Bundesliga: Bayern vergeigt zwei Punkte in Gladbach

Mir san mir? Von wegen!

Von Florian Bogner / Markus Hoffmann
Bayern-Manager Uli Hoeneß nahm das 2:2 in Gladbach mit versteinerter Miene wahr
© Getty
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Verbal war der FC Bayern München zuletzt schon auf Augenhöhe mit der Bundesliga-Spitze. Auf dem Platz ist er es noch nicht. Beim 2:2 bei Borussia Mönchengladbach wurde einmal mehr deutlich, dass es sich der Rekordmeister angesichts eklatanter Abwehraussetzer einfach nicht leisten kann, zwei Gänge rauszunehmen.

Karl-Heinz Rummenigge brachte auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern unlängst ein biblisches Zitat, um den Lokalrivalen TSV 1860 München mal wieder frotzelnd zu diffamieren.

"Wissen Sie, wann 1860 erstmals geschichtlich erwähnt wurde?", fragte der Bayern-Boss vor acht Tagen in die Runde, und gab die Antwort sogleich: "Das war im alten Testament. Da stand: Sie trugen eigenartige Gewänder und irrten planlos umher."

Vom Schenkelklopfer zum Treppenwitz wurde dieser Satz allerdings erst am Samstag in Mönchengladbach, wo sich zwischen der 78. und 81. Minute Szenen abspielten, die das Rummenigge-Zitat zu einem famosen verbalen Eigentor machten.

"Laufen wie wild durch die Gegend"

Seine Bayern - eigenartig in blau gekleidet - schafften es im Borussia-Park nämlich bereits zum dritten Mal in dieser Saison einen Zwei-Tore-Vorsprung in aberwitzig kurzer Zeit aus der Hand zu geben und am Ende nur mit einem Punkt dazustehen.

"Da laufen wir wie wild durch die Gegend", beschrieb Miroslav Klose die Minuten nach dem 1:2-Anschlusstreffer der Borussia, der den Bayern einmal mehr in Sekundenbruchteilen jegliche Grundordnung entzog, treffend.

Fünf Bundesliga-Siege in Folge hatten zuvor die gute alte "mir san mir"-Mentalität der Bayern ans Tageslicht gefördert. Diese oftmals als Arroganz ausgelegte Eigenschaft, Erfolg als natürliches Zubrot von souveränem Auftreten anzusehen, war der Grundton der Bayern-Aussagen der letzten Wochen gewesen. Auf dem Platz hielten die Bayern allerdings nur ansatzweise das, was verbal vorgegeben wurde.

Lahm moniert nachlassende Konzentration

Nach 18 Gegentoren in zwölf Bundesliga-Spielen hätte man ahnen können, dass die Defensive auch gegen scheinbar mausetote Gladbacher in der Schlussviertelstunde noch in Bedrängnis kommen kann.

Und spätestens nach dem 1:2 hätte es den Spielern dämmern müssen, dass zwei Gänge runterzuschalten im klinsmann'schen Zeitalter gerne nach hinten los geht. Und doch stand es am Ende in Gladbach 2:2.

"Wir führen 2:1 und spielen am eigenen Sechzehner in Unterzahl, das geht nicht", motzte Philipp Lahm hinterher und tat sich damit leicht, stand er nach seiner Auswechslung in der 68. Minute doch nicht mehr auf dem Feld. Aus der Ferne mutmaßte er: "Ich glaube, es war nachlassende Konzentration. Wir waren uns vielleicht zu sicher."

Klose packte lieber Fakten auf den Tisch: "Fakt ist, dass wir uns bei einer Führung oft schwer tun. Und wenn dann der Anschlusstreffer fällt, sind wir verunsichert und halten unser Konzept nicht mehr ein."

In Zukunft müsse man sich gefälligst "besser organisieren und so schnell wie möglich wieder die Ordnung finden, so dass der Gegner das Gefühl hat, dass dort keiner vorbei kommt". Im Klartext: Das "mir san mir" muss so schnell wie möglich auf den Platz zurück.

Rummenigge spricht von "Betriebsunfall"

Trainer Jürgen Klinsmann war nach dem Spiel das Lächeln im Gesicht erstorben, als er ins Mikrofon hauchte: "Es ärgert einen natürlich, wenn man das Spiel im Prinzip im Sack hat."

Ähnlich angefressen wirkte der Bayern-Coach zuletzt am 7. Spieltag, als man gegen Bochum innerhalb von zwei Minuten ein 3:1 vergeigte. Ein einmaliger Ausrutscher, meinte man damals unwissend.

Diesmal sprach Rummenigge von einem "Betriebsunfall", der den Bayern noch wehtun könnte. "Gegen Bochum zu Hause 3:3, hier 2:2 - wenn wir diese Punkte mehr hätten, wären wir heute Tabellenführer und würden diesen Punkten nicht mehr nachtrauern", konstatierte der Bayern-Boss.

Leverkusen und Hoffenheim warten

Vor dem Spiel hatte Rummenigges verbaler Sidekick Uli Hoeneß noch forsch getönt: "Wenn wir heute gewinnen, dann denke ich, dass wir in der nächsten Woche Tabellenführer sind. Und wenn wir das mal sind, geben wir das nicht mehr so schnell wieder her." Hinterher war er zu keiner Stellungnahme bereit.

Nun wird man mindestens zwei Wochen warten müssen, bis die Bayern von ganz oben grüßen. Dann ist man zu Gast in Leverkusen, anschließend kommt Hoffenheim in die "mir san mir"-Arena. Und spätestens danach wird man wissen, ob die bayerische Erfolgsmentalität auch wieder auf den Rasen zurückgekehrt ist.

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