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Lucas Hernandez wechselt zum FC Bayern München: Stärken und Schwächen

Von Ben Barthmann
Lucas Hernandez gewann mit Frankreich die WM 2018 in Russland.

Jetzt ist es offiziell: Der FC Bayern verpflichtet Lucas Hernandez von Atletico Madrid. Kostenpunkt: 80 Millionen Euro. Damit ist der Franzose der teuertse Einkauf der Bundesliga-Geschichte. Doch was macht ihn so wertvoll? Und welche Schwächen hat Hernandez?

80 Millionen Euro. Noch nie hat ein Bundesligist so viel Geld in die Hand genommen, wie es der FC Bayern für Lucas Hernandez getan hat. Dazu erhält der 23 Jahre alte Verteidiger einen Fünfjahresvertrag bis zum 30. Juni 2024. Auf dem Papier ist der Transfer also ein echter Kracher. Doch was steckt dahinter?

Plant der FC Bayern mit dem Franzosen als Innenverteidiger oder doch als Linksverteidiger, der in Konkurrenz zu David Alaba steht? Immerhin machte Hernandez bei dem WM-Triumph mit der französischen Nationalmannschaft auf eben jener Position jedes Spiel.

Die Stärken von Bayerns Transfer-Ziel Lucas Hernandez

Fakt ist: Der 23-Jährige bringt Erfahrung auf Top-Niveau mit Atletico Madrid und der Nationalmannschaft Frankreichs mit. Landsmann Christophe Dugarry attestierte ihm kürzlich eine "tadellose Einstellung".

Dazu trägt Hernandez deutlich die Handschrift von Diego Simeone. Er agiert sehr robust in der Defensive, ohne dabei unfair zu werden und weist ein typisches Verhalten für einen Atletico-Verteidiger auf: Ständige Orientierung, sehr taktisches Zweikampfverhalten, gutes Gespür für Raum und Zeit.

Hernandez ist defensiv ein Macht. Er beobachtet den Angriff des Gegners, um dann im richtigen Moment einzugreifen. Sein Timing bei der Balleroberung ist hervorragend. Er attackiert den Ballführenden erst, wenn die Chance auf Erfolg maximal ist, davor wird mit dem Seiten- oder Toraus zusammengearbeitet, um die gegnerischen Optionen zu verringern.

Die Spielerstatistiken von Lucas Hernandez in LaLiga-Saison 18/19

Einsätze14
Gespielte Minuten1.118
Zweikämpfe gewonnen67,8%
Luftzweikämpfe gewonnen62,9%
Erfolgreiche Tackles71%
Klärende Aktionen47
Blocks9
Pässe509
Passquote81%
Flankenquote30%

Lucas Hernandez' Athletik beeindruckt

Selbiges gilt für die zahlreichen Grätschen des Franzosen. Hernandez wirft sich, sofern sinnvoll, in jeden Schuss, jede Flanke und jeden heranstürmenden Gegner. Die alte Weisheit von Paolo Maldini ("Wer zur Grätsche greifen muss, hat schon vorher einen Fehler gemacht") ignoriert Hernandez regelmäßig.

Auch in der Luft macht der Weltmeister eine gute Figur. Hernandez ist mit 1,82 Metern nicht der größte Spieler auf dem Feld, hat aber eine enorme Sprungkraft, weiß hohe Bälle sehr gut einzuschätzen und verhält sich in der Luft nicht weniger intelligent als am Boden: Bälle werden sauber zur Seite geklärt, die Arme klug eingesetzt.

Insgesamt ist seine Athletik hervorzuheben. Hernandez ist nicht nur durchsetzungsfähig, sondern auch enorm schnell. Das kommt seinem Spiel sowohl als Innen- als auch als Außenverteidiger entgegen. Eine hohe Defensive ist für ihn ebenso wenig ein Problem wie das tiefe Verteidigen am eigenen Strafraum.

