Fussball

Kingsley Coman beim FC Bayern München: Weg mit dem nervigen Kronprinzen-Status

Dienstag, 21.08.2018 | 09:33 Uhr
Kingsley Coman will beim FC Bayern zur Königslösung auf der Außenbahn werden.
© getty

Kingsley Coman steht vor einer entscheidenden Saison beim FC Bayern München. Die Zeit der Flügelzange aus Franck Ribery und Arjen Robben geht ihrem Ende entgegen, Coman ist der legitime Nachfolger. Nun ist der Flügelflitzer in der Pflicht, seine Chance zu ergreifen.

Einen Gamechanger braucht der FC Bayern nach einer knappen Stunde im Supercup gegen Eintracht Frankfurt nicht mehr. Es steht schließlich schon 3:0. Die Startelf hat den Auftrag erledigt. Die Auswechslungen von Niko Kovac sollen zu diesem Zeitpunkt nicht mehr die Statik des Spiels beeinflussen. Vielmehr ist es ein Schaulaufen der Einwechselspieler. Zeigt mir, was ihr könnt! Macht das Beste aus den euch bleibenden Minuten!

Kingsley Coman tut das. Die Einwechslung für Arjen Robben hat Symbolcharakter. Der Platzhirsch weicht, der Kronprinz kommt. Und der Kronprinz liefert.

In einer halben Stunde macht der Franzose ordentlich Dampf und mit den Frankfurter Verteidigern zumindest streckenweise, was er will. Wenige Minuten nach seiner Einwechslung nutzt er einen Fehler von Eintracht-Keeper Frederik Rönnow und schiebt den Ball aus kürzester Distanz zum 4:0 ins leere Tor. Später macht er Carlos Salcedo im Strafraum nass und legt Thiagos Treffer zum 5:0 auf. Ein Tor und ein Assist in einer halben Stunde - Comans Arbeitsnachweis im Supercup kann sich sehen lassen.

Nicht weniger erwartet der Angreifer allerdings auch von sich. Und nicht weniger erwarten die Verantwortlichen des FC Bayern von ihm.

Kingsley Coman als Nachfolger für Franck Ribery und Arjen Robben

Die kommende Saison wird eine entscheidende für Coman und seine Zukunft beim FC Bayern. Schließlich neigt sich die Zeit der Vereinslegenden Franck Ribery und Arjen Robben tatsächlich dem Ende entgegen. Zwar bekamen beide noch einmal Einjahresverträge, stand jetzt gehen sie aber in ihre letzte Saison beim FC Bayern. Lange geht das Spiel so nicht mehr, für diese Prognose genügt ein Blick in die Spielerpässe (Ribery ist 35, Robben 34). Klar ist, dass beide sicherlich keine 50 Pflichtspiele mehr bestreiten werden. Wie eben in den letzten Jahren auch. Stichwort Belastungsdosierung.

Umso wichtiger ist die Rolle von Coman. Er soll sein Potenzial endlich konstant und dauerhaft abrufen und den Status des Kronprinzen in die Tonne kloppen.

Kingsley Coman: Statistiken beim FC Bayern

WettbewerbSpieleTore
Bundesliga639
DFB-Pokal122
Champions League164
Supercup31

Coman machte unter Jupp Heynckes wichtige Schritte

Hinsichtlich seiner Fähigkeiten ist Coman der prädestinierte Nachfolger für Rib und Rob. Er ist schnell, dribbelstark und gut im Eins-gegen-eins. Zudem machte er unter Jupp Heynckes sichtbare Fortschritte in Sachen Effizienz. Seine Flanken flogen nicht mehr so vogelwild durch die Lüfte wie noch zuvor unter Carlo Ancelotti. Heynckes wies ihn an, auch mal auf den Ball zu treten und zu überlegen, bevor er flankt. Die Qualität seiner Zuspiele stieg ebenso wie die seiner Abschlüsse.

Nach anderthalb enttäuschenden Saisons unter dem nicht unbedingt als Youngster-Förderer bekannten Ancelotti war Coman wieder auf dem Leistungsniveau angelangt, mit dem er unter Pep Guardiola große Erwartungen geschürt hatte. In den wichtigen Spielen war er bei Heynckes gesetzt, in der französischen Nationalmannschaft war er mindestens im erweiterten Stammspielerkreis.

