Stuttgart in der Krise

Stagnation als Markenzeichen

Von Stefan Rommel
Samstag, 22.11.2008 | 22:47 Uhr
Armin Veh ist seit Februar 2006 Trainer beim VfB Stuttgart
© Getty
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Die Krise hat den VfB Stuttgart fest im Griff. Die Saisonziele sind schon nach 14 Spieltagen in ernster Gefahr. Neben der Mannschaft stehen auch Trainer Armin Veh und Sportdirektor Horst Heldt unter Druck.

In der Bundesliga sind bisher ja erst 14 Spieltage gespielt. Nicht nur emsige Tüftler finden schnell heraus, dass die Saison noch nicht einmal bei der Hälfte angelangt ist und dass noch 20 Runden zu absolvieren sind.

Saison schon fast gelaufen?

Das entspricht 60 Punkten, die noch zu vergeben sind. Eine ganze Menge, letzte Saison reichten 60 Punkte locker für einen der begehrten Plätze im UEFA-Cup.

Es sollte eine beruhigende Gewissheit für alle Anwärter sein, dass die Saison lang und nach 14 Spieltagen noch nichts verloren ist. Auch für den VfB Stuttgart gilt diese Feststellung: Es ist noch alles drin

Nur ist Fußball weit mehr als reine Mathematik, nicht nur Karl-Heinz Rummenigge weiß das. Und wenn man sich den derzeitigen Lauf des VfB anschaut, wird man das Gefühl nicht los, dass die Bundesliga-Saison für die Schwaben schon jetzt so gut wie beendet zu sein scheint.

Meistermacher unter Druck

Ein Platz im internationalen Geschäft sollte es mindestens sein. Nur steht Stuttgart momentan mit 18 Punkten nur auf Rang elf, Tendenz fallend. Beim VfB bahnt sich eine bedenkliche Entwicklung ihren Weg, sie ist so bedenklich, dass die beiden gefeierten Meistermacher inzwischen unter Generalverdacht stehen.

Armin Veh und Horst Heldt stehen in der Verantwortung und mehr noch in der als verkorkst abgestempelten letzten Saison weht ihnen ein eisiger Novemberwind mitten ins Gesicht.

Die 1:4-Klatsche in Wolfsburg war das fünfte Spiel in Folge ohne Sieg und es formulierte die bittere Gewissheit, dass der VfB auf sehr, sehr lange Zeit in der Grauzone der Tabelle stecken bleiben wird.

Sinnbild für die Saison

Vor dem Spiel in Wolfsburg versuchte es Trainer Veh mit der verbalen Keule, forderte von seinen Spielern "Arsch in der Hose".

Genutzt hat es nichts, der Arbeitstag endete mit einer erneuten herben Enttäuschung - am Ende wurden die Schwaben von Wolfsburg sogar regelrecht gedemütigt.

"Dieser Spielverlauf ist sinnbildlich für unsere momentane Situation, weil wir nach den Gegentoren nicht mehr ins Spiel zurückgefunden haben", sagte Thomas Hitzlsperger. Das Formtief entwickelt sich so langsam zur Charakterfrage - und bisher konnte die Mannschaft diese nicht beantworten.

"Keine Jugendmannschaft"

Insgesamt zwölf Nationalspieler beschäftigt der VfB Stuttgart, sind alle fit, besteht die Startelf nur aus Internationalen. Doch gerade sie sind es, die Veh derzeit so enttäuschen. "Wir haben schließlich keine Jugendmannschaft auf dem Platz stehen, sondern genug erfahrene und Nationalspieler in unseren Reihen. Von denen verlange ich mehr. Sie haben eine Verantwortung für den Klub."

Dass er, Veh, so viele erfahrene Spieler sein Eigen nennen darf, liegt an der eigenwilligen Transferpolitik der Schwaben. Seit dem Meistertitel 2007 kam von Bastürk bis Simak fast eine komplette Mannschaft - durchgesetzt hat sich bis auf Oldie Jens Lehmann bisher kein einziger.

Ein Armutszeugnis, das jetzt auch als solches erkannt wird. "Der entscheidende Fehler waren die Verpflichtungen nach der Meisterschaft 2007. Horst Heldt, Jochen Schneider und ich haben nicht die richtigen Leute geholt. Dafür bluten wir jetzt alle zusammen", sagte Veh schon vor der Partie in Wolfsburg.

Verschwiegen hatte er dabei aber auch, dass seine Zukäufe im Sommer 2008 nicht sehr viel glücklicher waren. Hier ist neben Veh auch Sportdirektor Heldt unter Beschuss.

Keine Weiterentwicklung der Spieler

Die verfehlte Personalpolitik ist aber nur die halbe Wahrheit der Stuttgarter Misere. Die andere liegt in der Stagnation der Leistungsträger. Spieler wie Thomas Hitzlsperger oder Roberto Hilbert entwickeln sich nicht weiter.

Veh hat einige zu Nationalspielern geformt. Jetzt verpasst er es aber, seine Spieler kontinuierlich nach vorne zu bringen. Aus dem vorhandenen Spielermaterial holt Veh nicht genug heraus. So wird der Stillstand des Einzelnen auch zum Stillstand der gesamten Mannschaft.

Vom UEFA-Cup spricht im Moment niemand mehr. Der Blick der Schwaben richtet sich jetzt nach unten. "Wir müssen jetzt schon aufpassen, dass wir nicht noch weiter abrutschen", sagte Veh.

"Wir haben jetzt noch drei Spiele, da müssen wir mindestens sechs Punkte holen." Leicht wird das nicht. Unter den Gegner lauern Großkaliber wie die Bayern und Schalke 04.

 

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