Nicht mal die Fliege am Pfosten ist sicher

Montag, 31.10.2016 | 10:07 Uhr
Anthony Modeste schnürte gegen den Hamburger SV einen Dreierpack
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Eine Halbzeit lang ging die Partie gegen den Hamburger SV für Kölns Anthony Modeste in eine völlig falsche Richtung. Nach dem Seitenwechsel drehte er auf - und erzielte innerhalb von 25 Minuten mehr Tore als der Gegner bislang in der ganzen Saison. Für seine Leistung gegen den HSV bekam der Franzose die Note 1.

Anthony Modeste steht nur mit ungläubiger Miene da und zuckt mit den Schultern. Alle im Kölner Stadion haben sich bereits darauf eingestellt, dass gleich wieder dat Trömmelche jeht. Der Kölle-Alaaf-Schrei bleibt den Fans jedoch im Hals stecken, denn der derzeit so treffsichere Franzose haut den Foulelfmeter in der 41. Minute der Partie gegen den Hamburger SV mit voller Wucht an den linken Pfosten.

Es passt ins Bild einer Halbzeit zum Vergessen für den Stürmer. Schon in der 3. Minute diskutierte er mit Schiedsrichter Benjamin Brand. Nach einem Handspiel von Gideon Jung forderte er Strafstoß. Er bekam ihn nicht. Stattdessen bekam er in der 21. Minute für ein eigenes Handspiel die Gelbe Karte. Wieder lange Diskussionen. Wieder verständnislose Blicke.

Unstimmigkeiten mit dem Schiedsrichter, nur zehn Ballaktionen (die wenigsten aller Spieler auf dem Rasen) und dann obendrein auch noch ein verschossener Elfer - nicht viel deutete zur Halbzeit darauf hin, dass Modeste um 19.20 Uhr der gefeierte Held des Tages sein würde.

Nicht die Marke Klumpfuß

Doch es kam so. Wieder einmal. Nach 90 Minuten lasen sich die Statistiken gänzlich anders. Zwar kam der 28-Jährige auch am Ende nur auf 25 Ballaktionen. Speziell im zweiten Durchgang brannte es jedoch jedes Mal lichterloh, wenn er die Füße im Spiel hatte. Mit acht Torschüssen gab Modeste alleine mehr ab als der gesamte HSV (sieben).

Drei davon waren schließlich im Netz. Die Unterschiedlichkeit der Treffer zeigt, dass Modeste nicht etwa ein Strafraumstürmer der Marke Klumpfuß ist, sondern über vielseitige Qualitäten verfügt.

Beim ersten Tor hatte er den richtigen Riecher, touchierte den Ball nur ganz leicht. Auch die DFL war sich lange nicht sicher, ob er ihn wirklich berührt hatte. Während der Partie wurde der Treffer zunächst Modeste, zwischenzeitlich Zoller, am Ende jedoch wieder Modeste gut geschrieben. Wenn ein Stürmer so einen Lauf hat, will ihm wohl auch die Bürokratie nicht die Ausbeute verderben.

"Tony meinte im Spiel, es ist meins", sagte Zoller dem Express zu der Frage nach dem Torschützen. Allerdings wollte er das Torekonto seines Teamkollegen auch nicht unnötig anzapfen: "Wenn Tony mit 35 Toren Torschützenkönig wird, dann schenke ich ihm das Tor."

Ein bisschen wie Lewandowski

Treffer Nummer zwei zeigte Modestes Zug zum Tor und seine Kopfballstärke. Am Beispiel der dritten Hütte demonstrierte er, dass er auch mit dem Ball umgehen kann. Die technisch anspruchsvolle Mitnahme nach Risses Zuspiel erinnerte an die von Robert Lewandowski am Vortag in Augsburg.

Unter dem Strich stand der lupenreine Hattrick und der Status als Matchwinner. Innerhalb von 25 Minuten hatte er mehr Tore erzielt als die Hamburger in den ersten neun Spielen der Saison. Für Modeste persönlich war es der erste Dreierpack seiner Bundesliga-Karriere. Für den FC hatte zuletzt Toni Polster am 17. Mai 1997 einen lupenreinen Hattrick geschnürt. Damals übrigens bei einem 4:0. Gegner? Der HSV!

Die letzten sieben Kölner Tore

Modeste trifft seit Wochen wie am Fließband. Dabei war die Partie gegen den HSV nicht die erste, in der er zunächst wie ein Phantom abtauchte, aber im entscheidenden Moment doch da war. Anfang Oktober gegen den FC Bayern machte der Franzose in der ersten Hälfte ebenfalls keinen Stich, traf dann aber doch zum 1:1-Ausgleich.

Sowieso ist Modeste derzeit vor allem eines: effizient. Nicht nur, dass er gegen den HSV aus nur 25 Ballaktionen acht Torschüsse machte, er lief mit 8,98 Kilometern auch am zweitwenigsten von allen Kölner Feldspielern, die über die gesamte Zeit auf dem Rasen waren. Doch er lief eben richtig und darauf kommt es als Angreifer an.

Für den FC ist Modeste dieser Tage goldwert: Die letzten sieben Ligatore der Geißböcke gingen allesamt auf sein Konto, dazu erzielte er unter der Woche das entscheidende Tor im Pokal gegen Hoffenheim. "Im Moment haben wir einen Stürmer, der jede Fliege vom Pfosten schießt, außer beim Elfmeter", sagte Geschäftsführer Jörg Schmadtke über den Dreierpack gegen den HSV. Mit einem Schmunzeln fügte er an: "Obwohl, da hat er die Fliege getroffen. Der trifft wie gemalt."

"Alex Meier hat es auch geschafft"

Nach neun Spieltagen kommt Modeste bereits auf elf Saisontore - vier mehr als die Ballermänner der letzten Saison, Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang. Ob am Ende auch die Torjägerkanone stehen kann? "Klar kann Tony Aubameyang und Lewandowski gefährlich werden, wenn er seinen Lauf behält", sagte Teamkollege Marco Höger: "Alex Meier hat es auch mal geschafft, warum nicht Tony Modeste?"

Wer hätte gedacht, dass nach der Partie solche Loblieder auf den Angreifer gesungen werden, als er in der 41. Minute den Fans das Singen vermieste? Sie werden es ihm nachsehen. Immerhin jing dat Trömmelche an diesem Nachmittag in Köln noch dreimal...

Anthony Modeste im Steckbrief

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