfolg rückt van Gaal auch schon mal von seiner Maxime ab. Totale Spielkontrolle mit Ballbesitzwerten von rund um die 70 Prozent gab es in den letzten Spielen nicht mehr. Auch gegen Gladbach hieß es auf dem Statistikzettel nur 55 zu 45 für Bayern. Während die ewige Ballzirkulation in die Breite und nach hinten aber nur Unentschieden und Pfiffe der eigenen Fans nach sich zog, bringt der offene Schlagabtausch die richtigen Ergebnisse.

Vorbei ist das Jammern, wo es immer hieß, wir hatten Kontrolle, aber keine Tore. Das Ziel und der nächste Schritt müssen jetzt sein, beides miteinander zu verbinden. Dann kommen die Bayern auch van Gaals Vorstellung des FC Barcelona etwas näher.

Robben ein Lichtblick

Ein Lichtblick war das Comeback von Arjen Robben, der für Ivica Olic in die Partie kam, was van Gaal Pfiffe einbrachte. Aber der Niederländer brachte eine neue Dynamik ins Offensivspiel und holte den entscheidenden Freistoß heraus.

Ansonsten glich der Auftritt der Bayern einem lockeren Spaziergang über den Golfplatz, was sie mit ihrem Torjubel nach dem Führungstreffer auch noch untermauerten. Übrigens eine der besten Ideen des Münchner Spiels

Während sich alle zehn Feldspieler an der Eckfahne postierten, simulierte Torhüter Butt einen Abschlag. Die Spieler schauten dem gedachten Golfball mit der Hand an der Stirn ins Weite blickend entgegen, Philipp Lahm zog die Fahne heraus und die Spieler feierten ein Hole-in-One.

Schon in Hannover hatten sie mit einem Presslufthammer-Jubel für Verwunderung gesorgt. Das Team scheint also zu funktionieren, die Diskussionen der letzten Wochen keine Gräben aufgerissen zu haben.

"Ich glaube, dass die Zuschauer mittlerweile das Gefühl haben, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, die gemeinsam gewinnen will. Das ist das Entscheidende", sagte Jörg Butt.

Bayern - Gladbach: Daten zum Spiel

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