Hannover zittert sich zum Sieg

Von Jochen Tittmar / Holger Messner
Samstag, 29.11.2008 | 17:45 Uhr
Endlich wieder ein Sieg für Hannover: Rausch und Huszti jubeln mit Hanke
© Getty
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Hannover 96 hat am 15. Spieltag nach drei sieglosen Spielen wieder einen dreifachen Punktgewinn in der Bundesliga eingefahren und schlug den Karlsruher SC nach einer hervorragenden ersten Halbzeit mit 3:2 (3:0).

Ein Doppelschlag von Mike Hanke (12., 18.) brachte die Hausherren auf die Siegesstraße. Kurz vor dem Halbzeitpfiff erzielte Mikael Forssell die Vorentscheidung. Der KSC zeigte sich im zweiten Abschnitt deutlich verbessert, doch nach Antonio da Silvas Elfmetertor (48.) kam der Anschlusstreffer durch Lars Stindl (87.) zu spät.

Karlsruhe rutscht nach der fünften Auswärtspleite in Folge auf den letzten Tabellenplatz ab und musste jetzt schon elf Niederlagen schlucken - Liganegativwert. Hannover bleibt zu Hause eine Macht und verlor vor eigenem Publikum nur eine der letzten 14 Partien.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: 96-Coach Dieter Hecking nimmt zwei Änderungen vor: Eggimann und B. Schulz auf die Bank, Yankow und Forssell rein. Der Finne läuft neben Hanke als zweite Spitze auf, aus dem 4-2-3-1 wird ein klassisches 4-4-2. Auch KSC-Trainer Ede Becker tauscht zwei Spieler aus und lässt erstmals in der Bundesliga mit zwei Angreifern (Kapllani und Freis) spielen. Stindl und Staffeldt spielen für Aduobe (Muskelfaserriss) und Iaschwili.

4.: da Silva hat die erste Chance mit einem Freistoß aus knapp 20 Metern, aber der Ball geht über den Kasten von Fromlowitz.

12., 1:0, Hanke: Staffeldt verliert den Ball in der Vorwärtsbewegung an Balitsch. Der schickt Hanke auf die Reise, der allein vor Miller lässig einschiebt.

18., 2:0, Hanke: Langer Ball auf Huszti, der per Kopf zu Hanke verlängert. Eichner und Sebastian schlafen und stehen zu weit weg. Hanke trifft per Spannschuss aus neun Metern.

27.: Eckball da Silva, Kopfball Kapllani aus vier Metern. Yankov klärt auf der Linie.

31.: Nach einer Huszti-Ecke ist Balitsch am kurzen Eck zur Stelle und köpft. Miller ist aber zur Stelle und lenkt den Ball über die Latte.

33.: Huszti zieht von rechts in den Strafraum und zieht ab - Pfosten. Glück für den KSC.

44., 3:0, Forssell: Bruggink beweist gutes Auge und legt den Ball von der Grundlinie auf Forssell zurück. Der Finne muss den Ball nur noch einschieben.

48., 3:1, da Silva: Fahrenhorst mäht Mutzel im Strafraum um, da Silva versenkt den Elfer locker im rechten Eck.

55.: Stindl köpft nach einer herrlichen Flanke von links gefährlich aufs Tor, aber der Ball geht knapp am linken Kreuzeck vorbei.

71.: Stindl trifft das Außennetz, nachdem ihm der Ball nach einem missglückten Klärungsversuch der Hannoveraner im Strafraum vor die Füße fällt.

74.: da Silva knallt aus zehn Metern volley drauf, Fahrenhorst klärt auf der Linie.

87., 3:2, Stindl: Kennedy gewinnt das entscheidende Kopfballduell gegen Fahrenhorst und legt den Ball perfekt für Stindl vor. Der schiebt den Ball durch die Hosenträger von Fromlowitz ein.

91.: Riesenchance für den KSC: Kennedy bringt den Ball brandgefährlich mit der Schulter aufs Tor. Fromlowitz ist aber zur Stelle und klärt mit seiner wohl besten Parade des Tages.

