Das geht nur bei Bayern!

Montag, 08.08.2016 | 16:00 Uhr
Uli Hoeneß wird das Amt des Bayern-Präsidenten ab November wieder von Karl Hopfner übernehmen
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Uli Hoeneß wird für das Amt des Präsidenten kandidieren und ab November wieder die Geschicke beim FC Bayern München leiten. Überrascht ist von dieser Mitteilung niemand und doch wirft sie Fragen auf. Kann sich ein Klub von Weltformat einen verurteilten Steuersünder in verantwortlicher Position erlauben? Ja, wenn der Verein FC Bayern und die Person Uli Hoeneß heißt. Ein Risiko bleibt. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Jochen Rabe.

Eine echte Breaking News sieht anders aus. Na klar, jetzt steht es schwarz auf weiß. Genauer gesagt seit Montagnachmittag um 13.53: "Uli Hoeneß kandidiert für das Amt des Präsidenten des FC Bayern München eV." Überrascht ist davon aber niemand.

Nicht nur wegen der großen Worte "Das war's noch nicht" im Mai 2014 war klar, dass Karl Hopfner beim Rekordmeister nur ein Präsident auf Zeit war. Ein Platzhalter, bis Hoeneß bereit ist, das Amt wieder zu übernehmen. Nach zweieinhalb Jahren ist es soweit, dass Hopfner den Posten räumen wird.

Logisch: Die große Mehrheit der Fans fordert ihn. Die Spieler haben sich zuletzt immer wieder pro Hoeneß geäußert. Und auch Karl-Heinz Rummenigge sagte zuletzt bei der Abschluss-Pressekonferenz auf der US-Reise mit einem verschmitzt-wissenden Lächeln, dass im Verein "niemand überrascht" wäre, wenn sich Hoeneß für eine Kandidatur auf das Präsidentenamt entscheiden würde.

Uli Hoeneß gehört einfach zum FC Bayern - und der FC Bayern gehört zu Uli Hoeneß. Und doch bleibt ein fader Beigeschmack.

Fragen über Fragen

Kann sich ein Klub mit dieser Strahlkraft, mit dieser ökonomischen wie sozialen Verantwortung so einen Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden erlauben? Einen Präsidenten, der wegen Steuerhinterziehung von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilte wurde? Hat das nicht fatale Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit des Vereins? Ist das nicht Wasser auf die Mühlen der ohnehin lautstarken Bayern-Kritiker?

Die Antwort auf all diese Fragen fällt nicht leicht. Fakt ist aber: Wenn dieses Modell überhaupt umsetzbar ist, dann nur beim FC Bayern und nur mit Uli Hoeneß.

Warum? Ganz einfach: Klub und Person sind es aus jahrzehntelanger Erfahrung gewöhnt zu polarisieren. Das "Mia san Mia" beinhaltet auch, zur eigenen DNA zu stehen und nicht unbedingt immer Everybody's Darling sein zu wollen.

Bei der sachlichen, berechtigten Kritik geht Hoeneß in die Offensive, steht zu seiner Schuld und gelobt Besserung. Mit unsachlicher Kritik unter der Gürtellinie kann er umgehen wie kein Zweiter. Und die wird kommen! Gerade in Zeiten von Social Media. Aber das wird nicht sein Problem werden.

Wind schnell gedreht

Zumal sich der Wind in der öffentlichen Berichterstattung gefühlt relativ schnell gedreht hat. Schon kurz nach der Verurteilung kamen Stimmen aus allen Ecken, die Hoeneß' große Verdienste um den FC Bayern, den deutschen Fußball und auch um viele soziale Projekte betont haben. Dass das alles ein bisschen schnell ging, steht auf einem anderen Blatt.

Die Grundzutaten für eine Wiederherstellung des guten Rufes sind zumindest bei einem Großteil der Bevölkerung da.

Und im Verein sowieso. Zwar dementierte Bayerns bald scheidender Präsident Hopfner einen Zusammenhang mit der Personalie Uli Hoeneß, auffällig ist dennoch, dass der Klub im November 2014 den Satzungs-Paragraphen "Als Mitglied können nur unbescholtene Personen aufgenommen werden" in "Mitglied kann jede natürlich Person werden, welche die Ziele des Clubs unterstützt" geändert wurde. Klar, Hoeneß muss nicht aufgenommen werden, er ist Mitglied, unsauber wäre die Sache dennoch.

Dass Hoeneß die Ziele des Vereins unterstützt, ist ohnehin klar. Bei der Nicht-Neubesetzung des Postens von Matthias Sammer als Sportvorstand spielte sicherlich schon das Wissen über die bevorstehende Rückkehr von Hoeneß eine Rolle. Als starker Mann im sportlichen Bereich und auch mal als Mahner.

Zweite Chance

Jeder hat eine zweite Chance verdient. Niemand verbietet einer Person nach einer abgebüßten Haftstrafe, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Im Gegenteil.

In einem der prestigereichsten Fußballklubs der Welt ist so eine Personalie dennoch heikel. In den kommenden Monaten und Jahren wird Hoeneß unter dem Brennglas stehen. Jede Aussage, jede Handlung, jede Geste wird interpretiert und im Zweifel angegriffen werden. Da muss man kein Prophet sein.

Das könnte einem Verein auf Dauer schaden, dieses Risiko ist offenbar und geht der FCB bewusst ein. Nicht jeder Klub und nicht jeder Mensch könnte diesen Druck und diese vorprogrammierte Polarisierung ertragen. Sowas geht nur bei den Bayern.

Der FC Bayern München im Überblick

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