Fussball

FC Bayern - Der größte Sieg ist nicht genug: Warum Rummenigge immer noch an Niko Kovac zweifelt

Niko Kovac ist trotz des 5:0-Sieg über den BVB nicht frei von Kritik.

Niko Kovac verbuchte mit dem 5:0-Sieg über Borussia Dortmund seinen bislang größten Sieg als Trainer des FC Bayern. Mit Lob überhäufte ihn sein Vorgesetzter am Tag nach der furiosen Rückeroberung der Bundesliga-Spitze aber nicht. Vielmehr wurde an dem TV-Auftritt von Karl-Heinz Rummenigge bei Jörg Wontorra deutlich: Die internen Zweifel an dem 47-Jährigen haben weiterhin Bestand.

Der Wille war Jörg Wontorra nicht abzusprechen. Immer wieder hakte der Sky-Moderator während seines zweistündigen Talks am Sonntagmorgen bei Karl-Heinz Rummenigge nach, um in Erfahrung zu bringen, ob Niko Kovac nach der 5:0-Gala im Spitzenduell mit Borussia Dortmund denn nun fest im bayrischen Sattel sitze.

Egal wie oft Wontorra sein Glück versuchte, sein Gegenüber ließ sich kein klares Bekenntnis zu dem Mann entlocken, den er zu Saisonbeginn als Gesicht des Umbruchs präsentiert hatte. Im Gegenteil. Der Vorstandsvorsitzende der Bayern wich den Fragen aus, die ihm gestellt wurden. Ob Kovac bleiben dürfe, wenn die Mannschaft doch noch die siebte Meisterschaft in Folge verpasse? "Wir werden Meister!" Ob Kovac bleiben dürfe, sollte im Pokal-Halbfinale Schluss sein? "Das gilt es zu verhindern."

Rummenigge: Niemand hat beim FC Bayern Jobgarantie

Worte, die nicht unbedingt dafür sprechen, dass sich der immer wieder kritisch beäugte Kovac mit der Machtdemonstration gegen Dortmund endgültig aus der Affäre gezogen hat. Rummenigge wertete die Rückeroberung des ersten Tabellenplatzes sogar ab ("Wir tun gut daran, diesen Sieg nicht überzubewerten") und machte fast schon drohend deutlich, es gebe beim FC Bayern für "niemanden" eine Jobgarantie. Jeder müsse "liefern" und "mit dem Druck umgehen" - ansonsten sei er "beim falschen Klub".

Den meisten, wenn nicht sogar allen Vorgängern von Kovac hätte Rummenigge infolge eines 5:0 gegen den ärgsten nationalen Konkurrenten wohl die Füße geküsst. Kovac ist für seinen Vorgesetzten aber eben nicht Louis van Gaal, er ist auch nicht Pep Guardiola und schon gar nicht Jupp Heynckes.

Schützender legte da schon Uli Hoeneß seine Hand über Kovac. "Wenn ich unzufrieden bin, heißt das noch lange nicht, dass wir den Trainer rausschmeißen", sagte der FCB-Präsident im kicker und fragte: "Wie soll ich denn mit jemanden zusammenarbeiten, den ich bei jeder Gelegenheit in Frage stelle?" Der Auftritt gegen den BVB habe ohnehin "keine Frage offengelassen".

Niko Kovac in einer Schublade mit der Aufschrift "Probezeit"

Rummenigge hingegen nannte den 47-jährigen Kovac am Samstag ein weiteres Mal "jungen, unerfahrenen Trainer", den man "im positiven Sinne" begleiten müsse. Heißt im Umkehrschluss: Kovac befindet sich weiterhin in der Schublade, in der sich schon bei seinem Amtsanritt befand. In der Schublade mit der Aufschrift "Probezeit". So recht scheint sich Rummenigge nach wie vor nicht mit dem Gedanken anzufreunden, dass der einstige Pokalsieger-Coach von Eintracht Frankfurt den FC Bayern der Zukunft leitet.

Die Gründe dafür kristallisierten sich bei seinem TV-Auftritt am Sonntag heraus. Rummenigge machte Kovac vor allem wegen dessen wilder Rotationen offen für die Krise im Herbst verantwortlich. "Was im Oktober und November passiert ist, war selbstkreiert. Wir haben uns selbst das Bein gestellt, weil der Trainer in unglaublich großem Stil rotiert hat", sagte Rummenigge und berichtete von "großer Unruhe in der Mannschaft" zu jener Zeit. "Da hat es richtig gescheppert" - bis Kovac seine Methoden auf Geheiß der Bosse korrigierte.

Champions-League-Aus gegen Liverpool enttäuschte Rummenigge

Damit aber nicht genug. Auch das letztlich sang- und klanglose Aus im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool und die vielen unnötigen Patzer gegen vermeintliche Außenseiter wie die jüngste Fast-Blamage im Pokal-Duell mit dem FC Heidenheim kosteten Rummenigge viele Nerven - und Kovac offensichtlich viel Kredit.

Gerade die Art und Weise der Rückspiel-Niederlage gegen Liverpool enttäusche ihn bis heute, verriet Rummenigge verbittert, die Mannschaft sei "nicht ausreichend mit Mut und Herz" aufgetreten. Eine indirekte Kritik an dem Trainer, von dem neben einem taktisch und spielerisch fundierten Matchplan auch die Fähigkeit erwartet wird, sein Team in seinen Bann zu ziehen und mitzureißen.

Kovac selbst hatte vor dem Dortmund-Spiel seinen Spielern fehlende Einstellung unterstellt. Die Reaktion der Mannschaft am Samstag zeigte, dass sie durchaus noch Spaß am Fußball haben kann. Bis spielerische Dominanz und bedingungsloser Einsatz aber nicht wieder zur Normalität in der Allianz Arena werden, wird Kovac für Rummenigge wohl weiter ein junger, unerfahrener Trainer ohne Jobgarantie bleiben.

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