HSV gegen Cottbus: Gewonnen und verloren

Von Daniel Börlein/Torsten Adams
Sonntag, 15.03.2009 | 18:59 Uhr
Nach dem Führungstor von Olic besorgte Trochowski das 2:0 für den HSV
© Getty
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Der Hamburger SV hat sich durch einen ungefährdeten 2:0 (2:0)-Heimsieg gegen Energie Cottbus im Titelkampf der Bundesliga zurückgemeldet.

Vor knapp über 50.000 Zuschauern in der Hamburger Arena erzielten Ivica Olic (32.) und Piotr Trochowski (39.) die Treffer für die Norddeutschen, die nun mit 45 Zählern punktgleich mit dem FC Bayern und dem VfL Wolfsburg auf Platz vier rangieren. Ganz vorne liegt weiterhin Hertha BSC Berlin mit 49 Punkten.

"Schon vor der Partie war klar, wir brauchen die drei Punkte, um oben mit dran zu bleiben. Das ist uns gelungen, ob schön oder nicht. Die Fans werden das sicher verstehen, dass in den englischen Wochen auch mal die Kraft fehlt", sagte Marcell Jansen.

Nach zuletzt zwei Niederlagen in Folge in der Bundesliga kehrte das Team von Martin Jol somit wieder in die Erfolgsspur zurück. Einziger Wermutstropfen war die Verletzung von Stürmer Mladen Petric, der mit Muskelfaserriss im Oberschenkel ausgewechselt werden musste.

"Dass wir in den kommenden Wochen auf Petric verzichten müssen, ist für uns natürlich ein Schlag", sagte Coach Martin Jol.

Für Cottbus war es die dritte Niederlage in Folge. Die Lausitzer stehen dadurch mit 20 Zählern auf dem 17. Rang.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Jol stellt im Vergleich zum Galatasaray-Spiel gleich dreimal um: Für Boateng, Aogo und Trochowski rücken Streit, Olic und Tavares in die Startelf. Auch Prasnikar rotiert kräftig: Für Cvitanovic, Ziebig, Skela und Jula  bringt er Burca, Pavicevic, Rajnoch und Sörensen.

6.: Jansen steckt von der linken Außenbahn auf Jarolim durch. Im Strafraum der Gäste geht es dann ganz schnell: Olic, Petric, Guerrero. Der Schuss des Ex-Bayern geht knapp am rechten Pfosten vorbei.

29.: Petric greift sich nach einem Sprint an den rechten Oberschenkel. Riecht nach Muskelverletzung. Der Kroate muss raus. Für ihn kommt Trochowski.

32., 1:0, Olic: Radeljic leistet sich auf links einen Schnitzer. Seinen Fehlpass nimmt Tavares auf der rechten Seite auf und flankt butterweich in den Strafraum. Olic setzt sich gegen Burca und Atan durch und wuchtet den Ball aus sieben Metern mit dem Kopf ins linke Eck.

39., 2:0, Trochowski: Kurioses Ding! Troche läuft an und zieht seinen Freistoß aus 22 Metern von halbrechts direkt aufs Tor, doch Tremmel macht keine Anstalten, auch nur minimal zu reagieren. Klar flatterte der Ball, aber Tremmel hatte eigentlich gute Sicht auf die Kugel, die zwei Meter links von ihm einschlägt.

48.: Der HSV direkt wieder am Drücker. Nach einer Ecke setzt sich Olic per Kopf gegen Atan durch, aber Iliev klärt auf der Linie.

56.: Erste Chance für die Gäste: Jula bedient Rangelov, der Mathijsen davon läuft und aus sieben Metern von halbrechts zum Torschuss kommt. Sein Ball trudelt aber knapp am linken Pfosten vorbei.

88.: Guerrero nimmt auf rechts Jarolim mit, der in den Strafraum zieht. Schöner Rückpass auf Guerrero, der aus elf Metern abzieht, aber den Ball nicht richtig trifft.

