Der neue Sportdirektor Salihamidzic: Mosaikstückchen gefunden, Vakuum bleibt

Dienstag, 01.08.2017 | 09:02 Uhr
Hasan Salihamidzic hat beim FC Bayern einen Vertrag bis 2020 unterschrieben
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Der FC Bayern München hat Hasan Salihamidzic als neuen Sportdirektor vorgestellt. Der 40-jährige Bosnier wird keinen Vorstands-Posten bekleiden und die Rolle deshalb wohl anders ausfüllen, als es sein Vorgänger Matthias Sammer getan hat - und als es die anderen beiden ernsthaften Kandidaten Philipp Lahm und Max Eberl getan hätten.

Abgesehen von einem Mikrofon und einem Smartphone, das zu Werbezwecken abwechselnd Logos unterschiedlicher Bayern-Sponsoren präsentierte, standen vor Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern, noch eine Flasche alkoholfreies Weißbier sowie eine mit Coca Cola.

Ein Glas Wasser war dagegen keines dabei, zur Veranschaulichung des Charakters seines neuen Mitarbeiters, den Rummenigge der Öffentlichkeit gerade vorstellte, hätte er sich aber ein Glas Wasser gewünscht.

"Es ist jetzt leider keines da", sagte Rummenigge also am späten Montagnachmittag an der Säbener Straße leicht enttäuscht, erklärte aber trotzdem: "Wenn ich Hasan mit einem Objekt beschreiben müsste, dann wäre es ein zur Hälfte gefülltes Glas. Bei vielen wäre es halbleer, bei ihm immer halbvoll."

Eben jener Hasan Salihamidzic saß daneben und tat, was er am liebsten tut: Er grinste. Künftig darf er als Sportdirektor des FC Bayern grinsen. Ob das denn sein Traumjob sei, wurde er gefragt, woraufhin Salihamidzic freudig die Arme ausbreitete und sagte: "Selbstverständlich!"

Seit Jahresbeginn durfte er bereits als Markenbotschafter für den FC Bayern grinsen, zuletzt auf der Asien-Reise der Münchner. "Hasan war der Einzige, der immer gute Laune hatte", erinnerte sich Rummenigge. Salihamidzics Vorgänger war diesbezüglich anders gestrickt. Dann, wenn alle gute Laune hatten, war Matthias Sammer meist sauer und warnte etwa vor "Lätschernheit" oder ähnlichen Abscheulichkeiten. Sammer war ein steter Mahner und Warner mit Blick in die Zukunft, weniger ein Kumpel-Typ für das Hier und Jetzt, wie es Salihamidzic einer ist.

Salihamidzic als Bindeglied

"Ich werde 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche für die Spieler da sein", kündigte Salihamidzic an und erzählte, dass er auch nach seinem Abschied als Spieler 2007 Kontakt mit vielen Mitarbeitern und Spielern gehabt hätte. Eine gute Beziehung zu allen Angestellten liegt ihm am Herzen und das lässt er spüren. "Ein Sportdirektor muss nahe an der Mannschaft sein", sagte Salihamidzic. Rummenigge sieht das ähnlich, Salihamidzic solle künftig "ein Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft" sein.

Mit den ihm eigenen Charaktereigenschaften und seiner herzlichen Art wird Salihamidzic die Rolle des Sportdirektors gänzlich anders ausfüllen, als es Sammer tat.

Anders als einst Sammer sitzt Salihamidzic künftig auch nicht im Vorstand des FC Bayern. Das durch Sammers Abschied hinterlassene Kompetenz-Vakuum in diesem Gremium wurde somit erstmal nicht gefüllt. Dies war offenbar auch gar nicht das vorrangige Ziel des Vereins.

Lahm und Eberl: Strategen statt Stimmungsmacher

Philipp Lahm galt lange als aussichtsreichster Kandidat auf den Sportdirektoren-Posten, machte einen gleichzeitigen Platz im Vorstand aber wohl zur Bedingung für seine Tätigkeit. Vergeblich, also sagte er ab.

Lahm war neben dem aktuellen Gladbach-Manager Max Eberl einer von zwei Kandidaten, mit denen sich die Bayern-Chefs laut eigener Auskunft intensiv beschäftigt hätten. Beiden ist die Rolle des Sportdirektors ohne gleichzeitigen Vorstands-Posten - so wie Salihamidzic sie künftig ausfüllen wird - aber letztlich zu schwach.

