Fussball

Markus Krösche von RB Leipzig im Interview: "Die Kooperation war überhaupt kein Eigentor"

Markus Krösche wechselte als Sportdirektor im Sommer 2019 vom SC Paderborn 07 zu RB Leipzig.

Markus Krösche arbeitet erst seit zwei Jahren als Sportdirektor, war nach dem Durchmarsch in die Bundesliga mit dem SC Paderborn 07 aber die meistgehandelte Manager-Personalie in Fußball-Deutschland - und wechselte schließlich zu RB Leipzig.

Im Interview mit SPOX und Goal spricht Krösche über seine Vita im Anschluss an seine Spielerkarriere.

Der heutige Rekordakteur des SCP erzählt dabei von der einstigen Arbeit als Trainer, seiner Autoleasing-Firma, der Zahl 26, vom Hype rund um seinen Wechsel zu RBL und erklärt, warum die geplante Kooperation mit Ex-Klub Paderborn so krachend gescheitert ist.

Herr Krösche, unmittelbar nach dem Ende Ihrer Spielerkarriere fingen Sie 2014 als Cheftrainer der zweiten Mannschaft des SC Paderborn 07 in der sechstklassigen Westfalenliga an und führten diese prompt in die Oberliga. Anschließend gingen Sie für knapp zwei Spielzeiten als Co-Trainer zu Bayer Leverkusen. Seit März 2018 sind Sie zudem im Besitz aller Trainerlizenzen. Wieso sitzen Sie nun eigentlich als Sportdirektor hier?

Markus Krösche: Schauen Sie sich mal meinen Punkteschnitt an, als ich in Leverkusen Roger Schmidt wegen seiner Innenraumsperre ersetzen musste.

Habe ich! Drei Spiele, ein Punkt, 5:10 Tore. Anfang 2016 war das.

Krösche: Sehen Sie. (lacht) Spaß beiseite: Das Trainerdasein hat mir trotzdem sehr viel Freude bereitet. Ich konnte mich ausprobieren, meinen Blick auf den Fußball schulen und Dinge nach meinen Ideen umsetzen. Ich habe extrem viel gelernt, gerade als Co-Trainer unter Roger mit den Spielen in Bundesliga und Champions League. All diese Erfahrungen helfen mir nun in meiner aktuellen Rolle. Ich kann mittlerweile sagen: Sportdirektor zu sein, macht mir am meisten Spaß. In dieser Position sehe ich definitiv meine Zukunft, weil ich das große Ganze mitgestalten möchte.

Haben Sie bereits während Ihrer Zeit als Trainer diese Lust auf einen Posten im Management verspürt?

Krösche: Ich habe immer schon damit geliebäugelt, ja. Letztlich bin ich auch eher durch Zufall zum Trainerjob gekommen. Als ich nach dem Bundesligaaufstieg 2014 meine Spielerkarriere beendete, wollte man mich beim SCP halten. Nur waren im Grunde alle denkbaren Positionen besetzt. Also bot man mir die Stelle als U21-Trainer an und ich sagte zu. Mein Ziel war aber ursprünglich eigentlich gar nicht, Trainer zu werden. Letztlich habe ich dann doch nach und nach alle Lizenzen gemacht und bin auch sehr froh darüber, weil ich es für unheimlich wichtig halte, alle Facetten dieses Jobs zu kennen - erst recht jetzt als Sportdirektor.

Als Ihr langjähriger Weggefährte Roger Schmidt Anfang März 2017 bei Bayer gehen musste, verließen auch Sie den Verein. Kurz darauf kehrten Sie als Sport-Geschäftsführer nach Paderborn zurück. Das überraschte.

Krösche: Die Anfrage kam aus dem Nichts, wir wurden ja erst zwei Wochen zuvor in Leverkusen entlassen. Wäre das nicht passiert, hätte ich diesen Wechsel natürlich nicht forciert. Ich bin zwar mutig, aber nicht wahnsinnig. (lacht) Schließlich bin ich dann wirklich quasi aus der Champions League in den Abstiegskampf der 3. Liga gewechselt. Hast du noch alle Latten am Zaun, diese Frage habe ich schon ein paar Mal gestellt bekommen. Die Situation in Paderborn hatte sich damals extrem zugespitzt. Für mich war es allerdings die Chance, in dem von mir gewünschten Bereich auf einem ordentlichen Niveau in verantwortlicher Position zu starten. In dieser Hinsicht ein glücklicher Umstand für mich. Ich wollte das unbedingt machen.

War Ihnen damals klar, dass Sie danach nicht mehr als Trainer arbeiten würden?

