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Zur Lichtgestalt fehlt noch das Robben-Gen

Robert Lewandowski ist auf dem Weg zur Lichtgestalt

Robert Lewandowski hat dem FC Bayern München zum Hinrunden-Abschluss gegen den SC Freiburg mit einem Doppelpack den Sieg gerettet - und das auf beeindruckende Art und Weise. Vor dem Start der Rückrunde ist der Pole unersetzbar im Kader des Rekordmeisters. Der MVP-Status bedeutet für Lewandowski aber auch Druck. Er braucht mittelfristig das Gen eines Teamkollegen.

Traumtor. Ein schwammiger Begriff. Die Assoziationen, die mit diesem hervorgerufen werden, sind bei den meisten Fußballfans aber ähnlich. Ein Fernschuss in den Winkel, ein Fallrückzieher oder eine andere spektakuläre Direktabnahme, vielleicht auch ein Solo durch die gesamte gegnerische Hälfte mit anschließendem Chipabschluss.

Robert Lewandowskis Siegtreffer gegen den SC Freiburg fällt aber zweifelsohne in eine ähnliche Kategorie - zumindest aus Sicht eines Mittelstürmers.

Freiburg, Schwarzwaldstadion, Hinrunden-Abschluss, 91. Minute, 1:1. Alles deutet darauf hin, dass der Spitzenreiter gegen mutig kämpfende Breisgauer zwei Punkte liegen lässt. Dann zieht Franck Ribery zum Solo an. Vom linken Strafraumeck löffelt er den Ball nach innen.

Dort nimmt Lewandowski das Leder mit der Brust an, legt es sich mit dem rechten Fuß zurecht und säbelt mit dem linken Außenspann halb über den Ball - Innenpfosten, Tor!

"Wer kann des?"

"Es war die letzte Situation im Spiel, da muss man Qualität zeigen und alles probieren", kommentierte der Pole seinen Siegtreffer hinterher: "Ich habe den Ball nicht sauber getroffen, aber Tor ist Tor und drei Punkte sind drei Punkte."

Freiburg-Trainer Christian Streichs Emotionen lagen irgendwo zwischen Bewunderung und Resignation: "Wer kann des? Wer kann des in dieser Bedrängnis? Deswegen kickt er bei Bayern. Deswegen gewinnen sie so oft."

Der technisch anspruchsvolle Treffer zeigte exemplarisch den großen Wert der Nummer 9 im FCB-Trikot.

Lewandowski ist kein klumpfüßiger Stürmer der alten Schule, er kann den Ball in Bedrängnis auf höchstem Niveau verarbeiten und deshalb ohne Qualitätsverlust am schnellen Kombinationsspiel in der Offensivabteilung teilnehmen.

Links wie rechts

Wie schwierig es für die Verteidiger ist, den Angreifer auszurechnen, zeigt die vielseitige Verteilung der Torarten auf seine Saisontore: In 24 Pflichtspielen traf Lewandowski 22 Mal, davon erzielte er neun Treffer mit rechts, sechs mit links, eines per Kopf, vier per Elfmeter und zwei via Freistoß.

Lewandowski ist fraglos seit Jahren ein Stürmer von Weltformat. Kein Wunder, dass sich Gerüchte um einen möglichen Wechsel hartnäckig hielten. Allen voran baggerte Real Madrid an den Diensten des Angreifers, dessen Berater durch Im-Bernabeu-Sitzen noch Öl ins Feuer gossen. Zumal Lewy selbst mit seiner ruhigen, unaufgeregten Art, nie einen Wasserstand abzugeben, die Spekulationen auch eher befeuerte als sie zu entschärfen. Und das nicht einmal aus böser Absicht heraus.

Ende des Jahres zog der FC Bayern einen Schlussstrich unter die Gerüchte und verlängerte den Vertrag mit dem Stürmer langfristig bis 2021. Karl-Heinz Rummenigge zeigte sich zufrieden - und ließ durchscheinen, dass diese Unterschrift nicht ganz billig war: "Wir haben mittlerweile eine relativ stolze Payroll, das muss man klar und deutlich sagen." Allerdings sei der Deal auch ein wichtiges Zeichen in Richtung England gewesen, "dass die Spieler, die für uns wichtig sind, auf keinen Fall dorthin abwandern werden."

Die Bayern planen langfristig mit dem 28-Jährigen, die Bedeutung für Mannschaft und Verein ist nicht nur wegen der wohl saftigen Gehaltserhöhung gestiegen. Das Zwischenfazit nach zweieinhalb Saisons fällt nach der Partie gegen Freiburg noch einmal positiver aus als ohnehin schon.

Lewandowski beendete die Hinrunde, wie er sie am 1. Spieltag gegen Werder Bremen begonnen hatte: mit einem Mehrfachpack, genauer gesagt mit seinem 35. Mehrfachpack in der Bundesliga.

