Bundesliga - 31. Spieltag

Gomez, Gomez, Gomez, GOOOOMEZ!

Von Florian Bogner / Tobias Hock
Samstag, 09.05.2009 | 17:20 Uhr
Gimme four! Mario Gomez erzielte gegen Wolfsburg seine Saisontreffer 20 bis 23
© Getty
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Dank eines überragenden Mario Gomez hat der VfB Stuttgart am 31. Spieltag der Bundesliga Tabellenführer VfL Wolfsburg eine empfindliche 1:4 (1:2)-Niederlage zugefügt und das Rennen um die Meisterschaft damit spannender denn je gemacht.

Nationalstürmer Gomez war dabei mit vier Toren der überragende Mann und erzielte mit dem 1:0 nach 28 Sekunden zudem das schnellste Tor der Saison. Der 23-Jährige ließ anschließend drei weitere Treffer folgen (20., 63., 77.) und entschied das Spiel vor 55.700 Zuschauern (ausverkauft) quasi im Alleingang.

Mit nunmehr 23 Saisontreffern hat der Nationalstürmer in der Torjägerliste zu Wolfsburgs Grafite aufgeschlossen. Für den VfL erzielte Grafites Sturmpartner Edin Dzeko mit seinem 20. Saisontor das zwischenzeitliche 2:1 (37.). Vor Wolfsburg war es am Ende die höchste Liga-Niederlage seit drei Jahren.

Zudem bitter für die Wölfe: Mit Zvjezdan Misimovic und Sascha Riether verlor der Bundesliga-Spitzenreiter auch noch zwei wichtige Spieler durch Verletzungen.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Stuttgart mit der B-Innenverteidigung, weil Delpierre gelbgesperrt und Tasci verletzt ist. Im Mittelfeld erhält Gebhart den Vorzug vor Lanig. Wolfsburg spielt mit der gleichen Elf, die Hoffenheim vor einer Woche in der zweiten Halbzeit mit 4:0 auseinander nahm.

1., 1:0, Gomez: Schon nach 28 Sekunden rappelt's. Hilbert legt rechts mit der Hacke zurück auf Träsch, der flankt aus vollem Lauf. In der Mitte steigt Gomez hoch und köpft den Ball aus zehn Metern unhaltbar per Bogenlampe ins linke Eck. Das schnellste Tor der Saison.

3.: Gomez ist rechts frei durch und schießt aus spitzem Winkel aus fünf Metern aufs Tor. Benaglio pariert stark.

17.: Erste gute Szene der Gäste. Misimovic flankt von rechts an den langen Pfosten, Dzeko zieht aus elf Metern volley ab. Lehmann hält im Nachfassen.

20., 2:0, Gomez: Hitzlsperger lupft den Ball butterweich in den Lauf des startenden Cacau, Wolfsburgs Abwehr ist ausgehebelt. Gomez läuft mit, Cacau legt am Sechzehner lässig rechts rüber - Gomez trifft ins leere Tor.

31.: Magnin flankt von links an den Fünfer. Benaglio und Cacau rasseln zusammen, der Ball ist frei. Cacau zögert, Benaglio rappelt sich auf. Cacau lupft drüber.

33.: Freistoß Hitzlsperger aus 28 Metern. Über die Mauer gezirkelt, Benaglio pariert zur Ecke. Die kommt in den Fünfer geflogen, kurze Verwirrung, Gomez köpft aus fünf Metern drüber.

36., 2:1, Dzeko: Freistoß Misimovic von rechts, fast an der Eckfahne. Gentner steigt am Fünfer frei hoch, touchiert den Ball leicht, Lehmann springt deswegen vorbei. Dzeko fällt der Ball etwas überraschend vor die Füße, er schiebt ihn easy ein. Sein 20. Tor!

39.: Bitter für den VfL! Niedermeier streckte Misimovic und Riether nieder, beide müssen innerhalb von zwei Minuten raus. Niedermeier sah erst beim zweiten Mal Gelb.

55.: Schäfer macht links zwei Mann nass und dringt in den Strafraum ein. Lehmann kann seinen Schuss aus spitzem Winkel nur zur Seite abklatschen, Zaccardo stolpert den Ball aus einem Meter am leeren Tor vorbei.

63., 3:1, Gomez: Khedira mit einem feinen Pass mitten durch die Viererkette. Simunek verschläft den Antritt von Gomez. Der Stuttgarter ist frei durch und wuchtet den Ball aus zehn Metern ins Netz.

77., 4:1, Gomez: Lanig darf links innerhalb des Strafraums in Ruhe flanken. Am langen Pfosten ist Gomez frei und nickt aus vier Metern ein. Gomez auf dem Weg zur Torjägerkanone!