Sie fürchten sich vor allzu großen Einschränkungen und einem Mangel an persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten. Sie fürchten sich davor, zwischen den Alphatieren Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß zerrieben zu werden. Und sie fürchteten sich auch davor, so zu enden wie der letztlich gescheiterte Christian Nerlinger, der ebenfalls keinen Vorstands-Posten bekleidete. Dominanter wollten Lahm oder wohl auch Eberl sicherlich sein, ähnlich wie Sammer mehr Strategen als Stimmungsmacher.

Dass sich die Bosse nun für jemanden wie Salihamidzic entschieden haben, bedeutet jedoch gleichzeitig, dass die Türe für etwa Lahm weiterhin offen ist. "Salihamidzic ist kein Platz-Warmhalter für Lahm, denn das eine hat mit dem anderen nichts zu tun", erklärte Rummenigge vielsagend.

Lahm könnte irgendwann eine übergeordnetere Rolle einnehmen. Dann, wenn der Verein und seine wichtigsten Mitarbeiter bereit dazu sind, entscheidende Kompetenzen hinsichtlich der allgemeinen Ausrichtung und langfristigen sportlichen Planung abzugeben.

Salihamidzic als Vorbild und Identifikationsfigur

Salihamidzic soll sich derweil neben seiner Tätigkeit als Bindeglied zwischen Mannschaft und Trainer vor allem um das Scouting und die Nachwuchsabteilung des FC Bayern kümmern. Die Stärkung dieser entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einer Herzensangelegenheit von Hoeneß. Mit dem Bau des neuen Leistungszentrums schuf der Verein eine Heimat für den Nachwuchs, die nun mit Leben gefüllt werden muss.

"Wer liegt dafür näher als Hasan Salihamidzic?", fragte Hoeneß bei der Pressekonferenz und begann zu referieren, warum dies als rhetorische Frage gemeint war. Salihamidzic ist ein Vorbild. Er kam einst "als kleiner Bub mit 16 Jahren ohne Eltern nach Hamburg" und hat sich dort durchgesetzt, erzählte Hoeneß.

Dann wechselte er zum FC Bayern, wo er neun Jahre lang spielte, die Champions League gewann und sich später als Ausländer mit den meisten Einsätzen verabschiedete.

Schon damals war Salihamidzic aber klar, "dass meine Basis hier in München ist". Salihamidzic ist gegangen, um zurückzukommen. Er habe sich beim FC Bayern nie als Angestellter gefühlt, sondern immer wie in einer Familie. "Ich kenne die DNA des FC Bayern und kann mich zu 100 Prozent mit ihr identifizieren", sagte er und meinte damit natürlich das vielzitierte "mia san mia". Ein Gefühl, das Hoeneß in seinem Verein zuletzt etwas zu kurz kam - und das er nun unbedingt wieder gestärkt wissen will. Nochmal fragte er also rhetorisch: "Und wer kann dafür besser sorgen als Hasan Salihamidzic, der dieses Gefühl immer gelebt hat?"

Salihamidzic, das Mosaikstückchen

Mit Salihamidzic hat der FC Bayern eine der größten Identifikationsfiguren der jüngeren Vereins-Geschichte zurückgeholt. "Er ist das Mosaikstückchen, das uns gefehlt hat, damit wir auch in diesem Jahr wieder eine sehr erfolgreiche Saison spielen werden", erklärte Rummenigge. Salihamidzic werde zwar auch "bei allen Transfer-Gesprächen dabei sein", wie Rummenigge beteuerte, aber dafür wurde er nicht vorrangig geholt.

Salihamidzic soll für gute Stimmung sorgen, vielen ein Vorbild sein und die Werte des FC Bayern leben. Für diese Rolle ist er prädestiniert und seine Präsenz wird dem Verein zweifelsohne gut tun.

Womöglich fehlt aber trotzdem noch ein weiteres Mosaikstückchen. Eines, das die Ausrichtung des Vereins in der etwas entfernteren Zukunft entscheidend prägen kann - und auch über die dafür nötige Entscheidungsgewalt und Macht verfügt.

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