So lief das Spiel: Kein großes Abtasten, das Spiel nahm schnell Fahrt auf - und ging sofort in Richtung Energie-Tor. Der HSV kontrollierte Ball und Gegner und rannte immer wieder an, fand zunächst aber keine Lücke gegen die defensiv auftretenden Gäste. Nach dem Treffer von Olic wagte sich Cottbus dann etwas weiter nach vorne, so dass sich für die Hamburger mehr Räume boten. Energie war zu keiner Zeit in der Lage, sich in der Hälfte des HSV festzusetzen, wodurch die 2:0-Pausenführung vollauf in Ordnung ging.

Nach dem Wechsel änderte sich kaum etwas. Der HSV agierte nicht mehr ganz so aggressiv und offensiv, kontrollierte das Spiel allerdings zu jeder Zeit. Die Gäste bemühten sich etwas mehr in der Offensive, großen Druck konnte Energie allerdings nicht erzeugen. Nach einer Stunde plätscherte die Partie relativ arm an Höhepunkten vor sich hin. Weil die Hamburger nicht mehr wollten und die Lausitzer nicht mehr konnten, änderte sich daran bis zum Schluss nichts mehr.

Der Star des Spiels: Mickael Tavares. Der Winter-Neuzugang von Slavia Prag gab den Sechser vor der Abwehr - und das defensiv ohne Fehl und Tadel und nach vorne mit einer beeindruckenden Ruhe und Abgeklärtheit. Bereitete zudem das 1:0 von Olic mit einer mustergültigen Flanke vor. In dieser Form könnte der Franzose auf Dauer ein gleichwertiger Ersatz für den abgewanderten Nigel de Jong werden.

Die Gurke des Spiels: Cagdas Atan. Energies Innenverteidiger erwischte wie seine Nebenleute wahrlich nicht den besten Tag. Hatte mit Olic und Guerrero große Probleme und leistete sich den einen oder anderen Stellungsfehler. Auch in Sachen Spielaufbau hat der Türke noch deutlich Luft nach oben.

Die Lehren des Spiels: Martin Jol wählte eine offensive Aufstellung und bot mit Olic, Guerreo und Petric drei gelernte Stürmer auf, wobei Olic und Guerreo um Stoßstürmer Petric herum wirbelten. Nach Petric' Ausfall ging Olic ins Sturmzentrum und Trochowski übernahm dessen Platz. Durch die vielen Positionswechsel sorgte der HSV für Durcheinander in der Cottbuser Defensive. Aus dem Mittelfeld ging Jarolim immer wieder in die Tiefe und erzeugte dadurch Druck aus der zweiten Reihe.

Auch die Hereinnahme von Streit zahlte sich aus. Der Ex-Schalker machte über rechts ebenso Dampf wie Jansen auf links. Der Nationalspieler agierte dieses Mal wieder als linker Außenverteidiger marschierte aber ständig die Linie auf und ab. Kurzum: Hamburgs Flügelspiel ist mittlerweile eine große Waffe.

Durch den ungefährdeten Sieg haben die Hamburger ihre kleine Negativserie erstmal beendet und meldeten sich wieder zurück im Kampf um den Titel. Abschreiben sollte man den HSV sicher nicht.

Abschreiben darf man natürlich auch Energie nicht. Für die Lausitzer ist nach wie vor alles drin im Tabellenkeller, die Punkte in Hamburg waren in Cottbus ohnehin nicht eingeplant. Etwas mehr Gegenwehr hatte man dann allerdings doch erwartet. Alles in allem schenkte Energie doch relativ emotionslos ab. Nach dem 0:1 durch Olic war die Partie praktisch gelaufen, denn einmal mehr wurde deutlich, dass sich Cottbus doch sehr schwer tut, selbst das Spiel zu machen.

Hamburg - Cottbus: Alle Daten & Fakten

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