Spieler im Fokus des 7. Spieltags: Caglar Söyüncü

Pechvogel der besonderen Art

Von Victor Adolf
Montag, 17.10.2016 | 10:39 Uhr
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Auch am 7. Spieltag der Bundesliga kann der SC Freiburg auf gegnerischem Platz einfach nicht punkten. Nicht ganz unschuldig daran war ein junger Mann, der bei den Breisgauern jetzt schon eine Rolle spielt, die für ihn zumindest zu diesem Zeitpunkt eigentlich gar nicht vorgesehen war. Für seine Leistung gegen die TSG Hoffenheim bekam Caglar Söyüncü die Note 5.

Etwas mehr als drei Monate ist er nun in Deutschland und lebt seinen Traum. Das Schild "Bundesligaspieler" trägt Söyüncü gerade einmal 108 Tage um den Hals, anfühlen dürfte es sich für ihn aber schon wie eine halbe Ewigkeit.

Nach gerade einmal sechs Bundesligaspielen hat der junge Türke schon so einiges erleben dürfen - beziehungsweise müssen. Dabei zeigte Söyüncü in Sinsheim eigentlich einmal mehr, warum der SC Freiburg im Sommer 2,5 Millionen Euro für die Dienste des Innenverteidigers an den türkischen Zweitligisten Altinordu überwies.

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Der 20-Jährige übernimmt mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit den Großteil des Freiburger Aufbauspiel und hat im Kraichgau die meisten Ballaktionen aller Akteure auf dem Platz (28). Nicht einen einzigen Zweikampf verliert er.

Von der Hölle in den Himmel und wieder zurück

Nach 34 Minuten ist es dann allerdings vorbei mit der Herrlichkeit: Sein Rückpass zu Keeper Schwolow ist haarsträubend - Sandro Wagner sagt artig "Danke" und schiebt ein. Nun könnte man meinen, einen jungen Spieler wirft ein derartiger Fauxpas schnell aus der Bahn, doch der Türke rafft sich auf. Gegen Demirbay klärt er in höchster Not bravourös, danach inszeniert er mit seinem ersten Bundesliga-Assist sogar den Ausgleich der Badener. Fehler wieder wettgemacht? Denkste...

180 Sekunden nachdem der Youngster die Breisgauer Welt in Ordnung gebracht hat, reißt er sie auch schon wieder ein. Im Strafraum geht er zu ungestüm zu Werke, "bespringt" Nationalspieler Sebastian Rudy ohne Not - Elfmeter! Der Pfiff ist hart, aber vertretbar. Kramaric lupft die Kugel frech in die Tormitte, Freiburg ist geschlagen.

Zwei Söyüncü-Böcke bringen den Sportclub ins Hintertreffen - wer es gut mit dem SC meint, dem kommt das zumindest nicht mehr gänzlich unbekannt vor.

Nach einem mehr als akzeptablen Bundesligadebüt gegen die Hertha und einer bärenstarken Performance beim Heimsieg über Borussia Mönchengladbach unterläuft dem Neuzgang in Köln sein erster kapitaler Aussetzer, der den Geißböcken die 2:0-Führung auf dem Silbertablett serviert. Auch beim Modeste-Treffer zum 3:0-Endstand macht er alles andere als eine glückliche Figur.

Mailand? Söyüncu wählt Freiburg

Wo andernorts sofort hitzige Diskussionen ausbrechen und Kritik laut wird, bleibt man im Schwarzwald gelassen. Bedingungslose Unterstützung erhält der Neuzugang von allen Seiten. Sein größter Fan ist sein Trainer, der bekannt dafür ist, ein Händchen für junge Spieler zu haben und den SC nicht nur besser kennt als seine Westentasche, sondern sie in gewisser Weise auch gleich selbst mitgenäht hat.

Wie mit einer solchen Situation im Breisgau umgegangen wird ist bemerkenswert, aber sicher nicht verwunderlich. Warum Söyüncü den Weg zum Sportclub ging und Vereinen wie beispielsweise Inter Mailand einen Korb gab, wird deshalb auch schnell klar und ist Beweis dafür, dass der Türke sich nicht blenden lässt und - ungeachtet seines zarten Alters - einen klaren Kopf auf den Schultern trägt.

"Er macht gerade Unglaubliches durch, da macht man halt auch Fehler. Wir können das tragen, wir sind in Freiburg. Wenn das irgendwo geht, dann hier", sagte Christian Streich über seinen Abwehrmann. Was er damit meint?

Söyüncü spricht kein Deutsch, auch Englisch hat er in der Schule nie gelernt. Die Verständigung mit Teamkollegen und Trainerteam läuft über einen Dolmetscher oder Landsmann Onur Bulut. 2590 Kilometer trennen ihn seit jenen 108 Tagen vom heimischen Izmir. Leichtere Aufgaben für einen 20-Jährigen gibt es mit Sicherheit.

Alles läuft - nur nicht so wie geplant

Ein Stammplatz war für das Defensivjuwel ursprünglich nicht vorgesehen, behutsam sollte er sich an die neue Situation gewöhnen. Eilig hatte man es mit Söyüncü nicht, daran änderte auch die für Freiburger Verhältnisse hohe Ablösesumme nichts. Die Verletzungen der Innenverteidiger Marc-Oliver Kempf, Manuel Gulde und Marc Torrejon spielten Streich einen Streich - hinfällig waren die langfristigen Planungen.

Dass man in Freiburg in solchen Momenten aus der Not eine Tugend macht, ist bekannt. Rückschläge wird es, ja soll es vielleicht sogar geben, denn so lernt man bekanntlich am schnellsten. "Ich wollte ihn über Monate aufbauen und heranführen. Aufgrund der Verletzungssituation ist er jetzt reingekommen und wir sind sehr glücklich darüber, dass er bei uns ist. Caglar ist wahnsinnig talentiert. Er sammelt jetzt Erfahrungen und dann geht es vorwärts. Die Mannschaft kann das alles tragen bei uns. Das ist kein Problem. Wir sind keine Wölfe, die aufeinander losgehen", sagte der Coach nach der Partie gegen Köln.

Auch nach den Schnitzern gegen die TSG vertraut die Mannschaft Söyüncü blind. "Wir motivieren Caglar jetzt natürlich. So was passiert. Er ist ein unglaubliches Talent", lobt Vincenzo Grifo seinen jungen Teamkollegen.

In Freiburg gibt man ihm alle Zeit der Welt, denn: Sicherer als sein nächster Klops, ist nur, dass man sich mit Söyüncu eine absolute Bereicherung ins Team geholt hat, an dem der SC über kurz oder lang noch eine Menge Freude haben wird.

Caglar Söyüncü im Steckbrief

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