Fussball

FC Bayern - Fiete Arp überrascht bei US-Tour: "Jahrhunderttalent" mit Bodenhaftung

Von Dennis Melzer
Fiete Arp (r.) hat bei der US-Tour des FCB ordentliche Leistungen gezeigt.

Fiete Arp hat bei der US-Tour des FC Bayern ordentliche Leistungen gezeigt und wurde medial gelobt. Der 19-Jährige gibt sich hingegen selbstkritisch. Das ist gut so.

Körpertäuschung, selbstbewusster Antritt und ein Abschluss aus spitzem Winkel, der sein Ziel nur knapp verfehlte. Jann-Fiete Arp, 19 Jahre alt und auf internationaler Bühne noch ein unbeschriebenes Blatt, hatte soeben keinen Geringeren als Real-Linksverteidiger Marcelo, 31 Jahre alt und viermaliger Champions-League-Sieger, unter dem Abendhimmel von Houston alt aussehen lassen.

Im Anschluss klatschte der Brasilianer anerkennend mit dem Youngster ab. Die kleine Geste eines großen Spielers für eine sehenswerte, vielleicht unerwartete, letztlich aber handelsübliche Aktion. Sollte man meinen.

Nach der Begegnung zwischen dem FC Bayern und den Königlichen, die der deutsche Rekordmeister mit 3:1 für sich entschieden hatte, rückte das Resultat in den Hintergrund. Nur wenige verloren ein Wort über den technisch anspruchsvollen Treffer von Robert Lewandowski zum zwischenzeitlichen 2:0, kaum jemand widmete sich der schönen Kombination, die dem ersten FCB-Tor vorangegangen war. Die Szene des Spiels war ja schließlich Arps "Super-Trick", wie das Dribbling beispielsweise hochstilisiert wurde.

Arp selbstkritisch: "Tempo noch eine Nummer zu hoch für mich"

Reflektierter ordnete Arp seine eigene Gesamtleistung gegen die Spanier ein. "Bis dato war es meine einzige gute Aktion", sagte er im Gespräch mit Sport1 und schob selbstkritisch nach: "Heute habe ich gemerkt, wo momentan noch meine Grenzen sind. Ob jetzt mit Ball oder ohne. Das Tempo war für den Moment noch eine Nummer zu hoch für mich."

Tatsächlich zeigte Arp gegen das Starensemble aus Madrid eine ordentliche Leistung in der für ihn ungewohnten Rolle als Rechtsaußen, bekam aber ein ums andere Mal - logischerweise - seine Grenzen aufgezeigt. "Aus solchen Spielen lerne ich am meisten, weil ich jetzt gesehen habe, wie es auf höchstem Niveau gemacht wird. Die Analyse des Spiels wird mir sehr weiterhelfen."

Bodenständige Worte, die auf einer gewissen Erfahrung im Umgang mit drohender Masseneuphorie basieren. Obwohl seine Karriere noch in den metaphorischen Kinderschuhen steckt, musste Arp bereits feststellen, was es bedeutet, erst als Hoffnungsträger gefeiert, um kurz darauf an den Pranger gestellt zu werden.

Mit 17 feierte das "Jahrhunderttalent", "Uns Fiete", wie er in Anlehnung an HSV-Legende Uwe Seeler getauft wurde, sein Bundesliga-Debüt für die Rothosen, erzielte später sogar zwei Tore im deutschen Oberhaus. Er blieb seinem Heimatklub trotz der vielen Avancen europäischer Schwergewichte, zu denen auch der FC Chelsea zählte, treu.

Arp sagte dem FC Chelsea ab: "Hätte keinen Sinn gemacht"

Von der Bild-Zeitung mit dem Interesse der Blues konfrontiert, gab sich der gebürtige Bad Segeberger damals geerdet: "Es hätte keinen Sinn gemacht, als 17-Jähriger zu Chelsea zu gehen. Man hat doch kaum etwas erreicht, hat so gut wie keine Erfahrung im Profifußball. Das Risiko ist viel zu groß."

Statt der großen monetären Verlockung zu folgen, entschied er sich dafür, erst einmal die Schule zu beenden. "Fußball ist Tagesgeschäft. Es kann jeden Tag vorbei sein. Das Abitur aber kann dir niemand mehr nehmen. Geld darf in meinem Alter noch keine Rolle spielen."

Es waren Sätze wie diese, die den traditionell emotionalen HSV-Fans vermittelten: "Ich bin einer von Euch, ein ganz normaler Junge." Als er dann, trotz stetiger Bayern-Gerüchte, trotz des erstmaligen Abstiegs in der Vereinsgeschichte vor einem Jahr sein Arbeitspapier bis 2020 verlängerte, überschlug man sich in der Elbmetropole.

