Fussball

Joshua Kimmich vom FC Bayern zum DFB-Aus von Müller, Hummels und Boateng: "Art und Weise war nicht okay"

Von Dennis Melzer
Steht zu seinen ehemaligen DFB-Kammerade Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller: Bayerns Rechtsverteidiger Joshua Kimmich.

Joshua Kimmich hat sich nach der neuerlichen bajuwarischen Gala gegen den VfL Wolfsburg ausführlich in der Mixed Zone der Allianz Arena zu Wort gemeldet. Unter anderem sprach er über die DFB-Ausbootung seiner Bayern-Kollegen, das Momentum des FC Bayern in der Bundesliga und seine Sperre gegen Liverpool.

Der Schnäuzer, der wochenlang Joshua Kimmichs Oberlippe geschmückt hatte, war verschwunden, als der Rechtsverteidiger des FC Bayern München vor die Reporter in der Mixed Zone trat. Freudestrahlend, immerhin hatten die Münchner nur wenige Minuten zuvor dank eines 6:0-Erfolges über den VfL Wolfsburg die Tabellenführung nach langer Abstinenz zurückerobert.

Im Gespräch mit der versammelten Presse äußerte sich der 24-Jährige über die beeindruckende Form des Rekordmeisters und verriet, wie er zum Aus seiner drei Teamkollegen Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller in der Nationalmannschaft steht. Zudem erklärte Kimmich, warum ihn seine Gelbsperre im großen Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Liverpool so sehr wurmt.

Joshua, wie fühlt es sich an, nach vielen Monaten wieder an der Tabellenspitze zu stehen?

Joshua Kimmich: Das fühlt sich sehr gut an. Wir haben darauf hingearbeitet, aber es war nicht abzusehen, dass es zu diesem verhältnismäßig frühen Zeitpunkt klappt. Wir hatten zwischenzeitlich immerhin neun Punkte Rückstand. Das Momentum haben wir jetzt ein bisschen auf unserer Seite, weil wir die letzten beiden Spiele auf eine Art und Weise gewonnen haben, die an den typischen FC Bayern erinnert hat. Das war souverän und auch in der Höhe verdient. Wir dürfen jetzt aber nicht den Fehler machen, weniger Gas zu geben.

Kimmich über DFB-Beben und Bundestrainer Löw: "War sehr überrascht"

Ihr habt es nach dem 3:0 nicht ruhiger angehen lassen, obwohl Ihr am Mittwoch mit Liverpool einen schweren Gegner vor der Brust habt. Warum wart Ihr heute besonders hungrig?

Kimmich: Wir haben in dieser Saison oft genug geführt und selbst ein 2:0 oder 3:1 wieder hergeschenkt. Jeder hat aus den Fehlern der Hinrunde gelernt, das wird uns also so schnell nicht mehr passieren.

Wie haben Sie das DFB-Beben um Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller am Dienstag mitbekommen?

Kimmich: Ich habe es zunächst aus der Presse erfahren und es einen Tag später von den Jungs persönlich erzählt bekommen.

Waren Sie sehr überrascht?

Kimmich: Ja, das war ich schon. Ich kenne die Nationalmannschaft eigentlich nur mit diesen drei Spielern. In den vergangenen zehn Jahren haben sie das Team geprägt und uns zum Weltmeister gemacht. Sie sind aber auch meine Teamkollegen. Aus Spielersicht war die Art und Weise nicht okay, deshalb verstehe ich, dass die Jungs enttäuscht sind. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie erst 29 und 30 Jahre alt sind. Thomas hat zum Beispiel 100 Länderspiele gemacht. Da hat man einen anderen Abgang verdient. Im Fußball wird häufig über alt und jung gesprochen - ich bin der Meinung, dass keiner der Jungs zu alt ist, um noch in der Nationalmannschaft zu spielen.

Wollten die drei Jungs eine Trotzreaktion zeigen, um zu beweisen, dass sie nicht zum alten Eisen gehören?

Kimmich: So etwas schüttelt man nicht so einfach ab. Ich bin selbst Nationalspieler und weiß, wie besonders es ist, für Deutschland zu spielen. Ich glaube nicht, dass man so etwas nach zwei Tagen aus dem Kopf bekommt, aber heute haben sie gezeigt, was sie draufhaben. Sie haben ein sehr gutes Spiel gemacht.

Schweißt solch ein Fall die Mannschaft des FC Bayern noch einmal zusätzlich zusammen?

Kimmich: Ich kann nicht für die Spieler anderer Nationen sprechen. Die deutschen Nationalspieler betrifft das Ganze natürlich eher. Ich freue mich immer, wenn die drei glänzen. Ich weiß nicht, ob es die Mannschaft insgesamt mehr zusammenschweißt, aber heute haben wir eine sehr gute Reaktion gezeigt.

Ist die Nichtberücksichtigung drei gestandener Spieler vielleicht eine Chance für die jüngere Generation?

Kimmich: Viele Spieler, die die Nationalmannschaft über zehn Jahre lang geprägt haben, sind nicht mehr dabei. Dementsprechend muss jeder, der jetzt dabei ist oder nachrückt, mehr Verantwortung übernehmen.

Kimmich über Liverpool und seine Sperre: "Das ist extrem bitter"

Am Mittwoch geht es schon gegen Liverpool. Wie bewerten Sie das 0:0 aus dem Hinspiel ?

Kimmich: Das 0:0 ist ein gefährliches, aber ordentliches Ergebnis. Wir müssen in erster Linie aufpassen, dass wir kein Gegentor bekommen. Aber natürlich wissen wir auch, dass wir unbedingt gewinnen müssen. Ich bin aber davon überzeugt, dass jeder in der Mannschaft weiß, wie viel Qualität wir mitbringen.

Geht Ihr das Spiel also dementsprechend offensiver an als an der Anfield Road?

Kimmich: Ich erwarte uns mutiger als in Liverpool, ja. Wir haben dort gesehen, dass wir mithalten können und auf Augenhöhe sind. Das gibt uns das nötige Selbstvertrauen.

Wie sehr ärgert Sie, dass Sie nicht mitwirken können? (Kimmich holte sich im Hinspiel die dritte Gelbe Karte, Anm. d. Red.)

Kimmich: Umso näher das Spiel kommt, desto schlimmer wird es. Das ist extrem bitter. Die Aktion, die zu der Gelben Karte geführt hat, war dumm. Das ärgert mich im Nachhinein, weil auch die anderen Gelben Karten unnötig waren. Ich hoffe, dass ich für die Zukunft daraus lerne. Solche Spiele will man natürlich nicht verpassen.

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