Gespielte Naivität

Von Für SPOX in Bremen: Stefan Rommel
Montag, 02.03.2009 | 08:38 Uhr
Franck Ribery (r.) und Diego im Zweikampf: Furiose Anfangsviertelstunde des FC Bayern
© Getty
Advertisement
World Cup
Brasilien -
Costa Rica (Highlights)
World Cup
Nigeria -
Island (Highlights)
World Cup
Serbien -
Schweiz (Highlights)
World Cup
Belgien -
Tunesien (Highlights)
World Cup
Südkorea -
Mexiko (Highlights)
World Cup
Deutschland -
Schweden (Highlights)
World Cup
England -
Panama (Highlights)
World Cup
Japan -
Senegal (Highlights)
World Cup
Polen -
Kolumbien (Highlights)
World Cup
Saudi-Arabien -
Ägypten (Highlights)
World Cup
Uruguay -
Russland (Highlights)
World Cup
Spanien -
Marokko (Highlights)
World Cup
Iran -
Portugal (Highlights)
World Cup
Australien -
Peru (Highlights)
World Cup
Dänemark -
Frankreich (Highlights)
World Cup
Nigeria -
Argentinien (Highlights)
World Cup
Island -
Kroatien (Highlights)
J2 League
Fagiano -
Tokyo Verdy
World Cup
Südkorea -
Deutschland (Highlights)
World Cup
Mexiko -
Schweden (Highlights)
World Cup
Schweiz -
Costa Rica (Highlights)
World Cup
Serbien -
Brasilien (Highlights)
World Cup
Senegal -
Kolumbien (Highlights)
World Cup
Japan -
Polen (Highlights)
World Cup
Panama -
Tunesien (Highlights)
World Cup
England -
Belgien (Highlights)

Das 0:0 von Bremen bringt die Bayern keinen Schritt näher an die Spitze. Im Gegenteil. Und dennoch scheint für die Verantwortlichen alles in Ordnung. Nur der Kaiser grantelt.

Man hätte es Jürgen Klinsmann als Zugeständnis auslegen können. Bayerns Mannschaftsaufstellung vor dem Spiel bei Werder Bremen bot nur einen gelernten Stürmer auf, den Nationalspieler Miroslav Klose.

Der FC Bayern München mit nur einem Angreifer? In diesen Tagen wurde viel darüber diskutiert, was denn nun die richtige Taktik und Spielausrichtung für den Rekordmeister in der Ära Klinsmann sei, oder besser: Wer denn nun welche Vorgaben zu entscheiden habe.

Nichts zu sehen vom Angsthasen-Konzept

Es hätte dem Offensivfanatiker Klinsmann also durchaus als Einlenken zu einem vorsichtigeren Spiel interpretiert werden können, hätte seine Mannschaft nicht eine dermaßen furiose Anfangsviertelstunde hingelegt. Vom angeblichen Angsthasen-Konzept war da nämlich nichts zu sehen, ganz im Gegenteil: Die Bayern attackierten ihren Gegner früh und provozierten Ballverlust auf Ballverlust.

Und da auch die Bremer das ein oder andere Mal gefährlich vor dem Münchener Gehäuse auftauchten, sahen die 42.100 Zuschauer ein schwungvolles Spiel - das der Brasilianer Naldo mit einem harten Einsteigen gegen Bastian Schweinsteiger jäh beendete.

Die aus der Notbremse resultierende Rote Karte für den Bremer Innenverteidiger raubte in erster Instanz den Gastgebern neben einem Spieler auch die Lust am Offensivspiel. Und in zweiter Linie den Bayern einen äußerst dankbaren Kontrahenten.

Denn jetzt sah sich Klinsmanns Mannschaft wieder jenen Begebenheiten ausgesetzt, die sie aus ihren Heimspielen nur zur Genüge kennt: Ein destruktiver Gegner nahm ihnen die Luft zum Atmen, und die Quelle hochkarätiger Chancen versiegte fast im Handumdrehen.

Nach der Pause kommt Klinsmanns Plan A

Auf die neue Situation fand sein Team keine adäquate Lösung. Klinsmann reagierte zur Pause und wandte seinen Plan A an, mit dem Franzosen Franck Ribery auf seiner Position im linken Mittelfeld und Lukas Podolski an der Seite von Klose als zweitem Stürmer.

Das Ergebnis: Das Spiel über die linke Seite sah Verteidiger Ze Roberto als Spielgestalter vor und Franck Ribery als einzige Waffe in einem starren und reichlich uninspirierten Konzept. Über rechts endeten fast alle Angriffe mit einer lustlosen Flanke aus dem Halbfeld von Massimo Oddo.

