Berlin zittert sich zum Sieg

Von Florian Bogner / Martin Rösch
Samstag, 28.02.2009 | 17:20 Uhr
Die Hertha feierte gegen Gladbach bereits den neunten Heimsieg in Folge
© Getty
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Hertha BSC Berlin hat Borussia Mönchengladbach am 22. Spieltag der Bundesliga mit 2:1 (2:0) besiegt und damit bereits den neunten Heimsieg in Folge gefeiert. Damit übernahmen die Berliner zumindest bis Sonntagabend die Tabellenführung vom Hamburger SV.

Vor 48.534 Zuschauern im Berliner Olympiastadion ging die Hertha durch Andrej Woronin bereits zum 16. Mal in dieser Saison in Führung (28.). Es war Woronins viertes Tor in den letzten vier Spielen. Mittelfeldmotor Pal Dardai stellte noch vor dem Halbzeitpfiff auf 2:0 (44.).

In der zweiten Halbzeit investierten die Gäste mehr und kamen durch einen Elfmeter von Michael Bradley nochmal ran (69.). Arne Friedrich hatte zuvor Marko Marin gefoult. Gladbachs Schlussoffensive blieb bei der Rückkehr von Trainer Hans Meyer an die alte Wirkungsstätte anschließend unbelohnt.

Meyer: Cleverness schlägt Leichtsinn

"Ich hätte vor dem Spiel ein 1:0 sofort unterschrieben. Wir wussten, dass Gladbach schwierig zu spielen sein wird. Für mich war es keine Überraschung, dass es am Ende eng wurde. Es war sehr wichtig, nach der Niederlage in Wolfsburg wieder drei Punkte zu holen", sagte Hertha-Coach Lucien Favre.

"Dieses Spiel muss man nicht unbedingt verlieren", meinte hingegen Meyer. "Ich will es mal auf einen Nenner bringen: Cleverness schlägt jugendlichen Leichtsinn. Wir haben ganz nett gespielt, mehr aber auch nicht. Ich glaube aber schon, dass wir besser spielen als noch im Herbst."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Die Hertha mit exakt der selben Elf, die in Wolfsburg 1:2 unterlag. Bei Gladbach fehlt Galasek mit einem Magen-Darm-Infekt, ihn ersetzt Paauwe. Dazu beginnt Levels für den beim 3:2 gegen Hannover indisponierten Dorda.

9.: Nach einem langen Ball ist Raffael über links auf und davon. Bailly verkürzt geschickt den Winkel und pariert mit dem Gesicht.

10.: Matmour flankt von links. Friend legt in der Mitte per Kopf auf Bradley ab. Drobny macht einen Schritt aus seinem Kasten und pariert den Schuss aus kurzer Distanz.

28., 1:0, Woronin: Cicero schlägt das Leder aus der eigenen Hälfte einfach mal in die Mitte. Die Innenverteidigung der Fohlen pennt und lässt Woronin einfach laufen. Der Ukrainer legt das Leder souverän am herausgeeilten Bailly vorbei - sein siebtes Saisontor.

34.: Was für ein Ei... Bailly schlägt beim Abschlag den Ball Friend an den Hinterkopf und produziert damit fast ein kurioses Eigentor.

44., 2:0, Dardai: Ebert täuscht einen Schuss an und steckt dann klasse zu Dardai durch. Der Ungar trifft aus zwölf Metern mit einem Flachschuss ins kurze Eck. Sein erstes Tor seit über zwei Jahren.

46.: Meyer lässt Matmour in der Kabine, bringt Neuville als zweiten Stürmer.

55.: Starker Ball von Bradley nach rechts, Rodnei pennt. Neuville ist durch, zieht aber nicht in die Mitte - sein Abschluss geht links daneben.

57.: Gladbach wieder über rechts, diesmal ist Stalteri völlig frei. Rückpass an den Elfmeterpunkt, dort vergibt Neuville erneut.

69., 2:1, Bradley (Elfmeter): Marin geht von links in den Strafraum, Friedrich grätscht, Marin hebt ab, Gagelmann pfeift. Zumindest fragwürdig. Bradley eiskalt, verwandelt flach in die Mitte.

