Fussball

Mats Hummels im Interview: "Solche Fehler sind mir seit 2010 nicht mehr passiert"

Von SPOX
Mats Hummels erwischte einen gebrauchten Tag bei seinem ehemaligen Arbeitgeber.
© getty

Mats Hummels hat sich nach dem 2:3 von Bayern München zu Borussia Dortmund zu seiner Auswechslung geäußert und über den Sieben-Punkte-Vorsprung der Dortmunder in der Tabelle gesprochen. Zum Schiedsrichter hat er eine klare Meinung, ebenso wie zum Leistungseinbruch in der zweiten Hälfte.

SPOX zeichnete das Interview in der Mixed Zone im Signal Iduna Park auf.

Frage: Mats Hummels, wie geht es Ihnen? Sie sind angeschlagen ins Spiel gegangen?

Mats Hummels: "Ja. Mich hat es leider gestern ein bisschen, heute dann richtig erwischt. Ich habe es natürlich unbedingt versuchen wollen. Erstens in einem solchen Spiel, zweitens natürlich für mich persönlich. Man hat dann aber, vor allem in den beiden Szenen, gesehen, dass mein Kopf nicht so ganz da war. Ansonsten ging es eigentlich, aber zwei solche Fehler sind mir seit 2010 oder so nicht mehr passiert. Deswegen habe ich auch nach dem zweiten Mal gesagt: Das macht jetzt keinen Sinn. Nicht dass ich noch so ein Ding drin habe und wir fangen uns daraus einen. Die ersten beiden Male hatte ich schon Glück, dass daraus kein Tor fiel. Das ist natürlich ärgerlich.

Frage: Wie bewerten Sie das Spiel?

Hummels: "Es ist ganz schwierig zu bewerten, weil wir eine sehr, sehr gute erste Halbzeit gespielt haben, das Ding komplett dominiert haben und verdient mit der Führung in die Pause gehen. Dann wurde es in der zweiten Halbzeit von Minute zu Minute offener. Unsere Konter-Unterbindung haben wir in der ersten Halbzeit wirklich perfekt gemacht. Vorne schon und im Mittelfeld, wo wir es richtig gut geschafft haben, die Schnellangriffe, die ganz große Stärke [der Dortmunder], nicht zuzulassen. Das wurde in der zweiten Halbzeit ein bisschen offener, natürlich auch durch einfache Ballverluste, durch individuelle Fehler wie eben zum Beispiel von mir. Und so ist dann im Endeffekt das 2:3 gefallen."

Frage: Was bedeuten sieben Punkte Rückstand für die Saison?

Hummels: "Es wird sich zeigen, in welche Richtung das geht. Bis zur Winterpause sind es noch sechs Spiele, wenn man da noch etwas gutmacht, sieht es gar nicht so schlimm aus. Wenn wir bis dahin aber noch ein paar Punkte verlieren, ist der Rückstand riesig. Deswegen müssen wir schauen, dass wir unsere Aufgaben erledigen. Dass wir auf der ersten und Teilen der zweiten Halbzeit in den nächsten Wochen aufbauen und wieder zu dem Spiel finden, was uns eigentlich ausmacht. Das haben wir die letzten Wochen zu oft vermissen lassen."

Mats Hummels rechnet in Meisterschaftsrennen mit BVB

Frage: Droht in diesem Jahr endgültig die Wachablösung?

Hummels: "Das kann natürlich sein, dass es einen anderen Meister gibt. Das Wort 'Wachablösung' klingt immer sehr dauerhaft. Aber für diese Saison, wenn man sieht wie der BVB spielt und dass sie sieben Punkte vorne sind, wäre es arg vermessen, es nicht für realistisch zu halten, dass es so kommen könnte."

Frage: Wieso hat das Team nicht in jedem Spiel bisher eine solche Leidenschaft gezeigt wie heute? Karl-Heinz Rummenigge hat gesagt: "Heute war endlich wieder das Feuer da in der Mannschaft." Warum braucht es ein solches Spiel?

