Das schlagende Herz der Totgesagten

Von Linus Braunschweig
Montag, 13.02.2017 | 10:25 Uhr
Rosenthal führte seine Lilien zum Sieg
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Beim Sensationssieg des Tabellenletzten Darmstadt 98 gegen Borussia Dortmund spielte Jan Rosenthal eine entscheidende Rolle - obwohl er an keinem der beiden Treffer beteiligt war. Stattdessen machte er die kleinen Dinge, die letztendlich spielentscheidend waren. Seine Leistung in der Partie gegen die Borussen wurde mit der Note 2 bewertet.

Das Spiel läuft gerade einmal sieben Minuten, Darmstadt kontert perfekt, Rosenthal ist rechts durch. Er zieht in den Strafraum und schießt - Pfosten.

Gute 15 Minuten später, die mutigen Lilien führen verdient mit 1:0, kommt eine Flanke von Heller, der Zehner steigt hoch zum Kopfball - und verfehlt das Netz um rund 20 Zentimeter.

Nach der Pause: Nächster Konter, wieder spielt Heller auf Rosenthal. Der zieht vom Sechzehner ab - knapp drüber.

Die Schlussphase beginnt, Colak schließt von rechts ab. Bürki pariert, aber der Ball prallt ab und landet beim Kapitän der Hessen. Rosenthal will abstauben - doch Bürki hält den Ball noch im Fallen. Wieder kein Tor für den 30-Jährigen. Dafür wichtige Punkte und einen überrschenden Sieg gegen den BVB.

Omnipräsenter Dreh- und Angelpunkt

Kein Tor und kein Assist - dafür aber ein Aktivposten mit den meisten Torschüsse der Partie (fünf) und einer starken Passstatistik. Rosenthals 34 Pässe müssen sich nur Essers 37 geschlagen geben. Von diesen 34 brachte er fast zwei Drittel an den Mann, eine solide Quote, denn 27 seiner Pässe spielte er in der gegnerischen Hälfte.

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Besonders in der Offensive war der 30-Jährige effizient, seine Passquote im Angriffsdrittel betrug starke 64,3 Prozent. Dabei initiierte Rosenthal fünf Angriffe durch Pässe ins Angriffsdrittel. Rosenthal verteilte den Ball im Laufe des Spiels an acht verschiedene Teammitglieder und fungierte gleichzeitig stets selbst als Anspielstation.

Rosenthal war der Dreh- und Angelpunkt der Darmstädter Offensive, der seinen Fuß fast immer im Spiel hatte. Doch vor allem schaffte er es durch seine körperbetonte Spielart, den Lilien Leben einzuhauchen.

Rosenthals Statistik im Spiel gegen Dortmund

Die Kampfbereitschaft des ungewöhnlichen Zehners

Rosenthal gab über 90 Minuten volle Power und führte als offensiver Mittelfeldspieler 23 Zweikämpfe, von denen er 56,5 Prozent gewann. Er schreckte vor keinem Gegenspieler zurück, warf sich in jedes Duell und zeigte sich zweikampfstark.

Nach dem Sieg erklärte Rosenthal: "Wir waren heute einfach mal mutig drauf. Wir haben ja nichts mehr zu verlieren, wir sind Letzter. Mit jeder Szene haben wir mehr Selbstvertrauen bekommen." Mutig spielte Rosenthal in der Tat und das gesamte Team folgte seinem Beispiel.

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Überraschend war, wie sehr sich der Darmstädter in die Verteidigung einbrachte. Dort verbuchte er zwei erfolgreiche Tackles, drei klärende Aktionen, zwei abgefangene Bälle und ebenso viele Ballsicherungen. Der eigene Strafraum war einer der Orte, an dem er am aktivsten war. Und das als Offensivakteur.

Rosenthals Kampfbereitschaft durchzog fast alle Aspekte des Spiels. Sogar in Luft-Zweikämpfen ging der Spielmacher mit vollem Körpereinsatz und gewann sieben von zehn. Auch gegen den kopfballstarken Sokratis war Rosenthal erfolgreich. Erstaunlich.

"Totgesagte leben länger"

Nach dem Sieg gegen die Dortmunder Übermacht herrscht in Darmstadt eine neue Zuversicht. "Totgesagte leben länger. Der Trainer hat vor dem Spiel gesagt, wir haben keine Chance und die wollen wir nutzen. Das haben wir getan. Wir haben alles in die Waagschale geworfen, Chancen herausgespielt und den Sieg absolut verdient", erklärte Game-Winner Antonio Colak. Keiner rechnet mit dem Klassenerhalt und das könnte sich als Vorteil erweisen.

Was hat Darmstadt schon zu verlieren? Hamit Altintop, der ebenfalls ein überragendes Spiel machte, sagte nach dem Spiel: "Wir freuen uns, dass wir hier zuhause zeigen konnten, dass wir noch am Leben sind, dass wir eine gute Einheit bilden und dass wir alles versuchen, um das Unmögliche noch zu schaffen. Wir haben gezeigt, dass der Glaube noch da ist."

Und auch Jerome Gondorf hat noch nicht aufgegeben: "Wenn die anderen Teams uns schon abgeschrieben haben, dann rollen wir das Feld jetzt von hinten auf. Wir sind weiter dabei und opfern uns auf", sagte der Mittelfeldspieler.

Das Herz des Darmstädter Spiels opfert sich dabei selbst am meisten auf: Jan Rosenthal passt und kämpft und beißt wie kein Zweiter.

Jan Rosenthal im Steckbrief

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