Fussball

Michael Köllner im Interview: "Die Meinung des Vereins entsprach nicht der meinen"

Michael Köllner ist 2018 mit dem 1. FC Nürnberg in die Bundesliga aufgestiegen.

Mit drei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz wurde Michael Köllner im Februar 2019 als Trainer beim 1. FC Nürnberg entlassen. Ein Jahr zuvor hatte der 49-Jährige den Club noch überraschend in die Bundesliga geführt.

Im Interview mit SPOX und Goal spricht Köllner über die Zeit seit seiner Freistellung sowie die Kontroverse um seinen Co-Trainer und Nachfolger Boris Schommers.

Zudem erklärt Köllner, inwiefern er das Aus beim FCN kommen sah, wie man Anfragen ohne Berater bekommt und er äußert sich zur Hire-and-Fire-Politik der Vereine.

Herr Köllner, seit Ihrem Aus beim 1. FC Nürnberg Mitte Februar sind Sie unter anderem auf Kongressen als Referent aufgetreten. Was haben Sie seitdem sonst noch gemacht?

Michael Köllner: Vieles. Manchmal denke ich, Zeit für mich selbst hatte ich seitdem trotzdem nicht. (lacht) In erster Linie geht es darum, die Station in Nürnberg zu reflektieren. Ich gehe Monat für Monat durch und schaue, was genau passiert ist. Wenn man beurlaubt wird, hat man ja sicherlich nicht alles richtig gemacht. Die gesamte Zeit will ich in Ruhe analysieren, um positive wie negative Schlüsselmomente herauszuschälen.

Ist die Analyse bereits abgeschlossen?

Köllner: Nein, das ist ein fortlaufender Prozess. Ich komme immer wieder mit Leuten ins Gespräch, die ein Teil des Weges waren. Das kann ein Spieler oder ein Berater sein, die mir ihre Sicht schildern. Ich treffe mich auch mit einem Führungskräftecoach, der mich bei der Aufarbeitung objektiv begleitet und mir hilft, bei all diesen Themen eine gewisse Struktur für die Zukunft aufzubauen. Und ich nutze die Zeit, um mich weiterzubilden.

Inwiefern?

Köllner: Ich will mein Englisch verbessern und habe dafür einen eigenen Englischlehrer, der mit mir arbeitet. Geistig etwas zu tun war im Grunde mein erster Impuls nach der Beurlaubung. Ich will, dass meine Birne aktiv bleibt. Zudem ist Medienkompetenz ein Thema, das im Profibereich wichtig ist. Da ist man nie gut genug und muss sich ideal aufstellen. Blick zurück, Blick nach vorne, Entwicklung neuer, persönlicher Strategien - all das tue ich, damit der nächste Job nicht nur der richtige, sondern auch erfüllend und erfolgreich ist.

Wie sind Sie denn mit Ihrer bisherigen medialen Positionierung zufrieden?

Köllner: Mein Image kann ich aktuell kaum ändern. Sicherlich wünscht man sich manchmal, dass Themen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. Das kann ein großes Problem sein, denn am Ende ist es auch immer eine Wahrnehmungsfrage.

Heißt?

Köllner: In einem Museum nimmt jeder das Gemälde eines Künstlers anders wahr und zieht seinen eigenen Schluss daraus. Der muss aber nicht mit der Intention des Künstlers übereinstimmen. Als Trainer hat man natürlich einen eigenen Blickwinkel auf seine Rolle und Aufgabe und weiß, was man dafür investiert. Konträr dazu gibt es Außenstehende, deren Sicht wiederum von vielen Leuten übernommen wird. Da denkt man sich öfter: Das ist so einfach nicht richtig.

Sie sind 2018 mit dem Club in die Bundesliga aufgestiegen. Wie sehr unterscheidet sich der mediale Druck zwischen 2. und 1. Liga?

Köllner: Schon extrem. Die Anfragen häufen sich, die bundesweite Beachtung verändert sich stark. Jedes Wort, das man fallen lässt, wird von vielen übernommen und teils aus dem Kontext gerissen. Das macht diese Arbeit schwieriger. Sie gehört aber dazu und ich habe sie nicht als wirklich unangenehm empfunden. Man kann aus Interviews mit Journalisten auch häufig etwas lernen und für sich selbst mitnehmen.

Apropos: In einem Ihrer ersten öffentliche Auftritte nach Ihrem Aus sagten Sie bei Blickpunkt Sport über Ihren Nachfolger Boris Schommers: "Es schmerzt mich, dass er den Posten des ersten Trainers übernehmen durfte. Das war so nicht besprochen." Anschließend gaben Sie zu, dass Sie dies etwas präziser hätten formulieren sollen. Tun Sie es jetzt!

Köllner: Ich habe dort viele Sätze gesagt, doch wie gerade beschrieben wurde dann einer davon herausgegriffen und in einen bestimmten Kontext gestellt. Da habe ich mal wieder gesehen: Ein einziger Satz kann echt fatal sein. Mir wurde ein Nachtreten attestiert, obwohl das dieser geäußerte Satz nicht hergibt. Ich habe ja nicht gesagt, dass ich Boris Schommers oder den Verein blöd finde.

Das stimmt.

Köllner: Ich wurde auf die neue Rolle von Boris Schommers angesprochen und habe einfach nur gesagt, dass das so nicht abgesprochen war. Mein Verständnis ist eben: Wenn man als Chefcoach jemanden als Co-Trainer zum Verein holt und er eines Tages andere Pläne hegen sollte, dann bespricht man das miteinander. Das wäre für mich ein völlig normaler Vorgang, doch das ist nicht geschehen. Das war alles, was ich damit sagen wollte.

Ihre Äußerung hat in der Folge ein paar höhere Wellen geschlagen. Wie sind Sie damit umgegangen?

Köllner: Ich hätte nicht erwartet, dass das eine solche Dimension annimmt. Ich habe daraus gelernt, ganz klar. Das wird mir in Zukunft wohl nicht mehr passieren. Andererseits: Hätte ich dazu einen Kommentar verweigert, wäre das vielleicht auch wieder zweideutig angekommen. Auf manche Fragen kann man kaum eine richtige Antwort geben.

Es kommt häufig vor, dass mit dem Chefcoach auch der Co-Trainer gehen muss. Hat es Sie überrascht, dass das in Ihrem Fall nicht geschah?

Köllner: Darüber habe ich mir ehrlich gesagt keine Gedanken gemacht.

Wie sah denn Ihr Verhältnis zu Schommers grundsätzlich aus?

Köllner: Wir haben immer alles eng miteinander besprochen. Ich habe auch Dinge umgesetzt, die er vorgeschlagen hat.

Andererseits: Im Grunde kann es Ihnen doch auch egal sein, wie es personell nach Ihrer Beurlaubung weitergeht. Das darf ja immer noch der Verein entscheiden.

Köllner: Richtig. Wer mein Nachfolger wird, ist allein Sache des Vereins.

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