Dann kam der Februar, dann kam der Syndesmosebandriss und einmal mehr verbrachte Coman monatelang mehr Zeit im Krankenbett und in der Rehaklinik als auf dem Rasen. Im dritten Jahr in Serie fiel Coman lange aus.

Verletzung kostet Kingsley Coman die WM-Teilnahme

Die jüngste Verletzung war die bitterste in Comans bisheriger Karriere. Er verpasste beinahe den gesamten Saisonendspurt. Sein Comeback als Einwechselspieler im Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt reichte nicht, um letztlich auf den WM-Zug aufzuspringen. Coman war einer der großen Härtefälle im französischen WM-Kader.

Der 22-Jährige teilt seit diesem Sommer das Schicksal mit einem wie Marco Reus. Der BVB-Star war 2014 ebenfalls fester Bestandteil und Hoffnungsträger der Nationalmannschaft, fiel aber letztlich verletzungsbedingt aus und war beim Titelgewinn seiner Kollegen nur Zuschauer.

Nun also Coman. Angesichts der enormen Qualität im französischen Offensivspiel - immerhin zeigte beispielsweise Kylian Mbappe in Russland ein enormes Niveau - wäre er vielleicht nicht zwangsläufig gesetzter Stammspieler gewesen, aber mindestens in der Rotation. Das zeigten auch seine Einsatzzeiten bei den Länderspielen vor seiner Verletzung. "Ich war in sehr guter Form und am Anfang natürlich traurig", gab Coman zu, "trotzdem habe ich mich für Frankreich gefreut. Da ich nicht dabei war, fühle ich mich aber nicht als Weltmeister."

Coman: "Ich kann noch zwei Weltmeisterschaften spielen"

Das Ziel, Weltmeister zu werden, hat Coman in diesem Jahr nicht erreicht. Aus den Augen verliert er es deswegen aber noch nicht: "Ich bin noch jung und kann noch zwei Weltmeisterschaften spielen."

Coman ist ein Versprechen an die Zukunft. Die bitteren letzten Monate sind für ihn aber nicht nur Ansporn, sie bedeuten auch Druck. In der Equipe Tricolore muss er an den Weltmeistern schließlich erst einmal vorbeikommen. Um den Grundstein dafür zu legen, muss er im Verein zwingend konstant auf hohem Niveau spielen. Das erwartet sein Nationaltrainer, das erwartet er selbst, das erwartet der FC Bayern.

Verpflichtet der FC Bayern im kommenden Sommer Megastars?

Seit seiner Ankunft war der Generationswechsel in der Münchner Offensive ein schwelendes Thema. Mit dieser Saison ist dieser auch offensiv kommuniziert. Erst am Sonntag bei Sky bestätigte das Uli Hoeneß wieder. Bei den Verlängerungen von Ribery und Robben sei ein klares Thema gewesen, dass diese auch mal auf der Bank sitzen würden. Dieses "auch mal" könnte sich häufen, wenn die jungen Vertreter nachhaltig liefern. Bis der Übergang schließlich vollzogen ist.

Coman gibt sich noch zurückhaltend und verweist auf die Vorbildfunktion der alten Recken: "Ich will so viel wie möglich spielen, bin aber auch um jeden Rat dankbar. Beide sind große Spieler und haben viel erreicht."

In dieser Saison hat Coman seine Zukunft in der Hand. Er muss den Status des Kronprinzen wegwerfen und sich den Status als Außenstürmer Nummer eins schnappen. Von seinen Performances wird es nämlich auch abhängen, für wie nötig die Bayern-Verantwortlichen im kommenden Sommer eine oder sogar mehrere hochpreisige Neuverpflichtungen halten. Die Rechnung: Entweder Coman wird zum Megastar oder der Klub holt einen Megastar.

Bislang kam Coman in beiden Pflichtspielen der Saison von der Bank. Künftig will er das nicht mehr sein. Das Zeug dazu hat er, doch er muss nun auch liefern. Dauerhaft.

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