Fussball

James Rodriguez' Situation beim FC Bayern: Alles wie im letzten Jahr?

Dienstag, 11.09.2018 | 09:29 Uhr
James Rodriguez muss sich bei den Bayern wieder in die Stammelf spielen.
© getty

Unter dem neuen Bayern-Trainer Niko Kovac wartet James Rodriguez noch auf seinen ersten Einsatz von Beginn an. Das liegt auch an der Verletzung, die der Kolumbianer von der WM aus Russland mitbrachte. Nach der Länderspielpause könnte James jedoch endlich Fahrt aufnehmen.

Er hätte es seinen Kollegen vom FC Bayern sehr gern gleichgetan.

Manuel Neuer, Mats Hummels, Jerome Boateng, Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Thomas Müller waren in der Länderspielpause für die Nationalmannschaft unterwegs, um den schalen Geschmack der WM 2018 endlich aus dem Mund zu spülen. Unentschieden gegen Weltmeister Frankreich, ein knappes 2:1 über Peru. Keine Glanzleistungen, aber ein Schritt in die richtige Richtung, wie unisono betont wurde.

James Rodriguez hätte ebenfalls liebend gerne sein Nationaltrikot übergestreift. Schließlich endete seine WM ebenfalls durchaus bitter: Nach dem Einzug in die K.o.-Runde sah man ihn das letzte Mal, als er seinen Platz in der Spartak Arena kurz vor der Pause des Achtelfinals gegen England verließ. Seinen Platz auf der Tribüne - eine Verletzung aus dem dritten Gruppenspiel gegen den Senegal hatte einen Einsatz unmöglich gemacht.

Kolumbien verlor im Elfmeterschießen. James, der Shootingstar von Brasilien, musste in den Katakomben zuschauen. Doch statt den nächsten WM-Zyklus gegen Venezuela (2:1) und in der Nacht auf Mittwoch gegen Argentinien einzuläuten, grüßte der 27-Jährige in seinen sozialen Medien am Sonntag aus Jerusalem. Ein Kurzausflug, um Kraft zu tanken für die nächsten Aufgaben.

James Rodriguez beim FC Bayern: Publikumsliebling 2017/18

Schließlich hatte er die Länderspielreise abgesagt, um mit dem verbliebenen Rumpfkader der Bayern zu trainieren. Sogar Extraschichten legte der Spielmacher an der Säbener Straße ein, paukte individuell Kondition mit Fitnesstrainer Dr. Holger Broich. Ziel: die Rückkehr in die Stammelf.

Wie schon in der letzten Saison, als der Neuzugang von Real Madrid die Fans mit seinem linken Fuß verzückt hatte, ob im Kombinationsspiel, mit dem tödlichen Pass, dem ruhenden Ball oder dem Abschluss aus dem Spiel heraus.

Trotz der starken Konkurrenz war James unter Jupp Heynckes nach ein paar Wochen gesetzt. Ab Ende Oktober, als der Bayern-Zug nach der Rückkehr von Heynckes wieder voll Fahrt aufgenommen hatte, wurde der Kolumbianer nur zweimal nicht eingesetzt, sieht man von einer Verletzungspause im Februar/März ab. Die K.o.-Spiele gegen Real Madrid bestritt er von Beginn an, auch im Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt spielte er durch. Acht Tore und 14 Vorlagen in allen Wettbewerben, dazu Publikumsliebling.

James Rodriguez bei den Bayern

Pflichtspiele41
Startelf30
Minuten2.665
Tore8
Assists14
Minuten/Torbeteiligung121
Chancenverwertung17 Prozent
Passquote90 Prozent
Zweikampfquote48 Prozent
Ballaktionen/90 Minuten98

James: Gerüchte um eine Rückkehr zu Real Madrid

Unter Niko Kovac wurden die Karten dann neu gemischt - und James hatte das Pech, verletzt aus Russland zurückzukehren. Die Waden-Einblutung aus dem Senegal-Spiel bedeutete mehrere Wochen Pause. Als er dann mit Rückstand ins Training einstieg, kam auch noch eine Sprunggelenksverletzung dazu.

Zudem wurde in der Presse fleißig über einen Abgang von den Bayern spekuliert. Könne er seine Leihe vorzeitig abbrechen und nach dem Abgang von Zinedine Zidane wieder zu Real Madrid zurückkehren? Würde Kovac nicht auf ihn bauen und eher deutschsprachige Spieler bevorzugen? Sogar eine Nichtmeldung für die Königsklasse machte die Runde, um einen Abgang in der Winterpause zu einem großen Klub zu ermöglichen.

Alles Kokolores. "Ein toller Fußballer, ein toller Spieler", schwärmte Kovac über seine Nummer 11. Er "gehe davon aus, dass er uns alle glücklich machen wird. Wir wollen erfolgreich sein, da zählt er mit dazu." James wurde natürlich für die Champions League gemeldet, und überhaupt: Ein vorzeitiges Ende der Ausleihe wäre vertraglich gar nicht möglich.

Spielt James gegen Bayer Leverkusen von Beginn an?

Trotzdem muss sich James seinen Platz in der Stammelf erst wieder verdienen. Im Supercup reichte es nicht für den Kader, in der Bundesliga wurde er zweimal kurz vor Ende eingewechselt - einmal für Franck Ribery, einmal für Arjen Robben. Mit beiden trainierte er nun während der Länderspielpause und konnte seinem Ziehvater Jose Pekerman nach dessen Abgang als Nationalcoach lediglich Abschiedsgrüße in den sozialen Medien zukommen lassen.

Hätte er die Reise nach Südamerika angetreten und die beiden Spiele absolviert, James wäre frühestens am Donnerstag nach München zurückgekehrt. Ein Einsatz am Samstag gegen Bayer Leverkusen (15.30 Uhr im LIVETICKER) wäre ausgeschlossen gewesen, und auch im Hinblick auf den Champions-League-Auftakt vier Tage später bei Benfica hätte er erneut einen Rückstand aufholen müssen.

So winkt am Wochenende vielleicht schon ein Einsatz von Beginn an. Zwar haben Robben und Ribery ebenfalls keine Länderspiele in den Knochen, aber James' großes Plus im offensiven Mittelfeld der Bayern ist, dass er der vielleicht vielseitigste Pfeil in Kovacs Köcher ist: Er ist nicht nur ein Mann für die Außen, sondern auch für die Doppel-Acht, mit der Kovac bislang spielen ließ. Dort geht es gegen Müller, Goretzka und Thiago, aber die haben allesamt Nations League gespielt.

James Rodriguez: Vielseitigkeit ist sein Trumpf

Ob ein längerer Auftritt gegen die Werkself schon reicht, um sich in der Stammelf festzusetzen, ist fraglich. Auch nach der Verletzung von Kingsley Coman ist die Konkurrenz immer noch enorm. Kovac schwört weiter auf Robbery, Müller legte im Zentrum einen hervorragenden Saisonstart hin. Auch Neuzugang Goretzka wusste zu überzeugen, und Serge Gnabry drängt mittelfristig auch wieder auf Einsätze.

Aber James' Vielseitigkeit macht ihn zumindest zum ersten offensiven Einwechselspieler von der Bank, außerdem wird es für Robben und Ribery abgesprochene Pausen geben. Dann kann sich auch Kovac davon überzeugen, dass die feine Klinge des Weltstars aus Südamerika in der Bundesliga einzigartig ist.

Gut möglich, dass die Saison einen ähnlichen Verlauf nimmt wie unter Heynckes: Am Anfang noch kurz außen vor - am Ende unverzichtbar.

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