Bundesliga - 18. Spieltag

Bayer verschläft den Sieg

Von Stefan Moser / Daniel Börlein
Samstag, 31.01.2009 | 17:20 Uhr
Nicht ganz sauber! Bayer-Keeper Rene Adler fährt Dortmund-Stürmer Alex Frei in die Parade
© Getty
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Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen haben sich zum Auftakt in die Rückrunde am Samstag mit einen insgesamt gerechten 1:1 (1:0) getrennt. Für Aufregung sorgte abseits des Platzes die Nachricht, dass Toni Kroos vom FC Bayern München an Leverkusen ausgeliehen wird.

Vor 77.000 Zuschauern im Dortmunder Signal Iduna Park erzielte Alexander Frei in der 36. Minute die Führung für den BVB. Begünstigt wurde der Treffer von einem schweren Fehler von Bayer-Verteidiger Lukas Sinkiewicz, der den Ball im eigenen Strafraum vertändelte.

Den verdienten Ausgleich markierte Patrick Helmes (63.) nach starker Vorarbeit von Tranquillo Barnetta. Damit bleibt Dortmund in dieser Saison vor eigenem Publikum weiter ungeschlagen.

Die eigentliche Schlagzeile aber entstand abseits des Spielfelds: Der FC Bayern bestätigte, dass Toni Kroos mit sofortiger Wirkung auf Leihbasis von München nach Leverkusen wechselt. Der 19-Jährige soll für eineinhalb Jahre die Werkself verstärken und Spielpraxis sammeln.

SPOX-Spielfilm:

6.: Owomoyela verliert den Ball zu einfach in der eigenen Hälfte. Helmes fackelt nicht lange: Schuss auf 20 Metern. Weidenfeller mit den Fäusten dran.

15.: Augusto flankt nach innen, Weidenfeller klatscht den Ball genau vor die Füße von Helmes, der die Kugel aus sechs Metern nicht voll trifft. Wenn er ihn trifft, ist er wohl drin!

18.: Langer Ball von Tinga auf Frei. Adler kommt aus seinem Tor, Frei vor ihm an den Ball. Adler trifft den Schweizer am Knöchel, doch Schiri Meyer lässt weiterspielen. Knifflig!

29.: Gute Flanke von Tinga von rechts. Halbhoch kommt der Ball scharf an den Fünfer. Adler zögert kurz - und Friedrich klärt per Flugkopfball.

36., 1:0, Frei! Owomoyela verliert den Ball an Kadlec, setzt dann aber nach. Der Ball prallt zu Sinkiewicz, der die Kugel von der Grundlinie Richtung Strafraum-Mitte führt. Owomoyela stochert dazwischen und bringt den Ball genau vors Tor, wo Frei die Kugel aus sechs Metern per Flugkopfball über die Linie drückt. Schlimmer Lapsus von Sinkiewicz.

49.: Freistoßflanke von rechts durch Kadlec. Kießling steigt in der Mitte am höchsten und köpft den Ball aus fünf Metern an die Latte!

57.: Weite Flanke von rechts auf den zweiten Pfosten. Frei überspringt Castro, doch Adler lenkt den Kopfballaufsetzer über die Latte.

63., 1-1, Helmes! Barnetta vernascht Owomoyela auf links und legt dann von der Grundlinie auf Helmes zurück. Der steht am Elfmeterpunkt völlig frei und knipst den Ball mit der Innenseite in die rechte Ecke.

73.: Kießling steckt auf links auf Barnetta durch, der die Pille aber aus 13 Metern über den Winkel schlenzt.

80.: Klasse Freistoßvariante von Bayer. Kadlec steckt auf Barnetta durch, der scharf nach innen flankt. Und unfassbar: Rolfes kann den Ball aus einem Meter nicht über die Linie drücken!!!

So lief das Spiel: Ausgeglichene Anfangsphase mit intensiven Zweikämpfen im Mittefeld. Im Spiel nach vorne fand Bayer zuerst den Rhythmus und kontrollierte die Partie, während sich Dortmund eher auf Konter und Standartsituationen beschränkte. Spielerisch eine mäßige erste Hälfte mit kaum zwingenden Chancen. Die Führung für den BVB entstand entsprechend eher zufällig, nach einem schweren Patzer von Sinkiewcz. Danach verlor Leverkusen den Faden, und Dortmund dominierte mit physischer Präsenz.

Nach dem Seitenwechsel übernahm erneut Leverkusen das Kommando, erhöhte das Tempo und den Druck. Dortmund aber konterte durchaus gefällig. Zwar war weiterhin viel Hektik im Spiel, doch es entwickelte sich eine ansehnliche und offene Partie, in der Leverkusen verdient den Ausgleich erzielte und auch in der Endphase weiter die besseren Chancen hatte.

Star des Spiels: Patrick Owomoyela. Er steht sinnbildlich für das Quäntchen mehr an Einsatz, Leidenschaft und Zweikampfhärte, mit dem Dortmund die spielerische Überlegenheit der Leverkusener ausgleichen konnte. Mit viel Willen bereitete er die Führung vor und klärte einmal für den geschlagenen Weiderfeller auf der Linie. Er steht allerdings auch sinnbildlich für die spielerischen Defizite der Dortmunder: Verlor sich in der Vorwärtsbewegung oft in Aktionismus. Auch vor dem Gegentreffer sah er im Zweikampf gegen Barnetta doch ziemlich hilflos aus.

Gurke des Spiels: Der Rasen im Signal Iduna Park: Ein richtig fieser Acker und sicher mit ein Grund, warum die Partie spielerisch nun wirklich kein Hingucker war. Vor allem Bayers Kombinationsspiel mit schnellen, flachen Bällen litt doch erheblich unter den schlechten Bodenverhältnissen.

Lehren des Spiels: BVB-Trainer Jürgen Klopp stellte in der Winterpause seine Mittelfeldformation auf eine klassische Raute um. Mit Tinga auf der Sechs und Kringe und Neuzugang Boateng auf den Halbpositionen hat er dafür auch die richtigen Spielertypen. Vor allem die defensive Organisation sah - wie schon über weite Strecken im Pokalspiel gegen Bremen - bereits sehr gut aus. Ernstere Probleme hatte Dortmund eigentlich nur, wenn Leverkusen das Tempo deutlich anzog.

Im Spiel nach vorne konnte Nuri Sahin den gesperrten Tamas Hajnal allerdings nicht ersetzen. Im Aufbau fehlte es den Dortmundern doch an Ideen. Auch Boateng merkt man die fehlende Spielpraxis noch deutlich an. Wenn er allerdings seinen Rhythmus findet und sich weiterhin so diszipliniert in den Dienst der Mannschaft stellt, könnte er für den BVB zum Glücksgriff werden.

Taktisch ist Bayer Leverkusen wohl auch nach der Winterpause State of the Art in der Bundesliga. Keine Mannschaft verteidigt so aktiv und offensiv, kein Team steht derart kompakt und verkürzt so geschickt das Spielfeld.

Vor allem in der ersten Hälfte aber wirkte die Elf von Bruno Labbadia doch leicht entnervt von den Bodenverhältnissen und der bissigen Spielweise der Dortmunder.Um auf Dauer zur Ligaspitze zu zählen, muss Bayer lernen, auch physisch an die Schmerzgrenze zu gehen - und vor allem: die Torchancen besser zu nutzen. Wie schön und effektiv die Werkself Fußball spielen kann, zeigte dafür der sehenswerte Angriff, der zum 1:1 führte.

Daten und Fakten zum Spiel

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