Fussball

FC Bayern defensiv historisch schlecht: Die Verteidigung wurde aufgegeben

© getty

Trainer Niko Kovac galt bei seiner Ankunft beim FC Bayern München als ausgewiesener Defensivexperte. Mitten in der Krise und vor dem Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon (21 Uhr im LIVETICKER) wird aber deutlich: die Defensive zählt zu den Hauptproblemen der Mannschaft.

Als Kovac nach diesem 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf über die Defensivleistung seiner Mannschaft zu sprechen begann, machte er es nicht besser, als seine Spieler zuvor auf dem Platz. Kovac unterlief ein individueller Fehler. "Wir haben jetzt schon sieben ...", sagte er, hielt kurz inne und korrigierte sich: "17 Gegentreffer, Entschuldigung." Es wirkte, als könnte er es selbst nicht glauben. Und deshalb sprach er es gleich nochmal aus: "17 Gegentreffer in zwölf Spielen beim FC Bayern München sind definitiv zu viel."

Und wie Kovac da Recht hatte! Der FC Bayern erlebt gerade ein Dauerversagen seiner Defensivabteilung, wie er es schon lange nicht mehr erlebt hat. In der Saison 2015/16 kassierte der FC Bayern unter Trainer Pep Guardiola zwar auch mal 17 Gegentore - jedoch in der gesamten Saison. Im Jahr zuvor war es nur eines mehr. Mindestens 17 Gegentore zu diesem Saisonzeitpunkt gab es zuletzt 2008/09, der letzte Meistertitel trotz so vieler Gegentore datiert aus der Saison 1973/74.

Die Gründe für das damalige Defensivversagen sind nicht mehr ganz genau auszumachen. Farbfernsehen gab es noch nicht so lange, die Aufnahmen sind teilweise unscharf. Von der jetzigen Zeit gibt es dafür umso mehr hochauflösende Aufnahmen: aus allen Winkeln und Ecken der Allianz Arena wurden natürlich auch diese drei Gegentore gegen Düsseldorf mitgefilmt.

"Ich habe mir die Tore auch nochmal angeschaut", versicherte Kovac nach dem Spiel, verriet aber nicht, welchem Genre er das Gesehene zurechnen würde. Präsident Uli Hoeneß, der das Spiel von der Tribüne aus verfolgt hatte, war da etwas konkreter. Er hätte so etwas wie diese drei Gegentore "bislang nur in Slapstick-Filmen gesehen". Wo und wie oft sich Hoeneß sogenannte Slapstick-Filme ansieht und was das eigentlich genau ist, blieb leider offen. Leon Goretzka, der auf dem Platz stand, rezensierte: "Es war wie in einem schlechten Film."

Drei Szenen aus einem schlechten Film

Die erste der drei besagten Szenen spielte sich in der 44. Minute ab. Da lief Düsseldorfs Jean Zimmer zunächst einfach Jerome Boateng und Javi Martinez davon, bremste ab, fiel bei einem Fallrückzieherversuch auf den Boden und passte den Ball dann im Sitzen durch Boatengs Beine in die Mitte, wo Dodi Lukebakio relativ unbedrängt von Niklas Süle zum 1:2 einschoss.

Die zweite Szene folgte dann in der 77. Minute: Martinez und Leon Goretzka grätschten im Mittelfeld relativ wild durch die Gegend, bevor Niko Gießelmann den Ball nach vorne schoss. Diesmal rannte Lukebakio Süle davon und machte das 2:3.

Den vermeintlich krönenden Abschluss gab es dann in der dritten Minute der Nachspielzeit. Da segelte ein hoher Ball auf die beiden Innenverteidiger Boateng und Süle zu. Ersterer spekulierte auf Abseits, rückte raus, und versuchte den Ball vergeblich per Kopf zu erwischen. Zweiterer lief zeitgleich und ebenso vergeblich hinter Lukebakio her, der schließlich das 3:3 erzielte.

Boateng, Süle, Hummels - und ein Satz, der wie Hohn wirkt

"Das sind individuelle Fehler, die kein Trainer der Welt verhindern kann. Das muss der Spieler so lösen, wie er es eben lösen muss", sagte Kovac. Bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Benfica ergänzte er: "Das Verteidigen ist eigentlich relativ einfach." Er sagte es resignativ, verzweifelt, sich dem Schicksal fügend. Es klang ein bisschen wie: das kann doch nicht sein! Und auch ein bisschen wie: ich tue doch eh alles, aber die Spieler lassen mich einfach im Stich!

Und das nicht zum ersten Mal. Schon bei der vorangegangenen 2:3-Niederlage bei Borussia Dortmund gab es ähnliche Szenen zu beobachten. Damals in der Hauptrolle: Mats Hummels, der gegen Düsseldorf zunächst nur auf der Bank saß. Hummels sind solche Fehler nach eigener Aussage "seit 2010 oder so" nicht mehr passiert.

Es scheint aktuell ohnehin relativ egal zu sein, wer von dem Trio aus Boateng, Süle und Hummels in der Innenverteidigung spielt: individuelle Fehler passieren eigentlich in jedem Spiel. "Alle drei sind auf einem Niveau, da gibt es keine Unterschiede", sagte Kovac während der Saisonvorbereitung über das Trio. Ein Satz, der aus heutiger Perspektive fast schon wie Hohn wirkt.

Düsseldorf-Trainer Friedhelm Funkel sprach dem Trio bei Sky "Selbstvertrauen und Grundschnelligkeit" ab, Boateng sei sich sogar "zu bequem, hinterherzurennen" und über den FC Bayern sagte Funkel ganz allgemein: "Die Basis bleibt die Defensive und die ist im Moment sehr schwach. Man weiß, dass man gegen Bayern im Konter Tore erzielen kann und dass die Mannschaft nicht stabil steht."

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