Fussball

James Rodriguez, der "Safe": Einer für die Bayern-Zukunft

Von Dennis Melzer
James Rodriguez darf beim FC Bayern wieder spielen.

James Rodriguez darf beim FC Bayern wieder spielen - und liefert derzeit die besten Argumente für ein langfristiges Engagement in München.

Eine Szene mit Seltenheitswert ereignete sich am Samstagabend im Bauch der Allianz Arena: James Rodriguez, seines Zeichens mikrofonscheuer, schüchterner Zeitgenosse, nahm sich - nach einer gefühlten Ewigkeit - in der Mixed Zone Zeit, um den anwesenden Reportern Rede und Antwort zu stehen.

Der Kolumbianer, um den sich Woche für Woche Wechselspekulationen ranken, der quasi seit dem unwiderruflichen Weggang des Spanisch sprechenden Heynckes die "Don Jupp'sche" Komfortzone sucht, hatte diesmal allen Grund, zu strahlen. Beim 3:1-Erfolg des FC Bayern über Schalke 04 unterstrich der 27-Jährige mit zwei Vorlagen und zahlreichen technisch anspruchsvollen Pässen, wie essentiell er für die Mannschaft sein kann. Wenn Niko Kovac ihn mit Vertrauen und vor allem mit Spielzeit bedenkt. Keine Selbstverständlich in dieser Saison, eher Ausnahme denn Regel.

James: "Jetzt komme ich langsam wieder in den Spielrhythmus"

"Ich war fast drei Monate außen vor, musste mich nach meinen Verletzungen behutsam in die Mannschaft arbeiten", sagte James im Anschluss an seine starke Vorstellung gegen die Knappen. Er schob nach: "Jetzt komme ich langsam wieder in den Spielrhythmus, lege Spiel für Spiel an Qualität zu. Die Dinge laufen gut für mich, ich fühle mich auch sehr gut."

Damit spielte der Ausnahmekönner nicht nur auf seinen Startelfeinsatz am Samstag, sondern auch auf die Pokalpartie in Berlin an, bei der er über 119 Minuten ebenfalls zu gefallen wusste, Serge Gnabrys zwischenzeitliches 2:1 einleitete. Positive Töne, die im bisherigen Saisonverlauf nicht an der Tagesordnung sind.

Noch vor rund einem Monat hatte Kovac, der die logischerweise immer wieder aufkeimenden Fragen zu James' Zukunft in der bayrischen Landeshauptstadt stets geduldig beantwortet, erklärt, dass der Mittelfeldmann um ebenjene spiele, verwendete den Begriff "Arbeitsvertrag".

James oder vielmehr Vater Wilson Rodriguez, der häufig das mediale Sprachrohr seines Sohnes mimt, ließen vermehrt unterschwellig durchklingen, dass die Zukunft vielleicht doch eher woanders liegen könnte. Sofern sich an der Situation nichts ändert. Das Verhältnis zwischen dem ehemaligen Real-Star und dem jungen Coach, der nichts von Sonderbehandlungen einzelner Spieler hält, es gilt gemeinhin als mindestens unterkühlt - nun könnte ein kleiner Tauprozess eingesetzt haben.

Bayern München: Niko Kovac voll des Lobes für James

"Ich habe immer schon gesagt, dass er ein außerordentlich guter Fußballer ist. Wir mussten ihn nach seiner Verletzung wieder etwas ranführen, aber wenn er fit ist, dann spielt er wie gegen Berlin: Klasse", befand Kovac.

Anerkennende Worte, die James' Miene noch mehr erhellten. "Das ist schön", freute er sich im Gespräch mit den Journalisten bezüglich der positiven Resonanz seines Übungsleiters. "Ich will der Mannschaft helfen, einen guten und schönen Fußball zu spielen." Ein gelungenes Vorhaben, wie die anschließenden Äußerungen seiner Mitspieler belegen. "Ich nehme ihn sehr positiv wahr, er ist ein überragender Spieler, der viel Erfahrung auf hohem Niveau mitbringt. Er will immer den Ball haben", sagte David Alaba nach dem Triumph über die Knappen. Er ergänzte metaphorisch: "Der Ball ist bei ihm eingesperrt wie in einem Safe. Das tut uns sicherlich gut. Er hat die Fähigkeit ein Spiel zu lenken."

Auch Robert Lewandowski, der von James' millimetergenauen Zuspielen profitierte, schwärmte: "Er hat gezeigt, wie gut er ist. Es ist gut für uns, dass wir solche Spieler haben." Zu guter Letzt stimmte noch Sportdirektor Hasan Salihamidzic in die Lobeshymnen ein. "Er hat in den letzten Spielen sehr gut gespielt, dem Spiel seinen Stempel aufgedrückt. Er war heute einer der Besten", sagte der Bosnier.

Tatsächlich spiegelte sich Brazzos Einschätzung auch in den Zahlen wider: James wartete mit der besten Zweikampfbilanz der kompletten Mannschaft auf (80 Prozent), gab nach Mittelstürmer Lewandowski die meisten Torschüsse ab und spielte die zweitmeisten Pässe, bei einer Quote von 90 Prozent.

James: Liverpool? "Ich habe große Lust"

Die Leistung des Linksfußes wurde natürlich besonders mit Hinblick auf die nahe Zukunft mit Argusaugen betrachtet, steht doch am kommenden Dienstag das Hinspiel des Champions-League-Achtelfinals beim FC Liverpool an, bei dem James als sicherer Kandidat für die Anfangsformation gilt. "Ich habe große Lust. Man darf keine Fehler begehen, muss immer voll auf der Höhe sein", sagte er, auf den Königsklassen-Kracher angesprochen. "Es werden harte Spiele gegen Liverpool, aber wir sind eine starke Mannschaft."

Doch nicht nur auf kurze Sicht macht der sportliche Aufschwung des Schöngeistes Hoffnung. Bereits vor dem Schalke-Spiel hatte Kovac angemerkt, dass Leistungen wie die in Berlin "das beste Argument für seine Zukunft" seien. Dem wäre eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, hätte der Protagonist diese am Samstagabend nicht selbst zum wiederholten Male offengelassen: "Ich weiß nicht, wo meine Zukunft liegt. Meine Gegenwart heißt Bayern München und darauf will ich mich in den nächsten vier Monaten konzentrieren. Was danach passiert, werden wir sehen."

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