Die Schwächen von Bayerns Transfer-Ziel Lucas Hernandez

Während das defensive Können sich auf beiden Positionen Hernandez' bemerkbar macht, sind auch auf beiden Positionen offensive Mängel anzuführen. Das allerdings in einem gewissen Rahmen - der Franzose ist trotz aller folgenden Kritik ein durchaus ballsicherer und überlegter Spieler in der Offensive, der aber letztlich (noch) nicht höchstes Niveau erreicht.

Hernandez ist als Innenverteidiger bei Atletico nur wenig für den Spielaufbau verantwortlich. Er fokussiert sich auf einfache Pässe zum Nebenmann oder auf die Flügel. Wer liniendurchbrechende Pässe wie von Jerome Boateng oder Außenrist-Zuspiele von Mats Hummels erwartet, wird in diesem Fall eher enttäuscht werden.

Der Linksfuß macht dabei allerdings wenige Fehler und stellt somit sicherlich keinen Risikofaktor dar. Auch bei der WM 2018 band ihn Didier Deschamps als Linksverteidiger offensiv angepasst ein. Hernandez hielt die Breite auf seiner Seite, wo immer wieder eine Überzahl hergestellt wurde, um dann auf Kylian Mbappe zu verlagern. Auch hier konzentrierte sich der Atletico-Spieler auf einfache Zuspiele.

Die Leistungsdaten von Lucas Hernandez bei Atletico

WettbewerbEinsätzeToreGelbe KartenRote KartenMinuten
Primera Division6711315.322
Champions League1613-1.247
Copa del Rey1813-1.383
Europa League811-613
UEFA Supercup1---120

David Alaba ist Lucas Hernandez offensiv überlegen

David Alaba ist Hernandez damit als Konkurrent auf der linken Seite in Sachen Kreativität und Überraschungseffekt überlegen. Wohl aber weiß der Neuzugang mit seiner geradlinigen Art Gefahr auszustrahlen. Er hat ein gutes Timing bei langen Zuspielen, wenn er zwischen oder hinter die Linie starten kann und kann sich dort nicht zuletzt aufgrund seiner Athletik durchsetzen.

Im Dribbling ist Hernandez nicht so wendig wie andere Außenverteidiger, dafür aber auch mit Ball sehr schnell. Immer wieder ist allerdings zu beobachten, wie seine Läufe mit Ball länger und länger werden, weil er den Ball nur knapp an den Gegenspielern vorbeispitzelt und dann schnell Raum überbrücken muss, ohne echte Kontrolle über das Spielgerät zu haben.

Kommt Hernandez als Linksverteidiger bis ins gegnerische Drittel, kann er gute Flanken setzen, denen aber hier und da die letzte Präzision fehlt. Im Dress der Franzosen suchte er gerne den Doppelpass mit einem Stürmer, um dann noch weiter an die Grundlinie zu gehen und von dort in den Rückraum abzulegen.

Das Fazit zu Bayerns Transfer-Ziel Lucas Hernandez

Bei Lucas Hernandez stellt sich besonders die Frage, wie der FC Bayern München mit ihm hauptsächlich plant. Als Innenverteidiger erhält der Rekordmeister ein defensiv herausragendes, wenn auch im Spielaufbau etwas einfach gestricktes Paket. Etwaige Fortschritte mit neuen Aufgaben wären abzuwarten, weil Hernandez bei Atletico nur wenige Aufgaben mit Ball tragen muss.

Auch als Linksverteidiger hat Hernandez seine Stärken in der Defensive sowie in seiner Arbeitsmoral und Schnelligkeit. Offensiv hält er sich an einfache Mittel, ohne deshalb ungefährlich zu werden. Spannend dürfte die Frage sein, ob die Bayern mit Hernandez - und eventuell auch Benjamin Pavard - nicht mehr taktische Flexibilität im Sinne einer Dreierkette anstreben.

Niko Kovac hatte derartige Überlegungen vor Amtsantritt anklingen lassen, bisher aber kaum umgesetzt. Hernandez könnte ein wichtiger Faktor für die plötzliche Umstellung der Grundordnung sein, weil er beide Positionen sehr zuverlässig ausfüllen kann.

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