Arp und der "tiefe Fall des Jahrhunderttalents"

"Ich kann und will mich nicht vom HSV trennen", erklärte Arp. Er wolle "dem Klub das zurückgeben, was er verdient hat." Arp habe sich "für sein Herz und gegen das Geld aus München entschieden", schrieb die Mopo. Dabei hatte es zu diesem Zeitpunkt bereits eine mündliche Transfer-Absprache zwischen dem Angreifer und dem deutschen Primus gegeben.

Dem Klub das zurückzugeben, was er verdient hat, vermochte Arp in der Folge nicht. Statt die Rautenträger mit seinen Toren zurück in die erste Liga zu schießen, wurde das Top-Talent zwischenzeitlich sogar in die Regionalliga-Mannschaft verbannt. Die Welt titelte: "Der tiefe Fall des Jahrhunderttalents".

Erst am letzten Spieltag, als schon entschieden war, dass der einstige Bundesliga-Dino mindestens ein weiteres Jahr zweitklassig bleibt, erzielte er sein erstes und einziges Saisontor. Plötzlich stand die drängende Frage im Raum: Was will der FC Bayern mit Arp, dessen vielversprechende Entwicklung jäh ins Stocken geraten war?

Niko Kovac: Arp soll "früher oder später Stammspieler werden"

"Der Klub hat Ideen, warum er das gemacht hat", antwortete Trainer Niko Kovac bei Arps Vorstellung vor wenigen Wochen an der Säbener Straße und führte aus: "Früher oder später soll er hier Stammspieler werden." Der Kroate gab allerdings zu bedenken: "Wir müssen ihm die Zeit geben, um zu reifen." Um diesen Reifeprozess voranzutreiben stellte Kovac seinem neuen Schützling neben Einsätzen in Bayerns Zweitvertretung auch Spielminuten bei den Profis in Aussicht.

Prädestiniert sind dafür jene Testspiele, wie sie im Rahmen der US-Tour ausgetragen werden. Arp durfte neben seinem 45-minütigen Auftritt gegen Real zuvor schon im Duell mit dem FC Arsenal von Beginn an ran (1:2). In der letzten Begegnung mit Milan (1:0) kam das Nordlicht sogar über die volle Distanz zum Einsatz.

FC Bayern: Weitere Termine der Vorbereitung

DatumProgrammOrt
30.-31-JuliAudi CupMünchen
3. AugustSupercup gegen Borussia DortmundDortmund
ab 5. AugustTrainingslagerRottach-Egern
9.-12. August1. Runde DFB-Pokal gegen CottbusCottbus
16. August1. Spieltag Bundesliga gegen Hertha BSCMünchen
25. August Fanclub Vilshofen Rot Weiß - FC BayernTraumspiel gegen Fanclub Vilshofen Rot WeißVilshofen

Arp drei Mal auf einer anderen Position

Bemerkenswert: In jeder der drei Partien bekleidete Arp eine andere Position. Gegen die Gunners lief er als Linksaußen auf und löste seine Sache durchaus ansprechend. Was allerdings kein Grund dafür sein sollte, gleich mit dem ganz großen Geschütz, nämlich dem Vergleich mit FCB-Ikone Franck Ribery aufzuwarten. "Der hat zu große Fußstapfen", sagte Arp souverän.

Gegen Real fungierte Arp - wie bereits skizziert - als Rechtsaußen, ehe er gegen die Rossoneri erstmals in seiner gelernten Rolle als Mittelstürmer für seinen neuen Klub in Erscheinung trat, jedoch diesmal merklich platt wirkte und kaum Bindung zum Spiel hatte.

"Er hat es sehr gut gemacht", zog Kovac dennoch lobend Bilanz. "Wir wollen die Vorbereitung nutzen, um ihn auf verschiedenen Positionen auszuprobieren. Sein Engagement ist sehr groß." Auch Kapitän Manuel Neuer zeigte sich angetan von seinem jungen, lernfreudigen Teamkollegen: "Er ist sehr aufgeweckt und will sofort zeigen, was er draufhat. Grundsätzlich ist er wissbegierig."

Kroos: "Bayern wird ihn nicht umsonst geholt haben"

Toni Kroos, der sich ebenfalls selbst ein Bild von Arp machen konnte, befand: "Es ist klar, dass er zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle wegspielt. Aber trotzdem gilt es, sich in solchen Spielen zu messen. Das hat er getan. Bayern wird ihn nicht umsonst geholt haben, sie werden was in ihm sehen."

Sachliche Bewertungen, die dem U19-Nationalspieler sicherlich schmeicheln, aber berechtigterweise weit entfernt sind von den teilweise viel zu überschwänglichen Lobeshymnen, die bisweilen zu lesen waren. Was das voreilige Bemühen von Superlativen wie "glänzen" und "verzaubern" zur Folge haben kann, dass selbst ein "Super-Trick" gegen einen Weltstar schnell nichts mehr wert ist, weiß Arp selbst am besten.

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