Fussball

Stuttgart gewinnt Derby gegen Karlsruhe

Von Andreas Lehner / Martin Rösch
Serdar Tasci mit dem gestreckten Bein gegen Giovanni Federico
© Getty

Der VfB Stuttgart hat das baden-württembergische Derby beim Karlsruher SC mit 2:0 gewonnen und ist in der Rückrunde weiter ungeschlagen.

Elson brachte den VfB vor 29.252 Zuschauern nach schöner Vorarbeit von Ciprian Marica in Führung (58.). Sami Khedira machte nach einem Konter den Deckel drauf (88.).

Stuttgart klettert damit auf den siebten Platz und hat nur noch drei Punkte Rückstand auf die UEFA-Cup-Ränge. Karlsruhe kassierte bereits die 15. Saisonniederlage (Ligaspitze) und liegt mit drei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz weiter auf Rang 17.

KSC-Trainer Edmund Becker fand besonders für die schwache zweite Halbzeit kritische Worte: "Mir ist unverständlich wie wir dann so aus der Halbzeitpause kommen können. Da fehlte die Aggressivität." Markus Babbel war dagegen sehr zufrieden mit der Leistung seiner Truppe. "Die Mannschaft hat sich nach dem schweren Spiel am Donnerstag gegen St. Petersburg in die Begegnung reingekämpft und sich die drei Punkte redlich verdient", so der Teamchef.

Den ersten Aufreger im brisanten Derby gab es aber bereits vor dem Spiel. Da randalierende KSC-Fans den Stuttgarter Mannschaftsbus bei der Anfahrt zum Stadion behindert hatten, wurde die Partie erst mit einer Verspätung von 15 Minuten angepfiffen. Der Bus des VfB wurde dabei demoliert.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Beim KSC verteidigen Eichner und Langkamp für Celozzi (Schleimbeutelentzündung) und Sebastian (Bänderriss). Im Sturm beginnt Saglik, Freis rückt dafür auf rechts und ersetzt Timm. Der VfB rotiert nach dem UEFA-Cup-Spiel: Hitzlsperger, Hilbert, Simak, Cacau, Träsch und Boulahrouz (Gelb-Sperre) raus; Lanig, Elson, Marica, Magnin, Gebhart und Niedermeier rein.

4.: Dicke Chance für die Hausherren. Federico schickt Stindl auf die Reise. Lehmann kommt aus seinem Kasten, spielt den Ball aber Saglik direkt in die Beine. Der Türke versucht es mit dem Kunstschuss aus 30 Metern. Zwei Meter rechts vorbei.

13: Aufregung im Stuttgarter Strafraum. Freis spielt Magnin den Ball durch die Beine und geht von rechts in den Strafraum. Der Stuttgarter zieht und zerrt am Trikot des Karlsruhers und der fällt. Brych lässt weiterspielen. Den hätte man auch geben können.

32.: Elson schlägt eine Ecke von rechts. Miller faustet den Ball nicht weit genug weg, über Umwege kommt der Ball zu Tasci. Der hält aus 14 Metern drauf. Aber Miller taucht schnell  ab und packt sicher zu.

34.: Marica wird 30 Meter vor dem Kasten nicht angegriffen und lässt einen mächtigen Hammer los. Der Flachschuss klatscht an den rechten Pfosten.

40.: Und wieder kracht's! Einen Elson-Freistoß erreicht Lanig am Elfmeterpunkt irgendwie noch mit der Fußspitze. Der Ball senkt sich gefährlich und landet auf der Latte.

44.: Da Silva zieht einen Freistoß aus dem rechten Halbfeld aus 30 Metern direkt aufs Tor. Die Kugel streicht nur knapp am rechten Winkel vorbei. Lehmann hatte auf eine Flanke spekuliert.

50., 0:1, Elson: Gomez setzt über rechts Marica prächtig in Szene, während der KSC in Person von Drpic auf Abseits spielt. Marica läuft auf Miller zu und spielt dann mit viel Übersicht zu Elson quer, Görlitz säbelt unbeholfen über den Ball und der Stuttgarter schiebt ein.