Krösche: Nein. Man könnte das ja weiterspinnen: Wären wir mit dem SCP damals in die Regionalliga abgestiegen, wer weiß, ob und wie es weitergegangen wäre. Dann hätte ich mir natürlich schon irgendwann überlegen müssen, ob ich nicht vielleicht doch noch einmal als Trainer auf den Platz zurückkehre. Es kam zum Glück für alle Beteiligten anders. (lacht)

Rund einen Monat nach Ihrem Start in Paderborn haben Sie bereits Trainer Stefan Emmerling entlassen. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, so schnell eine solche Entscheidung zu treffen?

Krösche: Total schwer. Erst recht, nachdem ich ein paar Wochen zuvor ja selbst das blöde Gefühl nach einer Entlassung erlebt hatte. Ich bekam allerdings den Eindruck, dass die Mannschaft unter Stefan keinen großen Leistungssprung mehr machen wird. Den brauchten wir aber dringend, weil wir schon ziemlich weit abgeschlagen waren. Stefan war ein sehr ruhiger Trainer. Ich erhoffte mir von einem Trainer mit einer höheren Emotionalität, dass er eine größere Überzeugung auf die Mannschaft übertragen kann, um den Abstieg zu vermeiden. Das war bei Steffen Baumgart zusammen mit seiner Art und Weise, wie er Fußball spielen lässt, gegeben.

Es heißt, Sie sollen schon früh wirtschaftlich gedacht haben. Sie schlossen beispielsweise ein BWL-Bachelorstudium ab und bauten 2008 gemeinsam mit Ihrer Frau Viktoria die Auto-Leasing-Firma "Makro Leasing" auf. Wie sind Sie darauf gekommen?

Krösche: Ich habe mich schon früh auf 26 festgelegt: Entweder, ich habe mit 26 schon so viel Geld verdient, dass ich nie wieder im Leben arbeiten muss, oder aber ich orientiere mich in diesem Alter, wie ich mich nebenbei weiterbilde. Nach einem Blick auf mein Konto entschied ich mich dann für ein drei Jahre andauerndes duales Studium. (lacht) BWL hatte mich schon immer interessiert. Ich wollte einfach nicht derjenige sein, der auch mit 35 noch irgendwo herumkickt und zu dem die Leute sagen: So Krösche, jetzt hörste aber mal auf. Mir ging es darum zu vermeiden, nach der Spielerkarriere in ein Loch zu fallen.

Das Studium schlossen Sie mit einem Schnitt von 2,7 ab. Ihre Abschlussarbeit trug den Titel: "Die finanzielle Situation von Fußballprofis nach der Karriere - eine empirische Befragung unter 400 Fußballprofis". Was war das Ergebnis?

Krösche: Es ging vor allem um das Ausgabe- und Einnahmeverhalten der Spieler. Wenig überraschend war die Quintessenz, dass es für die meisten viel Sinn ergäbe, wenn sie Geld beiseite legen und vorsorgen. Denn nur neun Prozent aller Befragten konnten anhand ihrer Angaben und ihres Anlageverhaltens als finanziell unabhängig eingestuft werden, so dass sie nach der Karriere nicht mehr arbeiten müssten. Am Ende ist vor allem wichtig, dass der Unterschied zwischen dem Geld, das man während der Karriere zur Seite gelegt hat, und den späteren Lebenshaltungskosten nicht zu groß wird.

Und was hatte es mit der Auto-Firma auf sich?

Krösche: Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kind. Mir waren die Leasingzeiten immer zu lang und ich dachte, ich muss irgendeine Möglichkeit finden, wie man das verkürzt. Fast jeder fährt ein Auto, daher war die Firma eine runde Sache für mich. Mittlerweile bin ich aber seit zwei Jahren raus aus dem operativen Geschäft.

Die Autos sollen gerade bei Fußballprofis enorm beliebt gewesen sein. Stimmt die Geschichte, dass sich Marco Reus bei Ihnen einen Aston Martin Vanquish zulegte?

Krösche: Datenschutz! (lacht) Nur so viel: Wir hatten eine Phase, in der wir generell im Sport sehr viel unterwegs gewesen sind.

Im Mai 2018, nur ein Jahr nach Ihrer Paderborn-Rückkehr, standen Sie vor einem Wechsel zum HSV. "Hamburg hätte mich sehr gereizt. Ich hatte sowohl mit den Verantwortlichen gute Gespräche geführt, als auch mit meiner Familie alles durchgesprochen", sagten Sie damals. Warum hat es nicht geklappt?

Krösche: Ich war zunächst einmal auch von der Intensität überrascht, mit der der HSV um mich geworben hat. Ich hatte damals allerdings noch vier Jahre Vertrag in Paderborn. Der mittlerweile leider verstorbene Präsident Wilfried Finke nannte dann eine Ablösesumme, die der HSV nicht bezahlen konnte. Daher war die Sache relativ schnell wieder vom Tisch. Manchmal kann es ja aber auch ganz gut sein, wenn Sachen nicht klappen. (lacht)

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