84.: Überzahl für die Berliner im Gäste-Strafraum. Raffael scheitert fünf Meter vor dem Tor an Bailly. Das hätte die Entscheidung sein müssen.

86.: Marin zieht einen Freistoß aus halbrechter Position frech aufs kurze Eck. Drobny hat mit dem Schuss große Probleme, hält aber im Nachfassen.

90.+2: Domowtschiski alleine vor Bailly, vergibt die vorzeitige Entscheidung.

So lief das Spiel: Die Hertha von Beginn an spielbestimmend und mit mehr Ballbesitz, auch wenn sich Gladbach nicht versteckte. Paauwe spielte diesmal einen Libero vor der Abwehr, tat sich aber schwer, die Löcher zu stopfen.

Eines davon war der Wegbereiter zum 1:0, Woronin verwandelte gewohnt eiskalt. Gladbach anschließend bemühter, nach vorne zu spielen - allerdings ohne Durchschlagskraft. Die zweite Möglichkeit der Hausherren nutzte Dardai dann stark zum zweiten Treffer.

Nach dem Pausentee stellten die Gastgeber die Offensivbemühungen fast vollständig ein und ließen Gladbach - angetrieben vom starken Marin - ins Spiel zurück kommen. Der eingewechselte Neuville ließ zwei Chancen liegen, dann aber wurde die Borussia durch Gagelmanns Elfmeterpfiff für ihre engagierte Leistung belohnt. In der Schlussviertelstunde spielten nur noch die Gäste, brachten gegen defensive Berliner den Ball aber nicht über die Linie.

Der Star des Spiels: Andrej Woronin. Der Ukrainer ist in Abwesenheit von Marko Pantelic der Mann der Stunde und hält die Hertha mit seinen Toren weiter im Meisterschaftsrennen. Sein Tor zum 1:0 war fast eine Kopie des Siegtreffers gegen den FC Bayern vor zwei Wochen. Ansonsten war sich der 29-Jährige für keinen Zweikampf zu schade und gab erneut ein Bewerbungsschreiben für eine Weiterbeschäftigung in Berlin ab.

Die Gurke des Spiels: Rob Friend. Der Kanadier war ein einziger Fremdkörper im Gladbacher Spiel, holte sich kaum Bälle und war im Sturmzentrum unsichtbar. Gegen Simunic sah der Gladbacher Stürmer im ganzen Spiel kein Land.

Die Lehren des Spiels: Die Gäste spielten weiß Gott nicht schlecht, und dennoch ist es so banal: Will Gladbach den Abstieg vermeiden, darf man sich einfach nicht solche Blackouts wie beim 0:1 erlauben. Fehler gab es dabei in allen Mannschaftsteilen.

Cicero wurde an der Mittellinie nicht gestellt, das Mittelfeld hielt die Gasse offen, und zwischen den beiden Innenverteidigern hätte die Titanic durchgepasst. Woronin lief von links im Rücken von Stalteri und Gohouri ein und genau dort hin, wo eigentlich Daems hätte stehen müssen. Stand er aber nicht.

Meyer hatte Marin zuvor auf dem rechten Flügel aufgeboten, wahrscheinlich um Rodnei unter Druck zu setzen. Die Angriffe liefen dennoch meist über links, Marin wechselte nach 25 Minuten die Seite. Der kleine Dribbler war jedoch erneut zu oft auf sich alleine gestellt, alle anderen Offensivspieler fielen deutlich ab.

Die Hertha spielte hingegen sachlich und nüchtern ihr Pensum runter. Aus einem kompakten Mittelfeld, das dem Gegner viel Spielanteile lässt, geht es blitzschnell in die Spitze. Dass Berlin fast immer in Führung geht, macht das Spiel der Hauptstädter einfacher.

Kritikwürdig war lediglich die Leistung in der zweiten Halbzeit, als die Hertha zwischen der 45. und 70. Minute den Gegner ins Spiel zurückkommen ließ und selbst kein einziges Mal aufs Tor schoss. Am Ende reichte Berlin eine unterdurchschnittliche Leistung dennoch zum neunten Heimsieg in Folge.

Hertha - Gladbach: Daten und Fakten

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