Fussball

FC Bayern - Transferdilemma: Zu teuer, zu spät, zu wenig Bayern-like

Die Bayern-Bosse tun sich derzeit auf dem Transfermarkt schwer.

Derzeit spricht wenig für einen Wechsel von Leroy Sane oder Ousmane Dembele zum FC Bayern. Andere Profis wären offen, sind aber noch nicht kontaktiert worden. Die Kritik an den Verantwortlichen wird daher lauter.

Einige Bayern-Fans, die zufällig am Donnerstagabend die Bilder von der Pressekonferenz in der Allianz Arena sahen, glaubten zunächst, sie hätten den Megatransfer des Sommers verpasst.

"Ich dachte echt, dass der Sane da sitzt", kommentierte ein SPOX-User unter dem Facebook-Livestream der Präsentation des neuen eSports-Partners des FC Bayern.

Doch neben dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge saß nicht Wunschkandidat Leroy Sane, sondern Serge Gnabry - allerdings mit fast derselben Rastazopf-Frisur, die Sane bei den letzten Länderspielen vor der Sommerpause präsentiert hatte.

Leroy Sane: Vieles spricht für eine Absage

Danach ging der umworbene Stürmerstar von Manchester City in den Urlaub, seitdem warten die Bayern sehnsüchtig auf eine Zusage. Doch glaubt man gut informierten Kreisen im Verein, so sieht es derzeit eher nach einer Absage für die Münchner aus. Allzu lange zögert Sane bereits, ganz abgesehen von der zu erwartenden Rekordablösesumme von rund 100 Millionen Euro und dem Interesse anderer Topklubs wie aktuell Paris Saint-Germain.

Auf die Frage, ob Sane sich endlich gemeldet habe, wollte Rummenigge am Donnerstag nicht antworten. "Ich habe am Montag schon gesagt, dass wir mit Transferangelegenheiten in der Öffentlichkeit weniger offensiv umgehen werden. Ich werde heute mit gutem Beispiel vorangehen. Ich bitte um Verständnis dafür. Ich kann aber versichern, dass wir hart arbeiten", sagte er nur.

Somit musste der Vereinsboss auch nicht Berichte kommentieren, wonach er und Präsident Uli Hoeneß - nicht zum ersten Mal - uneinig seien. Nämlich in der Frage, ob man sich als Sane-Ersatz ernsthaft um Ousmane Dembele trotz fragwürdigen Lebenswandels und seinem Streikwechsel zum FC Barcelona bemühen soll. Nach Ansicht von Hoeneß, der den Franzosen damals harsch kritisiert hatte, und einigen Mitstreitern passt der Problem-Profi nicht zum FC Bayern und seinen Werten. Hinzu kommt die Ablöse, die ebenfalls im dreistelligen Millionenbereich liegen soll.

Daher werden beinahe täglich Alternativkandidaten genannt, von denen zumindest der niederländische Nationalspieler Steven Bergwijn von PSV Eindhoven über seinen Berater großes Interesse an einem Wechsel deutlich gemacht hat.

Bayern: Kein Kontakt zu Benjamin Henrichs

Doch der für die Transfers zuständige Hasan Salihamidzic hat noch keinen Kontakt zu Begwijn aufgenommen - ebenso wenig wie zu Benjamin Henrichs vom AS Monaco. Wie Spox und Goal erfuhren, gibt es im Gegensatz zu Berichten aus Frankreich keine Gespräche zwischen den Klubs und schon gar kein konkretes Angebot.

Der U-21-Nationalspieler stünde einem Wechsel trotz Vertrags bis 2021 offen gegenüber, weil er bei Bayern den nächsten Schritt machen könnte. Doch trotz der katastrophalen Vorsaison, bei der sein Team nur knapp dem Abstieg entging, sieht er bei den Monegassen auch keinen Grund zu Flucht.

Dabei wären Spieler aus diesem Segment die Lösung für das Transferdilemma des Rekordmeisters, glaubt ein Insider. "Es könnte ein Weg für die Bayern sein, auf jüngere Spieler zu setzen für 20 bis 30 Millionen Euro Ablöse. Bei Gnabry ist es ihnen gelungen", sagte ein ehemaliges FCB-Führungsmitglied zu SPOX und Goal. "Aber selbst ein Kai Havertz liegt bald schon bei 100 Millionen. Da sind sie genauso zu spät gekommen wie vor einigen Jahren bei Sane."

Salihamidzic wird zunehmend kritisch bewertet

Verantwortlich für den aktuellen Transferstau machen viele im Umfeld und sogar im Verein selbst den zuständigen Sportdirektor Hasan Salihamidzic, dessen Agieren zunehmend kritisch bewertet wird.

Nach den Zukäufen von Lucas Hernandez (80 Millionen Euro), Benjamin Pavard (35 Millionen) und Fiete Arp (drei Millionen) gab es zuletzt nur noch Absagen: Vom öffentlich umworbenen Callum Hudson-Odoi (bleibt bei Chelsea), dem Spanier Rodri (ging wegen Pep Guardiola lieber zu Manchester City) und sogar dem niederländischen U-19-Nationalspieler Sepp van den Berg, den Salihamidzic laut eines Berichts der Londoner Times sogar noch beim Medizincheck seines neuen Klubs FC Liverpool umzustimmen versuchte - ebenfalls vergeblich.

Das ostentative Lob für den umstrittenen Sportchef durch die Bosse wirkt daher immer unglaubwürdiger, gleichwohl können diese mit Recht auf das noch fast zwei Monate offene Transferfenster verweisen.

"Aus Sicht von Bayern München brauchen wir uns nicht zu beklagen. Wir haben in diesem Klub immer solide gewirtschaftet. Die Finanzlage des FC Bayern ist absolut gut, sodass ich mir keine Sorgen um den FC Bayern mache, auf dem Transfermarkt wettbewerbsfähig zu sein", zeigte sich Rummenigge auch am Donnerstag demonstrativ zuversichtlich. Wobei man auch erwähnen muss, dass die Wechselperiode in der Premier League schon am 8. August endet.

Dass der aktuelle Kader noch mindestens zwei bis drei hochkarätige Verstärkungen braucht, um die hohen Ziele erreichen zu können, ist allen Beteiligten klar. Ansonsten dürfte es vermutlich noch schwerer werden für Trainer Niko Kovac, dessen angespanntes Verhältnis zur Mannschaft und zu Rummenigge nach wie vor unwidersprochen im Raum steht.

Welche Rolle spielt Hansi Flick?

Gespannt sein darf man daher auf die Rolle, die künftig der neue Co-Trainer Hansi Flick spielen wird. Kovac hat mehrfach betont, dass der Weltmeister-Flüsterer von Jogi Löw seine absolute Wunschlösung als Nachfolger von Peter Herrmann gewesen sei. Es kursiert aber auch die Lesart, dass Hoeneß sich für die Rückkehr des ehemaligen Bayern-Profis stark gemacht habe, weil man im Verein mit der Trainingsarbeit in der vergangenen Saison alles andere als zufrieden gewesen sei.

Zudem stünde mit Flick im Worst Case einer Trennung von Kovac ein routinierter Mann als Übergangscoach zur Verfügung. Dem Vernehmen nach beobachten die Bosse schon seit längerem intensiv den Trainermarkt, um im Fall der Fälle einen Plan B in der Tasche zu haben.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung