Spieler im Fokus des 6. Spieltags: Benjamin Henrichs

Die Lösung gegen Wirbelstürme

Montag, 03.10.2016 | 14:00 Uhr
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Vieles konzentrierte sich am 6. Spieltag auf das heimliche FCB-Verfolgerduell zwischen Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund. Aus dem Klüngel an Topstars stach vor allem ein unscheinbarer Youngster heraus und bekam mit 2,0 zusammen mit Jonathan Tah die beste Note aller Spieler: Benjamin Henrichs. Dabei hat der Außenverteidiger erst 14 Ligaspiele auf dem Buckel und musste ausgerechnet gegen die neuen Dortmunder Flügelflitzer ran. Eine Fähigkeit macht ihn für Bayer unverzichtbar.

Gerade hatte Leverkusen das Liga-Topspiel gegen die favorisierten Dortmunder für sich entschieden, da stellte sich Abwehrchef Ömer Toprak den Journalisten und philosophierte über das zurückliegende Spiel. Wer denn der stärkste aller Bayer-Akteure auf dem Feld war, wurde er gefragt. Viele erwarteten eine Lobeshymne auf Lebensversicherung Chicharito oder den Comebacker Admir Mehmedi. Toprak entschied sich anders. "Benny Henrichs war der Beste bei uns", lobte der 27-Jährige.

Sein Trainer Roger Schmidt kam auf ein ähnliches Ergebnis. Mehr oder weniger ungefragt griff er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel den Verteidiger heraus und lobte ihn explizit. "Er ist ein unglaublicher Spieler. Er hat sehr schnelle Beine, gute Drehungen und ein starkes Timing im Vorwärtsverteidigen", so der Trainer. Speziell gegen die wendigen und pfeilschnellen BVB-Wirbelwinde sei das eine tolle Leistung gewesen.

Höchstwert aller Spieler

Dass dies keineswegs nur verbales Schulterklopfen für einen aufstrebenden Youngster ist, belegen die Fakten. Sie unterstreichen die starke Leistung des erst 19-Jährigen eindrucksvoll. Im Leverkusener Team hatte der Rechtsverteidiger hinter Hakan Calhanoglu die meisten Ballaktionen und überzeugte zudem vor allem durch eine Sicherheit und Ruhe am Ball. Alleine in der gegnerischen Hälfte kam Henrichs auf eine Passgenauigkeit von fast 90 Prozent. In der Bayer-Elf kam lediglich Kevin Kampl bei ähnlich vielen Pässen auf einen vergleichbaren Wert.

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Schmidt hob vor allem das "unglaublich gute defensive Zweikampfverhalten" des Außenverteidigers heraus. Immer wieder schaffe er es, im richtigen Moment die Offensivspieler anzulaufen und so unter Druck zu setzen. Das führte dazu, dass Henrichs acht Mal den Ball gewann - Höchstwert aller Spieler.

Fritz-Walter-Medaille in Gold

Sein eigentlich größter Vorteil geht jedoch über Prozentzahlen und Quoten hinaus. Henrichs ist bei Bayer derzeit der Allrounder schlechthin und kann auf unterschiedlichsten Positionen eingesetzt werden. Dabei wurde er eigentlich in der Offensive ausgebildet und spielt auch in der DFB-Jugend noch im zentralen Mittelfeld.

Erst im Sommer führte er die U19 des DFB als Kapitän bei der Heim-EM aufs Feld und stach dort im großen Pool von Talenten nochmals deutlich durch eine feine Technik und eine starke Körpersprache heraus. Als Dank für die starke Leistung bekam Henrichs im Anschluss die Fritz-Walter-Medaille in Gold überreicht. "Sein technisches Potenzial ist unglaublich. Wir hoffen, dass er zum zentralen Spieler des Turniers wird", erklärte der damalige U19-Coach Guido Streichsbier vor der EM im Gespräch mit SPOX.

Umschulung zum Außenverteidiger

In der Bundesliga wurde der gelernte Zehner schließlich zum Außenverteidiger umgeschult. Bereits gegen Ende der letzten Saison kam Henrichs aufgrund einer Personalnot zu neun Ligaeinsätzen und wusste bereits da zu überzeugen. Obwohl Bayer mit Tin Jedvaj (kroatischer Nationalspieler) und Wendell (brasilianischer Nationalspieler) dort alles andere als schlecht besetzt ist, ist Henrichs zur unumstrittenen Stammkraft gewachsen und hat im internen Ranking aktuell die Nase vorne.

Völler schwärmt von Henrichs: "Unfassbar"

Mit seinen 19 Jahren besetzt der Youngster damit eine der zentralen Positionen im System von Coach Schmidt. "Unsere Außenverteidiger sind ein wichtiger Schlüssel in unserem Spiel", erklärte der Trainer nach der Partie. Gegen Dortmund zeigte Henrichs vor allem seine Vielseitigkeit. Während er gegen Augsburg und Mainz rechts verteidigte, startete er am Wochenende auf der anderen Seite und hielt gegen Christian Pulisic den Laden dicht.

Rechts oder links?

Als sich Lars Bender etwas später verletzte, wechselte der 19-Jährige kurzerhand die Seite und machte in Sachen Stabilität und Sicherheit dort weiter, wo er gegenüber aufgehört hatte. Mit der Gelassenheit eines Routiniers nimmt er den Hype um seine Person fast schon achselzuckend hin. "Ich glaube, es läuft ganz gut, ob rechts oder links. Die Hauptsache ist, dass ich spiele. Ich habe Spaß dran", so Henrichs unaufgeregt.

Natürlich spitzen in der Post-Lahm-Ära beim DFB bereits jetzt sämtliche Fans die Ohren, wenn ein Außenverteidiger auf sich aufmerksam macht. Ob ausgerechnet Henrichs die Lösung für die Außenposition in der Viererkette ist? Bislang hat der Leverkusener erst 14 Einsätze, lediglich ein Blick in die Glaskugel wäre möglich. Die Anlagen und das Talent hat der Außenverteidiger. Das sieht auch sein Nebenmann und offenbar großer Fan Ömer Toprak so: "Erstmal muss er noch ein paar Spiele machen, aber dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis er in der Nationalmannschaft spielt."

Der 6. Spieltag der Bundesliga im Überblick

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