Fussball

Das riskante Abwehrpuzzle des FC Bayern

Könnten nächstes Jahr zusammen beim FC Bayern spielen: Ozan Kabak (l.) und Benjamin Pavard.

Mats Hummels ist weg, Jerome Boateng soll gehen, Ozan Kabak könnte kommen: Der FC Bayern puzzelt seine Innenverteidigung durcheinander - auf riskante Art und Weise.

Uli Hoeneß zeigte sich für seine Verhältnisse entspannt. Man habe ja genügend Innenverteidiger im Kader, sagte der Präsident des FC Bayern nach dem Meisterschaftsgewinn der Basketballer am Sonntagabend über den Abschied von Mats Hummels. Daher halte er die Entscheidung, den 30-Jährigen trotz einer starken Rückrunde an den direkten Rivalen aus Dortmund zu verkaufen, für "total richtig".

Total richtig ist, dass neben dem gesetzten Niklas Süle (23) die Neuzugänge Benjamin Pavard (23) und Lucas Hernandez (23) in der Abwehrzentrale agieren können. Auch die Außenverteidiger David Alaba (27) und Joshua Kimmich (24) sowie der Abräumer Javi Martinez (30) haben zu Zeiten von Pep Guardiola unter Beweis gestellt, dass sie in der Innenverteidigung einsetzbar sind. Und Jerome Boateng (30), dem Hoeneß bei der Meisterfeier im Mai in aller "Freundschaft" einen Wechsel ans Herz gelegt hatte, ist Stand jetzt ja auch noch da.

Wie gut ist Benjamin Pavard? Wie fit ist Lucas Hernandez?

Total richtig ist aber auch, dass Pavard nach dem WM-Sieg mit Frankreich vor einem Jahr abgebaut und den Abstieg des VfB Stuttgart zu keinem unwesentlichen Teil mitzuverantworten hat. Und von Hernandez, dem 80 Millionen Euro schweren Königstransfer, sind nach seiner Knieoperation im März keine sofortigen Wundertaten zu erwarten. "Auch wenn Süle viel Potenzial hat, würde ich nicht mit ihm plus Pavard und Hernandez in die Saison gehen. Neuzugänge brauchen Minimum fünf, sechs Monate zur Eingewöhnung. Da sind zu viele Fragezeichen", sagte Ex-Bayern-Profi Bixente Lizarazu dem kicker.

Abgesehen davon sehe er sowohl Pavard und Hernandez auf den Außenbahnen besser aufgehoben als im Zentrum, ergänzte der Frankreich-Kenner. Speziell Hernandez, so Lizarazu, sei "eine sehr gute Nummer 3, also ein linker Außenverteidiger mit Stärken in der Defensive wie in der Offensive". Er wisse nicht, ob der Ex-Atletico-Star auch innen internationale Topklasse verkörpere.

Ozan Kabak wäre die nächste Investition in die Zukunft

Womöglich gibt es auch deshalb Gedankenspiele bei den Bayern-Bossen, mit Ozan Kabak einen zusätzlichen Innenverteidiger zu verpflichten. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge soll es noch in dieser Woche zu Verhandlungen über einen Transfer des 19-jährigen Türken kommen. Kabak könnte den Kaderplatz des beim FCB aufs Abstellgleis geratenen Boateng einnehmen, mit einer festgeschriebenen Ablösesumme von 15 Millionen Euro ist er für vergleichsweise wenig Geld zu haben.

Allerdings wäre auch Kabak - ähnlich wie der vier Jahre ältere Pavard - eher eine Investition in die Zukunft statt eine unmittelbare Verstärkung. Beim VfB zeigte er zwar sehr gute Ansätze in der Spieleröffnung und im Kopfballspiel (drei Tore), konnte der wackligen Abwehr der Schwaben unter dem Strich aber ebenso wenig Stabilität verleihen wie sein Nebenmann Pavard. Die Innenverteidigung des FC Bayern würde in dieser Konstellation im Vergleich zur vergangenen Saison an Schnelligkeit gewinnen, aber an Erfahrung verlieren. Erst recht, wenn Boateng wie erwartet wechselt.

FC Bayern: Hoeneß verspricht "gute Mannschaft"

"Ich kann ihnen versichern: Am 15. August steht eine gute Mannschaft auf dem Platz", sagte Hoeneß nach dem Basketball-Spiel am Sonntag. Mehr Angaben wollte er nicht machen. Weder zum riskanten Abwehrpuzzle noch zu den wegen Leroy Sane stockenden Planungen auf den offensiven Flügelpositionen.

Viel hängt auch davon ab, wie das Rennen um Rodrigo, den begehrten Sechser von Atletico, ausgeht. Manchester City mit Ex-Bayern-Coach Pep Guardiola befindet sich in der Pole Position, nach Informationen von SPOX und Goal steht eine endgültige Entscheidung des 70-Millionen-Euro-Mannes aber nach wie vor aus.

Platzen die guten Gespräche des 23 Jahre alten Spaniers mit City wider Erwarten und erhält der FCB am Ende doch noch den Zuschlag, käme ein Kabak-Transfer aus wirtschaftlichen und sportlichen Gründen vermutlich nicht zustande. In diesem Fall würde wohl Martinez zusätzlich für die Innenverteidigung eingeplant werden. Denkbar wäre dann auch, Eigengewächs Lars Lukas Mai (19) mehr Chancen zu geben als bisher. Hoeneß ist offensichtlich entspannt. Bis zum 15. August sind ja auch noch ein paar Tage hin.

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