58.: Stindl setzt sich über die rechte Seite durch und legt auf Federico zurück. Der Ex-Dortmunder braucht aber zu lange und zielt dann vom Elfmeterpunkt klar am rechten Pfosten vorbei.

66.: Der Brasilianer mit einer maßgenauen Flanke von der linken Eckfahne auf den Kopf von Gomez. Der Versuch aus sieben Metern geht knapp drüber.

88., 0:2, Khedira: Konter des VfB. Khedira mit einem fulminanten Sprint von der Mittellinie. Der Joungster tunnelt Drpic und läuft alleine auf Miller zu. Den ersten Versuch pariert der Keeper noch mit einem tollen Refelex. Den Nachschuss lässt sich Khedira dann nicht nehmen.

So lief das Spiel: Der KSC kam mit viel Schwung ins Spiel und dominierte die erste halbe Stunde klar. Die Badener waren aggressiver, spritziger und bissiger in den Zweikämpfen. Allerdings konnten sie sich kaum klare Torchancen erspielen. Diese resultierten meist aus Fehlern der Schwaben. Als die Karlsruher etwas durchschnaufen mussten, kam der VfB offensiv besser zum Zug, scheiterte aber zweimal am Aluminium. Gefahr entstand beim VfB aber nur aus Standardsituationen oder Einzelaktionen.

Nach dem Wiederbeginn hatte Stuttgart weniger Probleme mit den Karlsruher Angriffen und nutzte seinen ersten gut gespielten Angriff zum Führungstreffer. Der KSC rannte anschließend vergeblich an. Dem Vorletzten fehlte es dabei an Flexibilität und Inspiration. Khedira machte den Karlsruhern mit seinem Konter-Tor den Gar aus.

Der Star des Spiel: Dieses Mal ausnahmsweise zwei Spieler: Georg Niedermeier und Sebastian Langkamp. Beide Innenverteidiger feierten ihr Bundesligadebüt und spielten so als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Souverän im Zweikampf, mit Übersicht im Spielaufbau und ohne Nervosität. Wobei Langkamp mit Gomez sicherlich die etwas schwerere Aufgabe hatte.

Die Gurke des Spiels: Andreas Görlitz. Die Bayern-Leihgabe machte im Großen und Ganzen kein schlechtes Spiel und sorgte auf seiner Seite offensiv für viel Druck. Aber mit seinem ungelenken Abwehrversuch vor dem Gegentor und der daraus resultierenden Niederlage gab er eine eindrucksvolle Bewerbung für diese Kategorie ab.

Die Lehren des Spiels: Spiele des KSC lesen sich immer wieder gleich. Die Badener sind spielerisch durchaus in der Lage mit fast jedem Gegner mitzuhalten, aber sobald es Richtung Strafraum oder sogar Tor geht, ist jegliche Entschlossenheit verflogen. Und das obwohl Becker die Woche über fast bis zum Erbrechen Abschlusstraining durchzog. Auch Neuzugang Saglik konnte dieses Problem nicht beheben.

Die Systemumstellung auf 4-4-2 und die Hereinnahme von Kapllani als zweiten Stürmer brachte nichts. Sollten die Badener nicht schnell eine Lösung dieses Problems finden, wird es sehr eng mit dem Klassenerhalt.

Stuttgart bleibt dagegen unter Markus Babbel in der Bundesliga weiter ungeschlagen - und das, obwohl die Schwaben alles andere als eine souveräne Leistung ablieferten. Besonders die ausgewachsene Rotation sorgte für viele Ungereimtheiten im VfB-Spiel. Vor allem im Aufbau hakte es gewaltig.

Khedira und Lanig versuchten im zentralen Mittelfeld zwar immer wieder die Außen und die Stürmer einzusetzen, schafften dies aber zu selten. Das Fehlen von Hitzlsperger machte sich deutlich bemerkbar. Gomez und Marica hingen über weite Strecken in der Luft. Nach der Pause war besonders Khedira präsenter, gewann in der Defensive die wichtigen Zweikämpfe und hatte fast bei jedem Angriff seine Füße im Spiel.

Karlsruhe - Stuttgart: Daten & Fakten

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