Hummels: "Weiß ich auch nicht ganz, muss ich gestehen. Aber es stimmt, heute war es wirklich schön, es hat Spaß gemacht. Wir hatten Esprit und Feuer auf dem Platz, waren eine Mannschaft. Vielleicht schaffen wir es, das in die nächsten Wochen zu transportieren, so dass wir aus dieser Situation eine neue Stärke entwickeln."

Frage: Die Bosse haben das Spiel sehr positiv bewertet und fast schon vom Spiel geschwärmt. Ist bei den Spielern die Stimmung eine andere?

Hummels: "Zumindest einen Punkt hätten wir natürlich gern mitgenommen. Lewy in der 90., das wäre moralisch natürlich ein Riesending gewesen. Wir haben zwei Abseitstore geschossen. Aber klar, man muss auch sagen, dass allein Marco Reus noch drei Riesendinger hatte, die er hätte machen können. Es war ein enorm temporeiches Spiel. Darauf bauen wir auf, dass wir eben das wieder reingebracht haben, dass wir in Dortmund extrem dominant gespielt haben, was uns ja zuletzt nicht einmal gegen die vermeintlich klaren Außenseiter gelungen ist. Das stimmt positiv. Aber am Ende will man Ergebnisse mitnehmen und deshalb geht von den Spielern keiner glücklich nach Hause, glaube ich."

FC Bayern im zweiten Durchgang mit Schwächen in der Defensive

Frage: Wie fanden Sie die Schiedsrichterleistung?

Hummels: "Die Abseitstore waren ja anscheinend eindeutig, ich habe es nicht gesehen. Den Elfmeter kann man wahrscheinlich geben, vielleicht muss man ihn sogar geben. Diese Szenen gibt es ja oft, wo man nur den Kontakt haben will. Ich habe ehrlich gesagt nicht viel Schlimmes gesehen."

Frage: Bayern hat zweimal geführt. Warum schafft man es nicht, den Vorsprung über die Zeit zu retten?

Hummels: "Das ist eine sehr gute Frage. Weil wir in der zweiten Halbzeit zu viele Chancen zugelassen haben."

Frage: Und warum?

Hummels: "Zwei Chancen gehen ja allein auf einen Ballverlust von mir, einmal hatte Leon einen ähnlichen rechts hinten. Da haben wir es dem Gegner zu einfach gemacht. Wie gesagt: Ich finde, dass wir die Konter-Unterbindung in der ersten Halbzeit perfekt gemacht haben, in der zweiten Halbzeit haben wir das in allen Mannschaftsteilen nicht mehr so gut verteidigt."

Mats Hummels widerspricht Lucien Favre: Kein "Kraftthema"

Frage: Hat Niko Kovac die Mannschaft heute besonders heiß gemacht? Das Spiel war in 211 Ländern zu sehen.

Hummels: "Wir waren auf jeden Fall heiß, das hat man gesehen. Wir wollten zeigen, dass wir viel besser sind, als wir es die letzten Wochen auf dem Platz gezeigt haben. Das ist uns teilweise wirklich sehr gut gelungen. Aber am Ende ist leider entscheidend, dass wir mit einem 2:3 nach Hause gehen."

Frage: Lucien Favre hat in der Halbzeit gesagt, dass die Bayern das Tempo nicht halten können. Hatten Sie das Gefühl, dass Ihr Team überdreht hat?

Hummels: "Nein. Keineswegs. Das glaube ich nicht."

Frage: Aber in der zweiten Halbzeit kamen die Dortmunder ins Rollen.

Hummels: "Sie wären auch schon gerne in der ersten Halbzeit ins Rollen gekommen, aber da haben wir es noch besser gemacht. Ich glaube nicht, dass das ein Kraftthema war. Das kann ich mir nicht vorstellen."

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