86.: Hilbert tunnelt seinen Gegenspieler und schickt Marica in den Sechzehner. Der Rumäne überlupft Keeper Benaglio, trifft aber nur die Latte.

So lief das Spiel: Stuttgart übertölpelte Wolfsburg schon nach 28 Sekunden und hatte danach deutlich mehr vom Spiel, weil die Gäste kaum in die Zweikämpfe kamen und der VfB stets einen Schritt schneller war. Die Hausherren verteidigten teilweise mit neun Mann hinter dem Ball und lancierten aus sicherer Defensive schon nach 15 Minuten Konter, die den VfL vor immense Probleme stellte.

Erst nach dem 2:0, an dem Hitzlsperger mit seinem feinen Zuspiel auf Cacau den größten Anteil hatte, zeigte Wolfsburg eine Reaktion und nahm das Heft in die Hand. Stuttgart ließ nur fünf Prozent nach - das reichte den Wölfen um nach einer Standardsituation (mit Hilfe von Lehmann) zum Anschluss zu kommen und das Spiel bis zur Halbzeit zu dominieren.

Zur Halbzeit reagierte Babbel auf den steigenden Druck der Wölfe, brachte den etwas defensiveren Lanig für Gebhart. Das stabilisierte das VfB-Mittelfeld aber nur bedingt. Wolfsburg ließ den Ball jetzt ganz stark durch die eigenen Reihen laufen und kam zu Chancen. Zwei davon vergab Zaccardo allerdings fahrlässig. Erst nach 60 Minuten kam der VfB mal wieder aus der Defensive und Gomez vollstreckte nach Khediras Zuspiel eiskalt zum dritten Mal. Als Wolfsburg der Verzweiflung nahe war, machte Gomez mit seinem vierten Streich alles klar.

Der Star des Spiels: Mario Gomez, im Dress des VfB die Effektivität in Person. Der Nationalstürmer erzielte gegen Wolfsburg bereits seine Treffer Nummer 13 bis 16 in der Rückrunde und hat mit insgesamt 23 Toren mit Grafite gleichgezogen. Dabei war sich der 23-Jährige auch nie zu schade, Defensivaufgaben zu übernehmen und den VfL-Spielaufbau im Wechsel mit Cacau tief in der eigenen Hälfte zu stören.

Die Gurke des Spiels: Jan Simunek. Der Tscheche war oftmals Garant einer sicheren VfL-Abwehr. In Stuttgart stand der 21-Jährige allerdings deutlich neben den Schuhen und verlor beinahe jeden wichtigen Zweikampf. Beim 0:1 stand er drei Meter von Gomez weg, beim 0:2 versuchte er auf Abseits zu spielen, beim 1:3 stand er zu weit innen und ließ dadurch Gomez zum zweiten Mal zu viel Platz.

Die Lehren des Spiels: Auch wenn Gomez mit seinen vier Treffern alles überstrahlte, war der Erfolg der Stuttgarter vor allem der Defensivdisziplin der Schwaben zu verdanken. Bei Ballbesitz Wolfsburg dachten sofort neun der zehn Stuttgarter Feldspieler defensiv und machten unter gehörigem Laufaufwand die Räume eng.

Ein Extralob gebührt dabei den beiden Sturmspitzen, die teilweise an der eigenen Eckfahne um den Ball fighteten. Auch die vermeintliche B-Lösung in der Innenverteidigung machte ihre Sache außerordentlich gut - auch wenn nach Niedermeiers Mitwirken bei Misimovic' und Riethers Verletzung ein leicht fader Beigeschmack bleibt.

Bei Wolfsburg war das Offensiv-Dreieck durch Misimovic' Auswechslung früh gesprengt, Dejagah konnte die Rolle des Spielmachers zu keiner Zeit erfüllen. Auch die oft hochgelobten Stürmer hatten nicht ihren besten Tag erwischt, verstrickten sich zu oft in Eins-gegen-eins-Duellen und zogen dort meistens den Kürzeren.

So hatte Wolfsburg in den agilen Außenverteidigern Pekarik und Schäfer noch die besten Spieler, weil sie durch konsequentes Vorrücken zumindest versuchten, die massive VfB-Defensive in die Breite zu ziehen und über Außen zu knacken.

Besonders bitter für die Wölfe: Durch die hohe Niederlage hat der VfL nun auch seinen bis dato komfortablen Vorsprung in der Tordifferenz so gut wie verspielt.

Stuttgart - Wolfsburg: Daten & Fakten

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