Fussball

Kommentar zur Bayern-Krise: Kovacs Handschrift ist nicht erkennbar

Niko Kovac steckt mit dem FC Bayern in der Krise.
© getty

Niko Kovac ist für die Krise des FC Bayern München nicht alleinverantwortlich, das größte Problem kann aber nur er ändern. Ansonsten steht sein Job auf dem Spiel. Ein Kommentar von SPOX-Chefredakteur Martin Volkmar.

Für Grundschüler, die Fans des FC Bayern sind, ergibt sich derzeit erstmals in ihrem Leben eine vergleichbare Situation wie sie für Anhänger anderer Bundesligisten seit Jahren normal ist:

Ihr Klub spielt schlechten Fußball, gewinnt zu selten und die Verantwortlichen wirken völlig ratlos, wie sie die Wende zum Besseren schaffen sollen.

Vier Pflichtspiele im eigenen Stadion ohne Sieg gab es zuletzt vor 17 Jahren unter Ottmar Hitzfeld, damals wurde der Rekordmeister am Ende nur Dritter.

Fehlstart: Kovac auf Spuren von Louis van Gaal

Und einen so schwachen Saisonstart wie unter Niko Kovac legten die Münchner zuletzt vor acht Jahren unter Louis van Gaal hin. Einige Monate später musste der Niederländer vorzeitig gehen, weil der FCB abgeschlagen hinter Borussia Dortmund im Ziel landete.

Beide Szenarien sind auch aktuell nicht auszuschließen. Sollte der BVB unter Lucien Favre mit einem Sieg im direkten Vergleich am Samstag seinen Vorsprung auf sieben Punkte ausbauen und auch danach tatsächlich ohne Formdelle auskommen, könnte es erstmals seit 2012 einen anderen deutschen Meister als den FC Bayern geben.

Spätestens dann würde es für Kovac noch ungemütlicher werden, als es ohnehin schon ist. Der im Sommer mit viel Vorschusslorbeeren geholte Chefcoach ist angeschlagen, das zeigen zahlreiche Indizien, vom passiven Widerstand in der Kabine über die fehlende öffentliche Rückendeckung der Oberbosse bis hin zum bezeichnenden Instagram-Wutpost von Lisa Müller.

FC Bayern: Keine eindeutige Spielphilosophie erkennbar

Den Verzicht der Vereinsführung auf einen Umbau des überalterten Kaders kann man Kovac nicht vorwerfen, die Formschwäche fast aller Leistungsträger schon eher. Vor allem aber fehlt dem Bayern-Spiel auch vier Monate nach dem Dienstantritt des Trainers jegliche Spielphilosophie, die Auftritte sind behäbig, uninspiriert, ohne Tempo und Konzept.

Kovacs einziger Vorteil ist, dass die Meisterschaft noch nicht in der Hinrunde entschieden wird und das Weiterkommen in der Champions League so gut wie sicher ist. Trotzdem wird die Unruhe noch größer werden, wenn die Ergebnisse weiter ausbleiben und - noch wichtiger - keine Handschrift des Trainers erkennbar wird.

Es liegt also ungeachtet aller unverschuldeten Probleme vorrangig an Kovac selber, wie lange er noch an der Säbener Straße arbeiten wird.

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