Bundesliga - 30. Spieltag

Stuttgart verspielt zwei Punkte

Von Stefan Rommel / Florian Regelmann
Samstag, 02.05.2009 | 17:22 Uhr
Der VfB musste sich in Bielefeld mit einem Remis zufrieden geben
© Getty
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Arminia Bielefeld hat die Siegesserie des VfB Stuttgart nach fünf Erfolgen in Folge gestoppt und den Schwaben auf dem Weg zur Meisterschaft einen herben Dämpfer verpasst.

Die abstiegsbedrohte Arminia erkämpfte sich vor 25.800 Zuschauern auf der Alm ein völlig verdientes 2:2 (1:2), bleibt aber trotz des Punktgewinns weiter auf dem Relegationsplatz.

In einem packenden Spiel glich Bielefeld zweimal eine Stuttgarter Führung aus und verbaute dem VfB dadurch den sechsten Sieg in Folge.

Die Tore für die Gastgeber erzielten Chris Katongo (30.) und Vlad Munteanu (69./Foulelfmeter). Stuttgarts Tore besorgten Mathieu Delpierre (4.) und Thomas Hitzlsperger (35.).

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Bei Bielefeld fällt weiterhin Wichniarek verletzt aus. Dafür beginnt Halfar in Trainer Frontzecks 4-3-2-1, mit Katongo als einziger nomineller Spitze.

Beim VfB fehlen Tasci und Gebhart (beide verletzt). Boulahrouz ersetzt Nationalspieler Tasci in der Innenverteidigung, Lanig rückt auf die linke Seite im Mittelfeld und macht im Zentrum dafür Platz für Rückkehrer Hitzlsperger (nach Gelb-Sperre).

4.:, 0:1, Delpierre: Ecke Hitzlsperger von rechts. Boulahrouz am ersten Pfosten schneller als Schuler, trifft per Kopf aber nur den linken Innenpfosten. Delpierre ist beim Abpraller zur Stelle und nickt aus vier Metern ein.

11.: Blitzkonter VfB. Khedira auf Gomez, der bedient den durchgelaufenen Boulahrouz. Kucera rammt den Holländer im Sechzehner einfach um, Schiri Brych lässt weiterspielen. Knifflig.

17.: Stuttgart spielt auf Abseits, geht aber völlig schief. Halfar auf Katongo, der aber etwas weit abgedrängt wird. Trotzdem kommt der Bielefelder zum Abschluss, den Delpierre aber vor der Linie weghaut.

24.: Wieder geht's bei Bielefeld gefährlich über links. Halfar setzt sich gegen Träsch durch, scheitert aber aus spitzem Winkel an Lehmann.

30.; 1:1, Katongo: Harmlose Flanke von rechts. Delpierre springt der Ball aber vom Fuß. Tesche flankt zur Mitte, Katongo ist völlig allein und netzt aus sechs Metern unhaltbar ein.

31.: Fast die Führung! Halfar nimmt am Elfer an, schnelle Drehung, Schuss. Knapp links am Tor vorbei.

35., 1:2, Hitzlsperger: Aus dem Nichts! Stuttgarts Kapitän zieht mit rechts aus 25 Metern ab. Marx fälscht noch ab, über Eilhoff hinweg senkt sich der Ball ins Tor.

44.: Langer Ball von Hitzlsperger auf Gomez. Der spielt mit Bollmann Jojo am Fünfer, legt den Ball dann aber aus vier Metern Zentimeter am langen Pfosten vorbei.

48.: Hitzlsperger perfekt in die Gasse zu Khedira. Der scheitert aber völlig frei vor Eilhoff an selbigem.

57.: Katongo macht auf der rechten Seite, was er will, dribbelt den VfB schwindlig und flankt von der Außenlinie nach innen. Der Ball streift die Latte!

65.: Gomez vernascht Mijatovic am Fünfer und ballert wie schon in der ersten Halbzeit Zentimeter am langen Pfosten vorbei.

68., Elfmeter für Bielefeld: Marx zieht an, Hitzlsperger haut unnötig dazwischen. Klare Sache.

69., 2:2, Munteanu: Der Rumäne, eben eingewechselt, verlädt Lehmann und schiebt den Ball ins linke Eck.

