3. Spieltag

Schalke ohne Glanz auf Eins

Von Florian Bogner / Torsten Adams
Samstag, 30.08.2008 | 17:20 Uhr
© Getty
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Der FC Schalke 04 hat sich gut von der 0:4-Niederlage bei Atletico Madrid in der Champions-League-Qualifikation erholt und am 3. Spieltag der Bundesliga den VfL Bochum mit 1:0 (1:0) besiegt.

Gelsenkirchen/München - Drei Tage nach dem Debakel von Madrid und zwei Tage nach der Steuerrazzia hat sich Schalke 04 in der Bundesliga wieder von seiner besseren Seite gezeigt. Im Ruhrpott-Derby gegen den VfL Bochum siegten die Knappen durch ein Tor von Heiko Westermann (36.) mit 1:0 und übernahmen wieder die Führung in der Bundesliga.

 

"Wichtig war heute einfach, dass wir gewonnen haben - egal wie", sagte der Torschütze. "Man hat gesehen, dass die Niederlage gegen Madrid nicht spurlos an uns vorübergegangen ist. Aber wir haben uns zusammengerissen und uns halbwegs gefangen", meinte Christian Pander, neben Westermann der beste Schalker.

Trainer FredRutten stimmte zu: "Ich glaube, wir haben das Spiel in Madrid ganz gut weggesteckt, auch wenn es am Anfang schwer war, ins Spiel zu kommen."

Gelb-Rot für Fuchs

Eine wahre Glanzleistung zeigten die Knappen vor 61.673 Zuschauern in der ausverkauften Veltins-Arena allerdings abermals nicht. Bochum war schlichtweg zu harmlos, um die müden Schalker ernsthaft zu gefährden. Christian Fuchs sah zu allem Überfluss für die Gäste in der Schlussminute die Gelb-Rote Karte.

"Wir haben nicht schlecht gespielt. In einer guten Phase kriegen wir unglücklich das Gegentor. Danach waren wir vorne zu hektisch. Aber ich bin nicht von der Leistung der Mannschaft enttäuscht, weil sie alles gegeben hat", sagte Trainer Marcel Koller nach dem Spiel.

Auch laut Phillip Bönig wäre für den VfL mehr drin gewesen: "Nach dem Schlusspfiff hat man die Erleichterung der Schalker gesehen. Wir hätten mindestens einen Punkt mitnehmen müssen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Schalke im Vergleich zum 0:4 bei Atletico Madrid auf drei Positionen verändert: Rafinha, Krstajic und Asamoah sind für Höwedes, Kobiaschwili und Altintop dabei. Bochum wie beim 2:2 gegen Wolfsburg.

6.: Doppelpass Jones-Rakitic an der Strafraumgrenze. Jones zieht aus 17 Metern ab, VfL-Keeper Fernandes pariert stark.

11.: Azaouagh verlädt Krstajic rechts auf dem Flügel, seine Mischung aus Flanke und Torschuss verpasst Dabrowski am langen Pfosten nur um Haaresbreite.

21.: Pander flankt von links, Yahia bugsiert den Ball - von Westermann bedrängt - mit der Wade beinahe ins eigene Tor.

36., 1:0, Westermann: Rafinha geht auf der rechten Seite durch, flankt in den Strafraum. Westermann läuft schön ein und drückt den Ball aus fünf Metern am kurzen Pfosten per Kopf über die Linie.

45.: Von Imhofs Rücken springt der Ball nach einer Ecke etwas unorthodox Richtung Schalker Tor, Rafinha klärt auf der Linie.

55.: Kurze Ecke der Bochumer. Freier am Sechzehner vollkommen frei, seinen Schuss lenkt Krstajic zur Ecke. Beim zweiten Eckball greift Schober daneben, kein Bochumer schlägt daraus Kapital.

65.: Pander flankt von links, Kuranyi löst sich in der Mitte geschickt und köpft aus elf Metern aufs Tor. Fernandes pariert zur Ecke.

66.: Direkt nach der Kuranyi-Chance lenkt Asamoah eine Pander-Ecke volley an die Latte. Fernandes hatte seine Fingerspitzen wieder im Spiel.

80.: Azaouagh zieht aus 25 Metern ab, Schober lenkt den Ball mit einiger Mühe zur Ecke.

86.: Wieder Ecke Pander, wieder Kopfball Kuranyi - Latte. Sekunden später bringt Kuranyi das Kunststück fertig, den Ball nach einem Pander-Freistoß aus zwei Metern an den Pfosten zu schieben.

90., Gelb-Rot für Fuchs: Der Österreicher checkt Altintop im Laufduell weg und sieht deswegen die Ampelkarte.

So lief das Spiel: Eine ereignisarme erste Halbzeit. Schalke müde und deshalb um Ballsicherheit bemüht, Bochum zunächst mit sehr viel Respekt und nur wenigen, zaghaften Kontern meist über die rechte Seite. Erst nach einer halben Stunde entwickelten die Hausherren mehr Druck auf das Bochumer Tor und kamen prompt zur Führung.

Nach dem Wechsel investierte Bochum mehr, Schalke spielte noch pomadiger und uninspirierter als in der ersten Halbzeit. Zwischen der 50. und 65. Minute hätte der VfL gut und gerne zum Ausgleich kommen können, zumal S04 nach Bordons Auswechslung (Fußverletzung) hinten unsicherer wurde. In der Schlussphase konterte Schalke im eigenen Stadion und brachte den knappen Vorsprung letztlich ungefährdet über die Zeit. Kuranyi hätte mehrfach das 2:0 machen müssen.

Der Star des Spiels: Heiko Westermann. Ruttens Schachzug, den Verteidiger im linken Mittelfeld spielen zu lassen, wäre beinahe schon in Madrid von Erfolg gekrönt gewesen. Diesmal zeigte Westermann vor allem in der ersten Halbzeit eine starke Partie, war immer anspielbar, vorne wie hinten zu finden und harmonierte richtig gut mit Hintermann Pander. Das Siegtor war der gerechte Lohn.

Die Gurke des Spiels: Schalkes Außenstürmer. Rakitic ist auf dem linken Flügel so effektiv wie die Eckfahne, verschleppt immer wieder das Tempo und verfängt sich in hilflosen Einzelaktionen. Eine klare Fehlbesetzung. Auch Gerald Asamoah rechtfertigte den Vorzug vor Halil Altintop nicht, blieb bis auf zwei Szenen vollkommen abgemeldet. Wenn dann noch Kevin Kuranyi wie Falschgeld rumläuft und nur auf hohe Bälle im Strafraum lauert, ist Schalke offensiv sehr leicht auszurechnen. Kein Wunder, dass drei von fünf Toren bislang von Abwehrspielern erzielt wurden.

Die Lehren des Spiels: Ohne Farfan ist Schalkes 4-3-3 nur die Hälfte wert. Bis 30 Meter vor dem Tor läuft der Ball passabel, dann gehen den Herren Asamoah, Rakitic und Co. regelmäßig die Ideen aus. Ein starker Pander (Stichwort Standards) und ein emsiger Westermann werden gegen einen anderen Gegner als biedere Bochumer nicht reichen, um Schalke dauerhaft auf Platz eins der Liga zu halten.

Die Bochumer müssen sich vorwerfen lassen, die müden Schalker mit ihrer defensiven Grundausrichtung nicht genügend gefordert zu haben. Bochums Spiel ist generell zu eindimensional, läuft fast ausschließlich über Azaouagh. Hat der einen Kettenhund wie Jones auf den Füßen, lahmt das gesamte Offensivspiel des VfL.

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