Große Erwartungen

Freitag, 13.10.2017 | 17:00 Uhr
Jupp Heynckes ist zum vierten Mal Trainer des FC Bayern München
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Der Trainerwechsel beim FC Bayern München von Carlo Ancelotti auf Jupp Heynckes hat zumindest in Sachen Stimmung seine Wirkung nicht verfehlt. Der 72-jährige Heynckes gibt sich vor seiner Rückkehr in die Bundesliga gegen den SC Freiburg (Sa., 15.30 Uhr im LIVETICKER) offen und gelassen. Seine Rückkehr und sein Auftreten schüren aber auch Erwartungen, die er und sein Team schnell erfüllen sollten.

Ohne Haustiere geht beim FC Bayern im Moment nur wenig. Auch am Freitag kam die Sprache im Presseraum an der Säbener Straße auf Cando. Wer die letzten Tage nicht komplett von der Welt abgeschnitten war, dürfte wissen, wer Cando ist. Für alle anderen: Cando ist Jupp Heynckes' Hund.

Zweimal habe er gebellt, das sei das Okay gewesen, dass Herrchen Jupp wieder auf die Trainerbank beim FC Bayern zurückkehren dürfe. Das erzählte Heynckes bei seiner Vorstellung am Montag. Doch der Trennungsschmerz ist groß, zwei Tage lang habe Cando nichts gegessen. Das erzählte Heynckes am Freitag bei seiner ersten regulären PK vor einem Spieltag. Heynckes hat ihm deshalb eine Video-Botschaft geschickt.

Auch das sind mittlerweile wieder Themen beim FC Bayern, es herrscht ein anderer Grundton. Vorbei sind erstmal die Tage, als es um rauchende Co-Trainer, zu lasche Trainingseinheiten und unzufriedene Vereinsikonen ging. Die Rückkehr von Heynckes als Interimstrainer bis Saisonende hat die Stimmung gedreht.

Heynckes verspricht erfolgreiche Bayern

Zumindest bis Samstag, 17.20 Uhr. Dann wird man wissen, ob es vorerst weiterhin so entspannt zugehen wird. Denn noch ist kein Spiel gespielt, kein Gegentor kassiert und kein Spieler durch eine Nichtberücksichtigung enttäuscht worden.

Es herrsche "eine sehr gute Atmosphäre", die Mannschaft habe "wieder Spaß", sagte Heynckes. Er habe sehr viele, intensive Einzelgespräche geführt. Schließlich sei Fußball vor allem eine "Frage des Kopfes". Und den versuchte er in seiner ersten Woche freizubekommen.

Aber Heynckes weiß natürlich zu gut, welche Erwartungen seine Rückkehr im Umfeld geweckt hat. "Eine gute Atmosphäre zu kreieren, Gespräche zu führen, sehr gut zu trainieren ist das Eine", sagte Heynckes. "Aber der Erfolg muss parallel dazu laufen. Dessen sind wir uns alle bewusst."

Heynckes selbstbewusst und von sich überzeugt

Die Schlagworte, mit denen Heynckes diese Pressekonferenz bestreitet, sind die gleichen wie am Montag: Hierarchie, Psyche, Arbeit, Balance. Wer Heynckes in diesen beiden Pressekonferenzen beobachtet hat, sieht, mit welchem Selbstbewusstsein er diese Aufgaben angeht und wie sehr er davon überzeugt ist, diese Mannschaft wieder auf Erfolgskurs zu bringen.

In seine Anekdoten aus seinem Leben und in seinen Plauderton mischen sich auch deutliche Ansagen. Spieler wie Thomas Müller, Jerome Boateng oder David Alaba, die von Heynckes schon öffentlich gestärkt werden, müssen das Vertrauen mit Leistung zurückzahlen.

Außerdem wird wieder jeder Spieler in die Defensivarbeit miteingebunden: "Das A und O im ganz großen Fußball ist nicht, dass eine Mannschaft phantasievoll und kreativ nach vorne spielt, sondern dass sie stabil in der Defensive ist."

Heynckes stärkt die Triplesieger

Heynckes ist beileibe kein Trainer, der seinen Vorgänger in den Senkel stellen will, schließlich hat er seine Wertschätzung für Ancelotti bei seiner Präsentation eindeutig erklärt. Aber wer will, kann all diese Sätze auch als Kritik am Italiener verstehen, der offensichtlich zu viele Themen rund um die Mannschaft falsch oder gar nicht angegangen war.

Heynckes tritt dagegen aktuell auf wie der Elder Statesman, der in seiner langen Karriere schon alles gesehen hat, den nichts aus der Ruhe bringen kann und der am Ende auch Recht behalten wird.

Gegen Freiburg wird es eine erste Kostprobe seiner Mannschaft geben. Es wird ein Team rund um seine Vertrauensspieler und Triplesieger von 2013 sein. Eine große Rotation wird es in den kommenden Wochen nicht geben, das Team müsse erst gefestigt sein, bevor man ständig Änderungen vornehmen könne.

In sieben Monaten wird man wissen, ob Heynckes mit seinen Ankündigungen Recht hatte, oder ob er die geschürten Erwartungen nicht erfüllen konnte. Bis dahin werden noch einige Videobotschaften zwischen Jupp und Cando hin und her fliegen.

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