Die Familie versammelt sich

Dienstag, 14.11.2017 | 09:06 Uhr
Uli Hoeneß wurde im November 2016 wieder zum Präsidenten des FC Bayern gewählt
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Der FC Bayern München holt Dr. Hans Wilhelm Müller-Wohlfahrt zurück und Interimstrainer Jupp Heynckes gibt öffentlich Tipps zur sportlichen Zukunft des Klubs. Die beiden Personalien zeigen, dass Präsident Uli Hoeneß sein Erbe auf seine ganz eigene Art regelt.

Schwarzenbeck, Beierlorzer, Pflügler, Jeremies. Wer sich die Mitarbeiterliste des FC Bayern München in den vergangenen Jahren angesehen hat, weiß, dass der Klub an der Säbener Straße auch wie ein Familienunternehmen funktioniert. Von den Breitners und Hoeneß' ganz zu schweigen

Bei einem weltweit operierenden Unternehmen, das mittlerweile über 600 Millionen Euro Umsatz pro Jahr generiert, ist gerade im Freistaat Bayern die Grenze zwischen Spezlwirtschaft und noch zu akzeptierender Postenbesetzung fließend.

Wer will, kann beim FC Bayern wie in der CSU von Filz sprechen, bei Uli Hoeneß wird er damit aber nur für Kopfschütteln sorgen. Der Präsident hat den FC Bayern über Jahrzehnte nach diesem familiären Muster geführt und erst zu diesem Global Player gemacht, der er heute ist.

Hoeneß will zurück zu den Wurzeln

Seit Hoeneß nach seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung als Präsident und Vorsitzender des Aufsichtsrats in den Verein zurückgekehrt ist, werden viele Entscheidungen wieder nach dem alten Muster gefällt.

Sein stärkstes öffentliches Statement hat Hoeneß bei der Vorstellung Hasan Salihamidzic' als Sportdirektor gemacht. Die Entscheidung pro Brazzo sei die naheliegendste gewesen, der FC Bayern müsse im internationalen Konkurrenzkampf zu seinen Wurzeln zurückkehren und sozusagen wieder Mia san Mia wagen.

Die Rückholaktion von Jupp Heynckes als sportlicher Retter in der Not und die bevorstehende Installation von Hans Wilhelm Müller-Wohlfahrt als Teamchef eines von ihm geleiteten Ärzteteams unterstreichen diesen Kurs.

Wer wird nächster Bayern-Trainer?

Nach progressiveren Jahren mit Pep Guardiola, Matthias Sammer und Michael Reschke, die von außerhalb kamen und sich nur kurzzeitig in der FCB-Familie gehalten haben, hat Hoeneß innerhalb einiger Monate wieder eine Vielzahl von alten Vertrauten um sich versammelt.

Die Zukunft des Klubs liegt wieder in den Händen eines Ältestenrats, der eine zweite Chance bekommt, um seine Nachfolge endgültig zu regeln. Heynckes, der 2013 bei dieser Entscheidung übergangen und einfach durch Guardiola ersetzt wurde, nutzt gerade seine Stellung als Heilsbringer, um auch öffentlich seine Tipps zu hinterlegen.

Wohin die Reise beim FC Bayern dann geht, wird auch die Entscheidung auf der Trainerposition zeigen. Holen die Münchner einen Coach aus der Riege Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann, der keine FCB-Vergangenheit hat, oder wagen sie einen Versuch mit einem Ex-Spieler wie Ralph Hasenhüttl oder Niko Kovac? Vielleicht wird es aber auch wieder ein Mix wie in der Endphase bei Carlo Ancelotti mit einem Ex-Spieler an dessen Seite - nur etwas besser vorbereitet.

Die Gedankenspiele an der Säbener Straße werden auf jeden Fall wieder von Hoeneß und seinen Gefolgsleuten bestimmt. Wie sehr das der Familie gefällt, wird man in zehn Tagen sehen. Dann findet die Jahreshauptversammlung des Klubs statt. Vor einem Jahr wurde Hoeneß dort mit 98,5 Prozent zum Präsidenten gewählt.

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