So lief das Spiel: Verhaltener Spielbeginn, der KSC etwas agiler, aber beide Teams im Spiel nach vorne zu statisch. Aus dem Nichts dann die frühe Zwei-Tore-Führung für Hannover, die die mangelnde Eingespieltheit der KSC-Abwehr offenbarte. Die Badener in der Folge kurz verunsichert, dann aber mit einigen brauchbaren Offensivaktionen, auch weil Hannover das Mittelfeld kurzzeitig zu leicht preis gab. 96 dann wieder kompakter, aggressiver und zielstrebiger. Daraus resultierten zwei gute Chancen und die Vorentscheidung. 

Im zweiten Durchgang ließ 96 in allen Mannschaftsteilen die Zügel schleifen und reagierte nur noch. Der KSC nach dem Elfmetertor plötzlich präsent, besonders aus dem Mittelfeld kamen endlich durchdachte Impulse. Die aufgerückten Karlsruher eröffneten Hannover einige Kontermöglichkeiten, die aber nicht konsequent zu Ende gespielt wurden.

In der Folge beinahe ein Spiel auf ein Tor, da sich die Hintermannschaft der Niedersachsen völlig orientierungslos zeigte. Der KSC konnte trotz guter Gelegenheiten kein Kapital daraus schlagen, da beim Torabschluss entweder Ruhe oder schlichtweg die Klasse fehlt.

Star des Spiels: Mike Hanke. Erst das vierte Spiel in der Anfangsformation für den Ex-Schalker. Bewegte sich viel, rackerte, verrichtete auch Defensivarbeit und stellte die schwache KSC-Verteidigung vor große Probleme. Belohnte sich mit seinen Saisontoren eins und zwei.

Gurke des Spiels: Die beiden Abwehrreihen, jede eine Halbzeit lang. Im ersten Durchgang präsentierte sich die KSC-Verteidigung vogelwild: Null Abstimmung, kein produktiver Spielaufbau, mangelnde Aggressivität in den entscheidenden Zweikämpfen - so fing man sich wie schon gegen Leverkusen drei Gegentore und lief relativ schnell der Musik hinterher.

Im zweiten Abschnitt nahm sich die 96-Hintermannschaft ein Beispiel daran und ließ jegliche Kompaktheit, die sie noch in der ersten Halbzeit auszeichnete, vermissen. Einziger Lichtblick: Sie fingen sich nur zwei Gegentore ein.

Lehren des Spiels: Bei Karlsruhe geht zur Zeit gar nichts - zumindest wenn man die erste Halbzeit nimmt. Ohne den verletzten Maik Franz fehlt dem gesamten Team scheinbar der Biss, der Leader, der Tonangeber. Die Abwehr offenbart eklatante Abstimmungsprobleme, dem Mittelfeld fehlt es an Kreativität, Kompaktheit und Spielwitz.

So hingen die erstmals aufgebotenen zwei Spitzen völlig in der Luft und rieben sich in unproduktiven Zweikämpfen auf. Im zweiten Abschnitt kurbelte vor allem das Mittelfeld das Spiel an, setzte konsequent die Außen ein und drückte Hannover in die eigene Hälfte. Vor dem Tor haben die Badener aber entweder kein Glück oder scheitern am eigenen Unvermögen.

Hannover kommt dagegen mit dem System mit zwei Angreifern deutlich besser zurecht und knackte damit die verunsicherte Karlsruher Abwehrreihe ein ums andere Mal. Die 96-Mittelfeldreihe zeigte sich formverbessert, setzte den KSC ständig unter Druck und forcierte das Flügelspiel. So wurde das Spielfeld breiter, es bot sich mehr Platz, in den auch die Außenverteidiger immer wieder gewinnbringend stoßen konnten.

Was sich aber im zweiten Durchschnitt abspielte, lässt sich schwer erklären. Im Gefühl des sicheren Sieges stellte 96 den Spielbetrieb fast vollständig ein und ließ dem Gegner in den Zweikämpfen zu viel Platz. Durch die Ausfälle etlicher Leistungsträger fehlt dem Team die Eingespieltheit und Sicherheit, ein solches Spiel dominant nach Hause zu bringen.

Daten und Fakten zum Spiel

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