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Rekorde, Bestmarken, Statistiken

Seine Tore gegen den Sportclub waren die Bundesligatreffer 60 und 61 im 80. Spiel für die Münchner - eine weitere Bestmarke in der Karriere-Statistik des Polen, die seine Wichtigkeit für den Branchenprimus faktisch belegt. Kein Spieler brauchte in der Ligageschichte zuvor so wenige Spiele für 60 Treffer wie Lewandowski. Sogar Gerd Müller schoss "erst" in seinem 93. Spiel sein 60. Tor.

Darüber hinaus überflügelte der amtierende Torschützenkönig mit seinem 135. Tor Giovane Elber und ist nun zweitbester ausländischer Schütze der Bundesliga (Pizarro steht bei 190).

Seit seiner zweiten Saison bei Borussia Dortmund erzielte er 22, 24, 20, 17 und 30 Saisontore. Aktuell steht er bei 14, durch seinen Doppelpack gegen den SCF hat er den Rückstand auf den Führenden der Torjägerliste, Pierre-Emerick Aubameyang, auf zwei Treffer verkürzt.

Nie verletzt

All diese Zahlen sind wegen einer besonderen Eigenschaft möglich, die ihn umso wichtiger für die Bayern macht: Verletzungsresistenz. "Um mich muss sich niemand Sorgen machen", sagte er im Interview mit der Sport Bild: "Ich falle nicht aus." Seitdem der Pole das Bayerntrikot trägt, war er nie länger als zwei Wochen außer Gefecht. Im gleichen Zeitraum verpasste Franck Ribery 436 Tage und Arjen Robben 363.

Lewandowski passt spielerisch perfekt ins Kombinationsspiel der Münchner, er liefert die Zahlen und ist nie verletzt. Die Bayern wissen, dass die Nummer 9 eine fest einplanbare Größe ist. Entsprechend hat sich allerdings auch die Kaderplanung in den letzten Jahren entwickelt.

Seit dem Abgang von Claudio Pizarro ist kein etatmäßiger Stoßstürmer mehr im Kader, mit Mario Götze eine weitere potentielle Alternative abgewandert. Es ist schwierig, hochklassige Bankdrücker hinter einem Angreifer, der nie verletzt ist, bei Laune zu halten.

Somit ist Thomas Müller der einzige Ersatz, ein Einsatz des Nationalspielers auf der Neun geht jedoch auch mit einer kompletten Umstellung der Spielweise einher.

Der MVP

Neben Manuel Neuer im Tor ist Robert Lewandowski der einzig wirklich Unersetzbare im Bayern-Kader. Er ist der MVP in der Offensive.

In dieser Saison steht der Pole mehr denn je in der Verantwortung. In den kommenden Jahren soll der Angreifer nicht nur als Mr. Zuverlässig knipsen, er soll noch mehr in die Rolle des Mannes für die besonderen Momente wachsen.

Denn zumindest bei den Bayern war Lewandowski bislang nicht der große Big Game Scorer. Dass er das sein kann, bewies er in seiner Zeit beim BVB, als er viermal im Champions-League-Halbfinale gegen Real und dreimal im Pokalfinale gegen Bayern traf.

Beim FCB ist in den ganz großen Spielen noch Luft nach oben. Klar, er traf im bedeutungslosen Halbfinal-Rückspiel gegen Barca 2015. Er brachte im Halbfinal-Rückspiel gegen Atletico 2016 noch Hoffnung mit seinem Treffer zum 2:1. Er traf im Pokalhalbfinale 2015 gegen den BVB zur zwischenzeitlichen Führung. Mr. Zuverlässig eben.

Die zuverlässige Treffer-Lieferung gerät jedoch schnell in Vergessenheit, wenn alle besagte Spiele letztlich im Ausscheiden enden.

Ein bisschen mehr Robben

Lewandowski ist auf dem Weg zur Lichtgestalt. Mit seinem langfristigen Vertrag ist er bei gleichstark bleibender Quote ein heißer Kandidat, eines Tages der treffsicherste Ausländer der Bundesligageschichte zu sein. Torjägerkanonen und Titel sind ebenfalls realistisch.

Zum absoluten Legendenstatus braucht er aber noch das gewisse Etwas in den besonderen Momenten. Möglichst natürlich ein Tor zu einem Titel. Zu einem großen Titel. Eine Eigenschaft, die in den letzten Jahren eng mit dem Namen Arjen Robben in Verbindung stand. Der Niederländer ist seit Jahren das personifizierte Sieger-Gen. Das Bayern-Gen. Das Robben-Gen. Genau das fehlt Lewandowski im roten Trikot. Noch.

Mit seinen Fähigkeiten muss der Anspruch sein, eines Tages genau in diesen Momenten zu scheinen, möglichst bereits in diesem Jahr. Und ob das dann Traumtore sind, ist auch egal. Ein Mittelstürmer definiert diese ohnehin anders.

Robert Lewandowski im Steckbrief

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