Hannover fertigt Gladbach ab

Von Stefan Rommel
Sonntag, 14.09.2008 | 18:45 Uhr
Fußball, Bundesliga, Hannover 96, Borussia Mönchengladbach
© Getty
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Hannover 96 hat den Torfluch beendet und am 4. Spieltag der Bundesliga beim 5:1 (2:0) gegen Borussia Mönchengladbach den ersten Saisonsieg gefeiert.

Vor 42.362 Zuschauern in der AWD-Arena erzielten ausgerechnet der zuletzt ausgebootete Szabolcs Huszti (32. und 47.) und die Neuzugänge Jan Schlaudraff (43. und 68.) und Mikael Forssell (86.) die Treffer für die Niedersachsen.

Rob Friends Treffer (54.) für Gladbach war am Ende nur noch Ergebniskosmetik. Hannover leistete sich in Huszti sogar den Luxus, einen zweiten Foulelfmeter zu verschießen (28.).

Durch den Sieg verließ Hannover die Abstiegsplätze und steht nun mit vier Punkten auf Rang 12. Mönchengladbach rutschte auf Platz 15 ab.

"Ich habe gemerkt, dass die Mannschaft konzentriert gespielt hat, und bin auch nach dem verschossenen Elfmeter nicht nervös geworden", sagte Hannovers Coach Dieter Hecking.

Auch der Finne Forssell war erleichtert: "Wir sind froh, dass wir ein Stück weitergekommen sind. Wir wussten, dass wir gut genug sind, um viele Tore zu schießen."

Dagegen war Gladbachs Torhüter Heimeroth bedient. "Wenn man fünf Tore kriegt, war das kein guter Nachmittag. Wir haben bis zum Elfmeter gut gespielt, doch dann sind wir aus dem Konzept gekommen. Ich denke aber, wir sind gefestigt genug, um schon nächste Woche eine Reaktion zu zeigen", meinte er.

Der SPOX-Spielfilm:

16.: Marin kommt zur ersten Großchance. Nach einem Querpass von Coulibaly schiebt er aus fünf Metern den Ball aufs kurze Eck. Enke zeigt seine Klasse und pariert.

27., Elfmeter für Hannover: Forssell wird an der Strafraumgrenze von Baumjohann gefoult.

28., Huszti verschießt: Das passt zu seiner derzeitigen Form. Ungenau und ohne Druck fast in die Mitte. Da hatte Heimeroth es nicht wirklich schwer.

32., 1:0, Huszti: Es geht doch! Nach schöner Vorarbeit von Bruggink kommt Huszti aus elf Metern zum Schuss, diesmal versenkt er flach zur 1:0-Führung.

43., 2:0, Schlaudraff: Traumtor für Hannover. Forssell auf Schlaudraff. Der zeigt alleine vor Heimeroth viel Gefühl und lupft den Ball aus 17 Metern ins Netz.

47., 3:0, Huszti: Überragender Konter von 96. Bruggink in die Tiefe auf den startenden Forssell. Der behält die Übersicht, legt auf den mitgelaufenen Huszti quer und der muss aus zehn Metern nur noch ins leere Tor einschieben.

54., 3:1, Friend: Übler Ballverlust von Schulz im Mittelfeld. Baumjohann in den Lauf von Friend und der hebt über Enke hinweg zum Anschlusstreffer ins Netz.

68., 4:1, Schlaudraff: Phantastischer Slalomlauf von Schlaudraff durch vier Gladbacher durch und dann der perfekte Abschluss aus zehn Metern halbhoch ins lange Eck.

82.: Forssell alleine vor Heimeroth, umkurvt den Keeper - und knallt den Ball im Fallen an den linken Pfosten.

85., Elfmeter für Hannover: Huszti geht im Zweikampf mit Callsen-Bracker zu Boden. Muss man nicht geben.

86., 5:1, Forssell: Dem Finnen ist das egal. Flacher Schuss ins linke Eck. Heimeroth hüpft nach links.

So lief das Spiel: Hannover war das Bemühen gleich zu Beginn anzusehen - allerdings aber auch die Verunsicherung der letzten Wochen. Gladbach befreite sich nach einer Viertelstunde und kam immer besser ins Spiel.

Bei ihren Kontern waren die Gäste gefährlicher als ein pomadiges Hannover. Vor allem Marko Marin hielt die Niedersachsen über die linke Seite ordentlich auf Trab. Selbst als Alexander Baumjohann Hannover nach seinem Foul an Mikael Forssell einen Elfmeter schenkte, wollte den Szabolcs Huszti nicht annehmen.

Trotzdem war der verschossene Elfmeter die Initialzündung für 96, das fortan aggressiver und leidenschaftlicher in die Zweikämpfe ging und Gladbach so den Schneid abkaufte. Plötzlich funktionierte alles, was die letzten Wochen nicht funktionierte.

Erst nach Friends Anschlusstreffer wachte Gladbach auf und setzte Hannover seinerseits unter Druck. Schlaudraff mit seinem zweiten Tor machte den Sack endgültig zu. Bis zum Schluss war es ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten und entblößten Defensivreihen.

Der Star des Spiels: Szabolcs Huszti und Jan Schlaudraff. Huszti schaffte es in den vergangenen Wochen immer nur durch angebliche Wechselabsichten in die Schlagzeilen. Beim Spiel in Stuttgart ließ ihn Dieter Hecking sogar zu Hause.

Gegen Gladbach ging sein Martyrium mit dem verschossenen Elfer weiter. Dann aber befreite Huszti nicht nur sich, sondern auch sein Team und beendete Hannovers Torfluch.

Und Schlaudraff zeigte, dass er durchaus die erhoffte Verstärkung werden kann. Seine beiden Tore erinnerten an seine Glanzzeiten bei Alemannia Aachen.

Die Gurke des Spiels: Gladbachs Defensivverhalten. Man hatte geglaubt, dass der Aufsteiger aus der Auftakt-Pleite gegen Stuttgart gelernt hatte. In Hannover bewies die Mannschaft leider das Gegenteil. Dumme Fehler und eine nicht funktionierende Abseitsfalle leisteten den Gastgebern prima Schützenhilfe bei allen Gegentreffern.

Die Lehren des Spiels: 1. Hannover kann doch noch Tore schießen. 2. Hannover kann doch noch gewinnen. 3. Szabolcs Huszti hat offenbar den Kopf wieder für Fußball frei.

Hannover zeigte zum ersten Mal in dieser Saison sein Potenzial - allerdings unterliegt das Spiel der Niedersachsen immer noch enormen Schwankungen.

Gladbach spielte wie schon gegen Stuttgart viel zu naiv. Nach vorne sieht das ganz hübsch aus, Chancen erarbeitet sich der Aufsteiger viele. Unter der offensiven Ausrichtung leidet aber die Defensive. Auf Dauer wird es mit dieser Spielweise schwer mit dem Klassenerhalt.

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