Leverkusens Déjà-vu im Wildpark

Von Florian Bogner
Samstag, 08.11.2008 | 22:11 Uhr
Der Moment, als das Spiel kippte: Alexander Iaschwili (Mitte) köpft zum 3:3-Endstand ein
© Imago
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Bayer Leverkusen verspielt wie in der Vorsaison einen komfortablen Vorsprung beim Karlsruher SC. Nach dem 3:0 zeigte die Labbadia-Truppe, was ihr zur Spitzenmannschaft der Bundesliga noch fehlt.

Irgendwie hätten sie misstrauisch werden können, die Leverkusener, als Tim Sebastian sich in der 60. Minute vogelfrei in die Lüfte schraubte und der Bayer-Elf das zweite Gegentor an diesem Nachmittag einschenkte.

Schon neun Monate zuvor hatte man im Karlsruher Wildpark einen komfortablen Vorsprung verspielt. Damals reichte ein zwischenzeitliches 2:0 nicht für drei Punkte, diesmal waren es sogar drei Tore Vorsprung, die Leverkusen nicht über die Zeit rettete, womit man auch die mögliche Tabellenführung in der Bundesliga herschenkte.

Zuletzt war die Bayer-Truppe wie eine Spitzenmannschaft über die Liga hinweg gefegt, in Karlsruhe ließ sie den Gegner wie eine unerfahrene Schülermannschaft wieder ins Spiel zurück.

Barnetta spricht Klartext

Mittelfeldspieler Tranquillo Barnetta brachte es hinterher auf den Punkt: "Wenn wir ein bisschen nachlassen, sind wir eben keine Top-Mannschaft mehr, sondern auch nur eine durchschnittliche Truppe, die gegen jede Mannschaft verlieren kann."

Dabei hätte der fünfte Sieg in Folge Big Points im Rennen um die Herbstmeisterschaft bedeutet. Stattdessen gab es Lehrgeld für die junge Labbadia-Truppe, die sich hinterher den Tadel ihres Übungsleiters anhören musste.

"Wir haben einfach einen Schritt weniger gemacht und das reicht dann gegen eine Mannschaft, die so viel Moral beweist, nicht. Wir haben viele Fehler gesehen. Es hat auch bei dem ein oder anderen die letzte Bereitschaft gefehlt. Das werden wir klar ansprechen, dass das so nicht geht", sagte der Ex-KSC-Stürmer an alter Wirkungsstätte und fügte hinzu: "Es war keine Überheblichkeit, aber Nachlässigkeit."

Labbadia: "Nicht auf die Mannschaft einprügeln"

Allerdings bemühte sich der 42-Jährige auch, nicht alles schwarz zu sehen: "Das kann bei einer jungen Mannschaft immer mal passieren. Aber man darf jetzt nicht den Fehler machen und meinen, es ist alles schlecht, was vorher gut war. Wir werden ganz sicher nicht auf die Mannschaft einprügeln. Dafür haben die Spieler zuletzt einfach zu gut gearbeitet."

Nach vier 2:0-Siegen in Serie startete Leverkusen auch in Karlsruhe gut und führte nach 24 Minuten sogar mit 3:0. Der KSC, zuvor fünf Mal in Folge als Verlierer vom Platz gegangen, war zu diesem Zeitpunkt mausetot und stolperte verunsichert auf dem Rasen umher.

Erst ein von Stefan Kießling abgefälschter Freistoß von Antonio da Silva zum 1:3 ließ die Hausherren wieder den Glauben an sich selbst finden. Ausgerechnet da Silva, dem in den letzten Wochen nicht gerade Gegenliebe vom KSC-Publikum beschieden war.

Da Silva der heimliche Sieger

"Eigentlich ist es mir egal, was die Zuschauer über mich denken. Die Mannschaft weiß, dass ich immer hundert Prozent gebe", sagte da Silva später. Beim 2:3 hatte er zudem eine Torvorlage beigesteuert.

Insgesamt zeigte der Ex-Stuttgarter eine Leistung, die seine Kritiker verstummen lassen sollte. "Man muss einem Spieler auch mal gewisse Zeit geben, dass er sich hier in der Mannschaft und in einem neuen Umfeld zurechtfinden kann", forderte Trainer Ede Becker.

"Man hat ihm ja nie nachsagen können, dass er nicht gekämpft oder nicht gewollt hat. Heute hat er gezeigt, dass er noch ein wichtiger Spieler für den KSC werden kann."

Den Punktgewinn nach wochenlanger Talfahrt in der Bundesliga feierte Becker als "moralischen Sieg" und Ersatz-Kapitän Christian Eichner meinte: "Ich habe zuletzt schon gelesen, dass es in der Mannschaft nicht stimmen soll. Ich denke, wir haben das Gegenteil bewiesen."

Gegentor wie Vorschlaghammer

Becker hatte zuvor eine sehr emotionale Partie hinter sich. "Bei solch leidenschaftlichen Spielen ist man als Trainer an der Linie extrem unter Strom", meinte der KSC-Trainer.

Der frühe Rückstand nach einer halben Minute durch Patrick Helmes habe ihn und seine Mannschaft geschockt: "Das ist so, als ob dir jemand mit dem Vorschlaghammer gegen die Stirn schlägt." Doch dank da Silva wendete sich das Blatt am Ende noch.

"Das war ein erster Schritt"

"Wenn wir wieder verloren hätten, wäre der Rucksack immer schwerer geworden. Selbst der eine Punkt bringt uns weiter", hofft Becker. In der nächsten Woche steht in Cottbus ein echtes Abstiegsduell an.

"Das war ein erster Schritt", resümierte Eichner. "Der Punkt kann ganz wichtig werden, wenn wir in Cottbus etwas holen."

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