76.: Zauberpass von Marica auf Gomez. Der ist frei vor Eilhoff, haut den Ball aber aus acht Metern nur an den linken Pfosten.

89.: Gomez legt auf Marica ab. Der zieht sofort aus 20 Metern ab, hauchdünn drüber.

So lief das Spiel: Stuttgart traf quasi mit der ersten Chance und zeigte die eindeutig reifere Spielanlage. Bielefeld zeigte sich durch den Rückstand aber nicht sonderlich beeindruckt und kämpfte sich nach etwa zehn Minuten besser ins Spiel und hatte in Ansätzen auch ganz brauchbare Gelegenheiten.

Mit zunehmender Spieldauer verdienten sich die Gastgeber aber den Ausgleich, den Katongo nach einem bösen Abwehrfehler erzielte. Stuttgart verlor plötzlich völlig unverständlich den Faden und holte die Arminia quasi selbst zurück ins Spiel. Stuttgart hatte in der Defensivabstimmung enorme Probleme, war aber in der Offensive brandgefährlich. Hitzlspergers Tor kam trotzdem sehr überraschend.

Nach der Pause legte Bielefeld noch eine ganze Schippe Kampf drauf und drückte den VfB in dessen eigene Hälfte. Das Publikum war da und peitschte die Mannschaft nach vorne, Stuttgart schwamm bedenklich.

Erst nach gut einer Stunde brachte der VfB wieder mehr Ordnung ins eigene Spiel, machte aber den Sack nicht frühzeitig zu und bekam durch Munteanus Elfmeter die gerechte Quittung. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, aber beiden Mannschaften fehlte im Abschluss die letzte Frische.

Der Star des Spiels: Rüdiger Kauf war das Sinnbild für Bielefelder Entschlossenheit, Kampfkraft und Leidenschaft. Kauf ging in zwölf direkte Zweikämpfe - und gewann alle zwölf! Immer wenn es brenzlig wurde, war der Kapitän zur Stelle und warf sich in Stuttgarter Schussversuche oder stellte den Passweg zu. So und nicht anders muss man im Abstiegskampf spielen.

Die Gurke des Spiels: Martin Lanig musste durch Gebharts Ausfall auf die linke Seite im Mittelfeld ausweichen und fand sich dort zu keiner Sekunde wirklich zurecht. Dem Stuttgarter unterliefen etliche leichte Stockfehler, Lanig konnte so fast überhaupt nichts zum Aufbauspiel beitragen und war in der Offensive quasi nicht zu gebrauchen. Auch im Kopfballspiel blieb Lanig unauffällig und lieferte alles in allem eine seiner schwächsten Partien im VfB-Dress.

Die Lehren des Spiels: Bielefeld machte das Beste aus seinen begrenzten personellen und spielerischen Möglichkeiten. Mit kämpferischem Einsatz und Leidenschaft machten die Gastgeber viele spielerische Defizite zumindest teilweise wett - allerdings war das Fehlen von Torjäger Wichniarek deutlich zu spüren. Unterm Strich ging zu wenig wirkliche Torgefahr von der Arminia aus. Für die letzten Spiele kann Bielefeld deshalb nur inständig auf die Rückkehr des Polen hoffen.

Stuttgart zeigte ein klassisches "Wiegt-sich-in-Sicherheit-Spiel" und musste dafür bezahlen. Die frühe Führung verleitete einige Akteure vor allem in der Defensivarbeit zu unerklärlichen Leichtsinnsfehlern, der letzte Biss in den Aktionen fehlte.

Stuttgart machte es sich in seiner spielerischen Überlegenheit bequem und vergass dabei den nötigen Fight. Einem echten Spitzenteam darf so etwas gegen einen angeschlagenen Gegner in der Form nicht passieren.

Stuttgart versäumte es, aus seiner deutlichen spielerischen Überlegenheit mehr zu machen und spielte seine Konter nicht zielstrebig zu Ende. Die beiden verlorenen Punkte könnten in der Endabrechnung noch richtig schmerzen, zumal Dortmund durch den Sieg in Frankfurt bedrohlich nahe an Platz fünf rückt.

Bielefeld - Stuttgart: Daten & Fakten

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