Montag, 28.11.2016

Spieler im Fokus des 12. Spieltags: Sead Kolasinac

Unmodern, aber vorzeigbar

Sead Kolasinac stach am 12. Spieltag beim Schalker 3:1-Sieg über Darmstadt mal wieder heraus (Note 2). Der Linksaußen vereint nicht unbedingt die Attribute eines modernen Flügelspielers. Aber gerade das macht ihn so rar - und so wertvoll für das Team von Markus Weinzierl.

"Ich freue mich natürlich über mein Tor. Es war aber eigentlich nicht mehr so schwer, den Ball reinzuköpfen. Die Flanke von Choupo war butterweich und ich musste eigentlich nur noch den Kopf hinhalten. Es waren leicht vertauschte Rollen, weil er diesmal geflankt hat und ich im Strafraum stand", grinste Sead Kolasinac am Sonntagnachmittag. Mit seinem Kopfballtor hatte er Schalke zuvor zurück ins Spiel gebracht.

Doch Kolasinac unterschlug in seiner Analyse einige wichtige Punkte - ehrenhaft, schließlich hätte er sich noch viel besser dastehen lassen können.

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Denn das Kopf-Hinhalten war nur das Ende einer Aneinanderreihung wichtiger Entscheidungen, die Kolasinac zuvor getroffen hatte: Erst eroberte er am eigenen Sechzehner den Ball, ehe er direkt den Schalker Konter einleitete. Dann legte er einen Sprint über den gesamten Platz hin, woraufhin die vielleicht einfachste Aufgabe folgte: Das von ihm beschriebene Einköpfen.

Immer an der Schmerzgrenze

Das Tor ist ein Musterbeispiel dafür, weshalb der Bosnier derzeit aus Markus Weinzierls Team heraussticht, weshalb er, der erst 23-Jährige, schon eine besondere Verantwortung trägt: Kolasinac geht an seine Schmerzgrenze. Wo Max Meyer beim 0:1 Sirigu nur hinterhertrabt oder Alessandro Schöpf in mehreren Zweikämpfen zurückzieht, fällt Kolasinac durch seine ungeheure körperliche Präsenz auf.

"Im Moment läuft es ganz gut bei mir. Dass ich dem Team derzeit mit meinen Leistungen weiterhelfen kann, ist umso schöner", befand er deshalb, ohne seine Fähigkeiten und sein Potenzial wirklich einzuordnen. Dabei ist genau das bei Kolasinac wesentlich, um die Besonderheit seiner Leistung zu erläutern.

Nicht modern, aber bärenstark

Denn der Schalker Linksaußen vereint bei Weitem nicht die Attribute des modernen Außenspielers. Kreativität, Dribbelstärke, überhaupt technische Filigranarbeit: Dafür steht Kolasinac gewiss nicht. Selbst bei seinem erneut überzeugenden Auftritt gegen Darmstadt versprang ihm wieder einige Male der Ball - unbedrängt.

Doch das ist es auch gar nicht, worüber sich Kolasinac definiert. Der bullige Außenspieler lebt von seiner Robustheit und von seinem Willen. Vermutlich weiß er selbst nicht, wann er zuletzt einen Kampf mit seinem inneren Schweinehund verloren hat.

Im Zweikampf ist er nah am Mann und sich dabei nicht zu schade, auch mal dazwischenzuhauen. Starke 81 Prozent seiner Duelle gewann er gegen die Lilien. Bärenstark für einen Flügelspieler.

Kolasinac bringt so viel Energie mit, dass er permanent auf und ab marschiert. Seine 39 Sprints sind unerreicht - jeder andere Schalker Spieler machte mindestens (!) zehn weniger. Dabei kam er auf 827,27 Meter reine Sprintdistanz. Nicht Tempoläufe. Sprints.

Sead Kolasinacs Aktionsradius im Spiel gegen Darmstadt 98

Vorzeige-Malocher

"Er ist so ein Typ, der die Schalker Mentalität verkörpert. Sead rennt die Linie auf und ab und spielerisch hat er in den letzten Wochen auch Fortschritte gemacht. Hut ab vor dem Jungen", lobte Manager Christian Heidel nach der Partie, ehe er daran erinnert wurde, dass als nächstes Schalke an der Reihe ist, Kolasinac wieder etwas zurückzugeben.

"Sein Vertrag läuft nach der Saison aus", brachte Sky-Moderatorin Jessica Kastrop vor und erwischte Heidel damit wohl etwas auf dem falschen Fuß. "Das weiß ich", sagte er nach kurzem Zögern und versicherte: "Sollte sich an dem Zustand etwas ändern, gebe ich Bescheid."

Spätestens nach seinem zweiten Bundesliga-Tor sollte allen Knappen der aktuelle Wert Kolasinacs bewusst geworden sein. Entsprechend wird Heidel auch alles daran setzen, ihn langfristig zu binden, denn: Schalke hat wieder einen Vorzeige-Malocher.

Sead Kolasinac im Steckbrief

Benedikt Treuer

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Benedikt Treuer(Redaktion)

Benedikt Treuer, Jahrgang 1992, kam 2014 zu SPOX. Aufgewachsen in Mainz, zog es ihn nach dem Publizistikstudium in die bayerische Landeshauptstadt. Ist seit August 2015 festes Mitglied der Redaktion, hauptsächlich im Fußball-Ressort tätig. Mit der Nationalmannschaft war er 2016 bei der EM in Frankreich vor Ort. Verantwortlich für das DFB-Team, den FC Bayern, den VfL Wolfsburg und Mainz 05. Zudem im Tennis und Golf zuhause.

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