Von den beiden Innenverteidigern und den zentralen Mittelfeldspielern kam im Spielaufbau so gut wie gar nichts.

So konnten die Bayern das Tempo nicht hoch halten, während sich Werder tief in der eigenen Hälfte einigelte - wohlwissend, dass der Schlüssel zu zumindest einem Punkt auf der eigenen rechten Seite zu finden war, auf der sich der zuletzt schwache Clemens Fritz immer besser auf Ribery einstellen konnte.

"Kein schlechtes Ergebnis"

Am Ende stand ein hell erleuchtetes 0:0 auf der Anzeigetafel, in einem Spiel, das das langweiligste aller Fußballergebnisse wahrlich nicht verdient hatte. Grämen mussten sich nach dem Spiel eigentlich nur die Münchener. Doch bei denen schien alles in bester Ordnung.

"Natürlich hätten wir gern einen Dreier mitgenommen, aber mit dem 0:0 nach Hause zu fahren, ist kein schlechtes Ergebnis. Auch wenn es nur ein kleiner Schritt ist. Es ist wichtig, dass wir mit einem Punkt hier wegfahren", sagte Klinsmann und es hatte den Anschein, als habe ihn noch niemand über den Vier-Punkte-Rückstand auf Spitzenreiter Hertha BSC Berlin aufgeklärt.

Nun sind vier Zähler nicht die Welt. Wenn man sich aber die Rückrunden-Bilanz von eben genau vier Punkten aus fünf Spielen vor Augen führt und die Tatsache, dass die Bayern zum Ende der Hinrunde punktgleich mit dem damaligen Tabellenführer 1899 Hoffenheim lagen, sollten die Münchener doch ins Grübeln geraten.

Hoeneß erstaunlich gelassen

Auch Manager Uli Hoeneß bleibt erstaunlich gelassen, weil er zwei der vier Klubs, die vor den Bayern stehen, nicht so recht als echte Konkurrenz im Titelkampf sieht. Er möchte die Hertha nun erstmal gegen die starken Vereine spielen sehen und Wolfsburg, nun ja, da könnte ja jeder kommen. Der VfB Stuttgart zum Beispiel. "Wenn der VfB jetzt noch ein paar Spiele gewinnt, sind die auch noch mit dabei?", fragte er etwas spöttisch.

Die Bayern strahlen in Nuancen die ihnen eigene Arroganz aus - die, die sie immer stark machte. Dabei ist diese im Moment gar nicht angebracht. Denn ganz offenbar lassen sich die Münchener sehr von der Tatsache blenden, dass keiner der potenziellen Konkurrenten einen richtigen Lauf hinlegt.

Ganz im Gegenteil: Der Rekordmeister traut sich das selbst noch am ehesten zu. Das allerdings schon seit fünf Spieltagen. Herausgekommen ist dabei bisher noch gar nichts. So lassen sich die Bayern in einer recht anmaßenden Art und Weise von dem Schneckenrennen, an dem sie selbst teilnehmen, belügen. Es manifestiert sich eine gespielte Naivität, die die Probleme übertünchen soll und der sich die handelnden Personen verschrieben haben.

Nur der Kaiser nennt die Dinge beim Namen

Bis auf den Kaiser. Franz Beckenbauer nannte während und nach dem Spiel im Weserstadion die Dinge beim Namen war bei seiner Kritik nicht zimperlich. "Was mir aufstößt, ist, dass man bei uns immer noch nicht der Meinung ist: Jetzt wird es höchste Zeit. Erfolg kann man ja auch erzwingen. Heute hat man ihn nicht erzwungen. Ich hoffe, dass sich das ändert - und zwar bald", sagte Beckenbauer bei Premiere.

"Der Punkteabstand bleibt, aber die Spiele werden immer weniger. Das ist eine gefährliche Situation, man muss jetzt selber die Punkte sammeln, und nicht immer herschenken."

Was in der Champions League vorzüglich klappt, endet in der Bundesliga oft in mittelschweren Enttäuschungen. "Dass so viele Mannschaften im Titelkampf dabei sind, ist eine tolle Sache für die Bundesliga", sagte Klinsmann in einer für Bayern-Verhältnisse ungewohnten Selbstlosigkeit - und bekam doch noch den angemessenen Schlenker hin.

"Aber natürlich würden wir gern ein paar Plätze weiter oben stehen."

Bremen - Bayern: Daten & Fakten

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung