Schalke beendet Durststrecke

Altintop sticht Kuranyi aus

SID
Samstag, 22.11.2008 | 21:07 Uhr
Kevin Kuranyi setzt sich gegen Filip Daems durch. Das Tor trifft er jedoch auch hier nicht.
© Getty
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Trotz des souveränen 3:1-Heimsieges gegen Borussia Mönchengladbach ist bei Schalke 04 die Welt nicht in Ordnung. Zu eklatant war die Abschlussschwäche, die der eigentliche Sturmführer einmal mehr demonstrierte.

Gellende Pfiffe begleiteten Kevin Kuranyi in den Feierabend. Dennoch durfte der umstrittene Torjäger von Schalke 04 am Ende eines unbefriedigenden Arbeitstages jubeln - weil sein Sturmkollege Halil Altintop seine Aufgabe übernommen hatte.

Die ersten Bundesliga-Tore des Türken nach 1007 Minuten ohne Treffer bescherten Schalke 04 nicht nur den dringend benötigten 3:1 (3:1)-Sieg gegen Borussia Möchengladbach und ein Ende des steilen Abwärtstrends, sondern auch Entlastung für den schwächelnden Kuranyi.

Kuranyi dem Druck nicht gewachsen?

"Wenn einer nicht trifft, trifft mal ein anderer wie Halil", stellte Trainer Fred Rutten nach dem ersten Bundesliga-Heimsieg seit über zwei Monaten mit großer Erleichterung fest: "Wir können nicht alles auf die Schultern von Kevin legen."

Der aus der Nationalmannschaft geflüchtete Stürmer war diesem Druck zuletzt nicht gewachsen. Mit vier Toren in sechs Spielen hatte Kuranyi die Schalker Offensivausbeute in den vergangenen Wochen zwar fast alleine erzielt.

Wenn er aber - wie beim 1:2 vor einer Woche bei Bayer Leverkusen - Großchancen ausließ, traf auch kein anderer. Gegen Gladbach sprang vor allem Altintop in bester Torjägermanier in die Bresche.

"Natürlich will man als Stürmer so viele Tore schießen wie möglich", sagte der Türke nach seinem ersten Bundesliga-Doppelpack seit dem 11. November 2006 (beim 4:0 gegen Mainz 05). "Aber ich habe jetzt eine andere Rolle", erklärte der 25-Jährige, der von Rutten als Flügelstürmer eingesetzt wird.

Altintop immer noch Torjäger

Dass er die Qualitäten, die ihm in der Saison 2005/06 zu 20 Toren für den 1. FC Kaiserslautern verhalfen, nicht verloren hat, bewies er mit seinen ersten Bundesliga-Treffern seit dem 3. Mai (1:1 gegen Hannover 96).

Beim 1:0 (17.) profitierte er bezeichnenderweise davon, dass sein Sturmpartner den Ball gar nicht berührte: Kuranyi ließ einen Pass von Ivan Rakitic passieren - seine beste Aktion in einem Spiel, in dem ihm am Ball wenig gelang.

Beim entscheidenden 3:1 (45.) nutzte Altintop einen Traumpass von Orlando Engelaar, der aufblitzen ließ, warum Schalke 5,5 Millionen Euro für ihn ausgegeben hatte.

Dazwischen lagen ein verwandelter Foulelfmeter des dritten Stürmers Jefferson Farfan (23.), dessen Leistungskurve deutlich nach oben zeigt, und der Anschlusstreffer des einzigen Gladbacher Angreifers Rob Friend (30.).

Geduld der Zuschauer strapaziert

Davor und danach trieb Kuranyi die meisten der 61.673 Zuschauer zur Weißglut, als er die beiden größten Torchancen des Spiels kläglich vergab: nach einem Freistoß von Christian Pander (3.) ebenso aus Nahdistanz wie nach einem genialen Zuspiel von Farfan (59.).

"Ich weiß auch nicht, was ich sagen soll", meinte Kuranyi ratlos. Altintop sprang ihm immerhin auch nach dem Schlusspfiff zur Seite.

"Er ist unser Torjäger. Wir brauchen ihn nicht aufzubauen, er hat schon viel für uns geleistet", sagte der Türke, der die Pfiffe gegen seinen Sturmkollegen bei dessen Auswechslung (74.) nicht verstehen konnte: "Das wundert mich immer wieder. Aber es gehört nunmal zu Schalke."

Gladbachs Abwehr stümperhaft

Auf die Pfiffe der Schalker Fans hatte Hans Meyer schon früher gesetzt. Doch seinen Plan, lange ein 0:0 zu halten, um den königsblauen Anhang gegen das eigene Team aufzubringen, machten stümperhafte Abwehrfehler zunichte. "Was wir zugelassen haben, war eine Aufforderung zum Toreschießen", meinte der Gladbacher Trainer.

Immerhin registrierte der Bundesliga-Rückkehrer, der auch sein zehntes Spiel gegen Schalke nicht gewann (drei Remis, sieben Niederlagen), Erfreuliches in der Offensive. Vor allem der Ex-Schalker Alexander Baumjohann und Nationalspieler Marko Marin sorgten für Gefahr.

Und so konnte Meyer am Ende mit einem Schmunzeln seiner Hoffnung Ausdruck geben, "dass das 1:3 auf Schalke nicht unseren Abstieg besiegelt hat".

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